Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Hofmühl/Eichstätt: Imperial Strong Porter (Nr. 1943)

Vor Kurzem hatten mein Kollege Martin und ich eine Lesung/ein Biertasting beim Medienhaus Hübscher in Fürth bei dem wir – so, wie wir es gerne machen – den Schokobär, ein Chocolate-Stout, vorgestellt haben.

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Und dabei kam unter anderem die Frage nach dem Unterschied zwischen einem Stout und einem Porter auf. Nun lassen sich viele Bierstile leicht anhand von der Farbe oder Vergärung unterscheiden, aber was macht man bei zwei dunklen, obergärigen Bierstilen, wie es Porter und Stout sind? Schaut man sich die Entstehungsgeschichte(n) der beiden Bierstile an, findet man die üblichen “urbanen Legenden”. Das Porter soll so z. B. aus einer Mischung aus einem Drittel Ale, einem Drittel gemeinem Bier und einem Drittel two-penny-Ale entstanden sein. Der Londoner Brauer Harwood soll die Biermischung in einem Bier nachgebraut haben. Diese Mischung soll bei den englischen Lastenträgen beliebt gewesen sein, was zum Namen Porter geführt haben soll. Soll, denn so richtig belegen lässt sich die Geschichte wohl nicht. Das Stout soll sich als geschmacklich stärkeres Bier als Stout-Porter (Starker Porter) aus dem Porter entwickelt haben. Das Stout wäre demnach die elegantere, vollmundigere Variante des dunklen Ales, das (oder der) Porter das stärker würzige und hopfenbitterere dunkle Ale. Auf beerconnoisseur.com wird zur Unterscheidung eine Produktbeschreibung aus dem Jahr 1810 zitiert:

Porter may be divided into two classes, namely brown-stout and porter properly so called … Brown-stout is only a fuller-bodied kind of porter than that which serves for ordinary drinking. A great deal of this is exported to America and the West Indies.

Was aber wieder nur den Anfang beider Biere beschreibt, denn die beiden Bierstile entwickelten sich weiter, im 20. Jahrhundert wurden Porter in England von Stouts verdrängt. Dafür bekamen sie im Ostseeraum und in Ostdeutschland ihre eigene, zum Teil untergärige Nische. Mit den Weltkriegen verloren die englischen Biere an Stammwürze und Alkohol, in den 70er Jahren wurden die beiden Bierstile “wiedererweckt”. Nur wie? Es gab in der Zwischenzeit starke und schwächere Porter und Stouts, süßere und robustere. Und vieles mehr. Was die Grenzen zwischen beiden Sorten verwischt hat. Und so lautet bei beerconnoisseur.com die Antwort auf die Frage, was der Unterschied zwischen einem Porter und einem Stout sei:

today the difference is whatever you want it to be

Ende gut, alles gut? Nun ja, bei Wettbewerben bräuchte man eine Unterscheidung beider Stile. Beim European Beer Star Award “umgeht” man das Problem elegant. Da gibt es als an Porte-Kategorien: English Style Porter und Baltic Style Porter. An Stouts findet man: Dry Stout, Sweet Stout, und Imperial Stout. Dort folgt man dem Gedanken, das Stout sei das Bier mit den Kaffee- und Schokoladenaromen, während das (oder der) Porter mit mehr Hopfenbittere und stärkeren Röstaromen aufwartet.

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Aber was soll man sich jetzt unter einem Imperial Strong Porter vorstellen? Die Brauerei Hofmühl verspricht “Aromen von Waldblütenhonig und feiner Zartbitterschokolade über den Gaumen. Eine feine, zarte Bittere erinnert im Nachtrunk an eine Tasse feinsten Mocca.” Was – schaut man sich die Kategorisierungen von oben an – eigentlich eher an ein Imperial Stout denken ließe. Aber wie war das? Porter und Stout sind das, was man dafür hält. 😉

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Die hellbraune Schaumkronencrema mochte bei dem Imperial Strong Porter, das ich auf dem Nürnberger Bierfest probiert hatte, nicht lange halten. Auf dem kurzen Weg zwischen dem Ausschank und meinem Platz war sie nahezu weg. Aber ok., bei einem Bier mit 9,4 % Alkohol ist die Schaumhaltigkeit nicht so gut. Das muss man akzeptieren. Vom Geschmack her ist es – nun, sagen wir mal: kein einfaches Bier. Die dunklen Schokoladenaromen gefallen, aber sie gehen zusammen mit einer deutlichen Süße (war zu erwarten), Trockenfrüchten und auch Lakritz- und Pumpernickelnoten. Und dazu kommen die über 9 % Alkohol. Das macht das Bier recht komplex, fast schon ein wenig kompliziert. Und mit der deutlichen Honigsüße eben auch “likörig”. Sicher gibt es dafür Liebhaber, ich habe mir mit diesem Imperial Strong Porter tatsächlich schwer getan. Verglichen mit den Kategorien beim European Beer Star müsste man das Bier übrigens wahrscheinlich als Baltic Porter einordnen. Das klingt vielleicht nicht so “stark” wie Imperial Strong Porter, würde aber, wie ich finde, besser passen. Und weil wir grade bei “problematischen Einordnungen” sind: Ich weiß natürlich, dass die Brauerei Hofmühl in Eichstätt eigentlich zu den oberbayerischen und nicht nicht zu den fränkischen Brauereien zählt und das Argument, Eichstätt habe ja sowohl zum Fränkischen Reichskreis sowie später auch zum Regierungsbezirk Mittelfranken gehört habe, nicht von jedem geteilt wird. Bei immer wieder wechselnden kulturellen und geschichtlichen Grenzen ist die Frage, wo nun Franken als Kulturraum beginnt und wo endet, ähnlich kompliziert wie die ´nach dem Unterschied zwischen Porter und Stout. Passt also irgendwie. 😉

 

 

 

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