Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Christoph Jahn/Ludwigsstadt: Christoph’s Zwick’l Bier (Nr. 277)

Die Nachricht ist eigentlich nicht neu und ging schon Anfang September durch die Presse: Die Jahns Bräu in Ludwigsstadt muss endgültig schließen. Fast genau ein Jahr, nachdem schon mal ein Insolvenzantrag gestellt wurde, ist der Ofen, bzw. der Sudkessel, in Frankens hohem Norden endgültig aus. Der Grund war – neben der zu kurzfristig angelegten Finanzierung einer neuen Abfüllanlage – wohl die immer weiter sinkende Nachfrage nach Jahn-Bier. Die thüringer Brauerei Neunspringe hatte letztes Jahr den angeschlagenen Betrieb aus Franken übernommen. Aber der Aufschwung kam nicht und jetzt hat es “sich einfach nicht gerechnet”, wie der Geschäftsführer Bernd Ehbrecht lapidar feststellte.
Es ist natürlich immer traurig, wenn eine fränkische Brauerei schließen muss. Sei es, weil die Brauereilandschaft dadurch ärmer wird oder weil dahinter natürlich immer auch menschliche Schicksale stehen. Trotzdem betrifft es einen bei manchen Brauereien mehr und bei anderen weniger. Zum Jahns-Bier hatte ich einfach nie so einen Bezug. Außerdem tauchte das Bier hier in meiner Region kaum auf. Eigentlich stehen die Kästen erst in den Getränkemärkten, seitdem der Abverkauf der Ware begonnen hat. Welch eine Ironie. Im Laufe des letzten Jahres, als im Mai 2010 wegen der Insolvenz eine Zeit lang nicht gebraut wurde, flog das Bier der Jahns Bräu bei vielen Super- und Getränkemärkten aus dem Sortiment. Die Kunden orientierten sich um und als wieder gebraut werden konnte, waren Listenplätze und Kunden schon weg. So kam es, dass das Bier zwar überall gelobt aber eben nicht gekauft worden sei. Eigentlich tragisch.

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Wenn also heute “Christoph’s Zwick’l-Bier” das Bier des Tages ist, ist das so etwas wie eine letzte Anerkennung an eine untergegangene Brauerei. Es ist eben Herbst, da beschäftigt das einen halt …
Farblich ist – nicht war, denn noch ist es in einigen Getränkemärkten zu finden – honigfarben hell und so richtig, richtig weizenmäßig trüb. Im Geruch sticht eine Hopfennote hervor, die im ersten Augenblick nicht so recht einleuchten mag. Zwick’l-Biere sind doch meist malzig-hefesauer. Am Geschmack des Bieres soll es nicht gelegen haben, liest man in der Zeitung. Und wirklich: Das Zwick’l ist in Ordnung, nicht das Beste in Franken, das ist wahr. Aber es gibt wesentlich liebloser zusammengepanschtes Bier in unserer Region, das trotzdem seine Käufer findet. Und ich rede jetzt nicht vom Billigbier in Plastikflaschen. Das Zwick’l startet recht hefig, was man bei dem trüben Bier auch erwarten darf, süßlich, blumig ist es. Das gefällt und bis dahin macht es alles richtig. Nur am Ende kippt es ein wenig metallisch bitter den Schlund hinab. Das stört ein wenig, gibt Punktabzug, macht daraus aber noch lange kein schlechtes Bier. Das Zwick’l hatte sicher wie andere Jahn-Biere auch seine Freunde. An Qualität und Geschmack lag’s vielleicht wirklich nicht. Also doch die Banken mit der falschen Kreditberatung, die Supermärkte, die das Bier aus den Regalen gekickt hatten, de Behörden, die immer neue Auflagen für den Betrieb stellten und die allgemeine Kaufzurückhaltung …
Good bye, Christoph Jahn Erben Brauerei GmbH & Co.KG. Auch du wirst in der Brauereilandschaft fehlen. Aber vielleicht finden wir zumindest dein Bier irgendwann einmal wieder, wenn die Zeiten für Bier in Franken wieder besser sind …

P.S.: Und bevor das Ganze zu deprimierend wird, gibt’s morgen ein vorläufiges Happy-End. Versprochen!

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