Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Drei Kronen/Memmelsdorf: M (Nr. 1817)

Heute ist der Tag vor St. Martin und deshalb kann ich heute über kein anderes Bier schreiben als das M von den Drei Kronen in Memmelsdorf.

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Wie, das versteht ihr nicht? Na, dann lasst es mich euch erklären.
Beim M handelt es sich um ein obergäriges rauchiges Rotbier, aber eben kein Weißbier. Dass es neben den typisch obergärigen Weißbierhefen auch noch eine Vielzahl an “neutraleren” obergärigen Hefestämmen gibt, wird im Süden der Republik oft “übersehen”. Man schaue sich nur mal die Bierstile wie Kölsch oder Alt an, die ja auch obergärig , aber überhaupt nicht mit einem Weißbier vergleichbar sind. Im Süden der Republik sind solche Biere ja eher selten. Vor allem, wenn man neben dem Gerstenmalz auch einen Anteil an Weizenmalz oder Roggenmalz (vgl. das gestrige Meinel Körnla) verbraut, braucht man eine obergärige Hefe. Denn untergärige Biere dürfen laut Reinheitsgebot ja nur mit Gerstenmalz gebraut werden.

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Und ans Reinheitsgebot hält man sich streng beim M aus Memmelsdorf. Was aber noch nicht erklärt, warum das Bier, bei dem ausschließlich Gerstenmalz verbraut wird, nun obergärig gebraut werden musste und so gut zum Tag vor Martini passt. Dafür muss man tiefer in die Bamberger Biergeschichte eintauchen, so wie es Hans-Ludwig Straub gemacht hat: In alten Zeiten soll – so erfährt man auf der Homepage der Drei Kronen – die Brausaison für untergäriges Bier in Bamberg mit Martini (also dem 11.11.) begonnen und bis Josephi (23.03.) gedauert haben. Das wäre also kürzer als die Brausaison zwischen Michaeli (29.09.) und Georgi (23.04), die man generell für untergärige Biere vom “Reinheitsgebot” ableitet. Und da das M als “Rekordversuchsbier” am Tag des Bieres (am 23.04., also außerhalb der Bamberger Brausaison für untergärige Biere) gebraut werden soll, muss es nach alter Väter Sitte obergärig eingebraut werden. Und wenn sich der Braumeister Hans-Ludwig Straub schon so viel Mühe mit dem historischen Hintergrund des Rezepts macht, dann respektiere ich das, indem ich das Bier am letzten Tag der (alten) obergärigen Brausaison in Bamberg (nämlich dem Tag vor Martini) vorstelle. Ein anderer Tag hätte einfach nicht gepasst!

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So, jetzt lassen wir aber mal das M mit seinen 4,5 % Alkohol selbst zu Wort kommen. Das sieht einfach bombastisch aus. Also mal ehrlich, das ist ein Bild von einem Bier! Großes Kompliment! Dieses Kupferrot ist verdammt schick! Beim Geruch findet man eine schöne Rauchnote, die sich nicht zu sehr aufdrängt und dem Malz seinen Platz lässt. Vom Geschmack her hat man einen schön fruchtigen Malzcharakter, der sich mit einem angenehmen Raucharoma mischt. Sehr ausgewogen! Und sehr süffig! Der Antrunk ist ein wenig spritzig, dann füllt die Malzaromatik den Mundraum, wobei man betonen muss, dass das Raucharoma wirklich nur begleitend auffällt! Hopfen und Hefe geben dem ganzen noch fruchtig-blumige Aromen mit. Selbst die ganz, ganz feine Fruchtsäure, die wahrscheinlich von der obergärigen Hefe kommt, passt sich ins Aromenprofil ein und lässt das Bier frisch wirken. Und das, obwohl es ja schon im Juli abgefüllt wurde.

Muss man noch mehr sagen? Eigentlich nicht, auch wenn es noch mehr über dieses Bier zu erzählen gäbe. Aber das könnt ihr auf der Homepage der Brauerei Drei Kronen nachlesen. Ich mache für heute Schluss und überlege mir, welches Bier ich morgen an Martini vorstellen werde. Ich habe da ja schon eine Idee …

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