4 Jahre Bier des Tages! Das schreit nach einem Jubiläumsspecial!
Und wenn ich jetzt mal wieder über besondere Biere schreibe, dann darf es ja nicht einfahc nur irgendein Bier sein. Nein, dann muss es schon ein ganz, ganz besonderes Bier sein. Also unter einem … „Superbier“ … mache ich es doch nicht. Das bin ich euch schon schuldig, oder? Und wie passend fielen mir letzthin in einem Getränkemarkt zwei Flaschen Wiener Lager vom Göller aus Zeil am Main in die Hände.

Wiener Lager 5

 

Das klingt jetzt nicht unbedingt irgendwie besonders. „Wiener Lager„. Aha. Ok. Immerhin ist es hopfengestopft, so verrät der Flyer, aber auch das ist nicht mehr so besonders, selbst in Franken nicht. Aber was steht da noch auf dem Flyer? „Bundessieger Craftbeer“! Na, das ist dann doch mal was ganz Besonderes! Wobei ich gar nicht wusste, dass es einen nationalen Craftbierwettbewerb gegeben hätte, bei dem ein fränkisches Bier Bundessieger geworden sei. Nun gut, ich kann ja nicht alles wissen. Also mache ich mich ein wenig schlau … und siehe da, nicht das Wiener Lager wurde Bundessieger, sondern sein Brauer, Felix Göller, wurde bei der Bundesgesellenprüfung Bundessieger im Ausbildungsberuf Brauer und Mälzer. Wie übrigens sein Vater „ein paar Jahre zuvor“ auch schon. Das war 1973. Und zusammen mit seinem Vater braut Felix Göller nun dieses Wiener Lager, dessen Rezeptur er während seiner Lehrzeit entwickelt hat.

Wiener Lager 4

So ein Siegerbier – sei das Bier nun Sieger oder sei es ein Bier eines Siegers – macht natürlich neugierig. Und ein hopfengestopftes Wiener Lager erst recht. Denn bei so einem Bier mit immerhin 5,5 % denke ich an den Biertyp des Wiener Exports. Und der hat seinen Namen vom Wiener Malz. Wobei das Wiener Export ja im 19. Jahrhunderts zwei Brauer in London „erfunden“ haben sollen – einer aus München, der andere aus Wien. Wenn nun das Wiener Lager vom Göller (jun. und sen.) vom Typ her an das Wiener Export angelehnt wäre, dann verspräche die Mischung ein malziges Bier mit einem klaren, deutlichen Hopfenaroma nach Blumen, Kiefern und Kräutern. Denn die soll der Hopfen Bravo mitbringen, wie man der Beschreibung bei Hopfen der Welt entnehmen kann.

Wiener Lager 1

Das klingt nach der biergewordenen eierlegenden Wollmilchsau – und schaubt die Ansprüche, die man an so ein Bier stellt, leider auch immer höher! Wobei man sagen muss: Die Farbe überzeugt schon mal. Genau so muss ein Wiener Lager (oder auch ein Wiener Export) aussehen. Dazu eine feine Trübung, wie sie im Craftbiersektor häufig zu finden ist. Die erste Hürde hat das Bier schon mal genommen. Beim Geruch hat man schon ein deutlicheres Hopfenaroma in der Nase, aber … ja, jetzt kommt ein „aber“. Die meisten Craftbiere werden ja mit sehr tropenfruchtigen Hopfen gestopft, was – sicher nicht nur bei mir – zu einer Art Pawlowschen Reflex führt: Ich lese hopfengestopft und erwarte besagte Fruchtigkeit. Die liefert Bravo aber nicht. Und deshalb könnte man hier enttäuscht sein, bzw. von einem hopfengetopften Bier „mehr“ erwarten. Man darf dem Bier aber auch nicht unrecht tun. Denn der Hopfen überlagert hier nicht brachial alle anderen Aromen. Das Lager präsentiert sich nämlich durchaus malzig, angenehm süß. Darüber kommt das Hopfenaroma, blumig, würzig. Da stützt der Hopfen die Gesamtkomposition. Und sieht man sich eben die Gesamtkomposition an, muss ich sagen, dass sie durchaus gelungen ist. Aber – und jetzt kommt wieder ein „aber“, es tut mir leid – man darf das hopfengestopfte Wiener Lager Craftbeer created by Felix Göller (so steht es auf dem Etikett!!!) eben nicht mit Craftbieren nach amerikanischem Vorbild vergleichen. Da würde es – was die Hopfigkeit und die Bittere angeht – immer den Kürzeren ziehen. Allerdings soll das Bier wohl auch kaum mit den „coolen und mondänen Craftbieren“ konkurrieren. Es schlägt eine Brücke zwischen Tradition (Euro-Flasche, die Geschichte der Brauerei Göller und die historisierenden Etiketten) und Zukunft (Craftbier, Flavor-Hops). Es interpretiert den Craftbier-Gedanken auf eine fränkische Art und reiht sich somit ein neben die Green Monkey-Biere aus Weißenohe, die Hopfensinfonie der Rhönbrauerei Dittmar oder das Pompejanus aus dem Bürgerlichen Brauhaus in Wiesen, um nur einige zu nennen.