So langsam beschließt das Bier des Tages ja sein drittes Jahr und steuert auf sein viertes zu. Da wird es so langsam Zeit, mal zu schauen, was ich so in den letzten Jahren alles besprochen hatte und was noch fehlt. Neben den vielen Sorten und Marken von Industriebrauereien wie Tucher oder Kulmbacher fehlt auch noch die eine oder andere kleine Landbrauerei, bei der ich es bisher einfach nicht geschafft hatte, mal vorbeizufahren. Oder wenn ich vorbeigefahren bin, war gerade Ruhetag. Wie bei der Brauerei Aichinger in Heiligenstadt zum Beispiel. Da war ich im letzten Jahr zwar mal, aber an einem Dienstag. Und Dienstag ist Ruhetag.
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Nun ist das bei anderen Brauereien kein Problem. Da fährt man zum nächsten größeren Supermarkt mit eigener Getränkeabteilung und schon hat man ein oder zwei Sorten Flaschenbier, die man mitnehmen kann. Wenn die Brauerei aber gerade mal 400 Hl/Jahr produziert und man tief in der Fränkischen Schweiz sitzt, geht das nicht. Gottlob verkauft der ortsansässige Nahkauf auch das Spezialbier der Brauerei Aichinger, sonst würde dieser Test noch weiterhin auf sich warten lassen müssen.

 

aichinger-1Nun kann man sich fragen, ob es sich tatsächlich lohnt, jede kleine Brauerei abzufahren. Meist sind die Biere von solchen kleinen Brauereien ja „speziell“, nicht unbedingt der Mainstream und auch nicht jedermanns Geschmack. Wenn dann wie beim Aichinger nur wenige Sorten gebraut werden – aktuell sind es glaub ich das Spezialbier und neuerdings auch ein Bock –, lassen sich die Biere auch schwer einordnen. Mit seinen 5,5 % Alkohol könnte man das Spezialbier als Märzen einordnen. Dank seiner gelben bis vielleicht hellbernsteinfarbenen Optik könnte man es vielleicht auch als Export einordnen. Bei ratebeer wird es als Kellerbier/Zwickel/Landbier eingeordnet. Auch bei der Farbe haben Biertester so ihre liebe Mühe: Von Gold bis Orange/Kupfer variieren die Farbangaben. Und genauso variieren die Angaben zum Geschmack. Von Kommentaren, die es mehr oder minder als untrinkbar beschreiben, bis zu solchen, die richtig loben, ist alles dabei.

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Ich fand den Geruch ein wenig matt. Geschmacklich zeigt es einen malzigen Charakter, hell, zum Abgang hin immer kerniger. Dann kommt auch der Hopfen deutlicher hervor. Insgesamt nicht so wuchtig und vor allem zur Brotzeit ganz nett. Gerade der immer deutlich herber werdende Abschluss sagt mir nicht ganz so zu. Sonst fand ich es ganz brauchbar.

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So weit der Test aus der Flasche. Eigentlich muss man so ein Bier aber im Biergarten vom Fass genießen. Wenn man dann mit Blick auf die Burg Greifenstein mit einer Brotzeit vor sich in der Sonne sitzt, schmeckt so ein Bier gleich wieder ganz anders. Das Ambiente spielt beim Bier nämlich eine nicht unwesentliche Rolle.