Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Nothhaft/Marktredwitz: Rawetzer Zoigl (Nr. 176)

Zu den unfiltrierten untergärigen Bieren gehört neben dem Keller-, Zwickl- und Kräusen-Bier auch der oder das so genannte Zoigl. Zoigl??? Da dreht es selbst dem biererfahrenen Franken schon mal die Fragezeichen raus. Was ist ein Zoigl?
Zoigl ist eine Biersorte, die eigentlich aus dem benachbarten Ausland – sprich der Oberpfalz – kommt. Weil aber Ostoberfranken und die Oberpfalz kulturell nicht immer so genau zu trennen sind, lässt sich auch am Rand Frankens diese Biersorte finden. Wobei es sich beim Zoigl eigentlich nicht um eine eigene Sorte handelt, sondern um einen besonderen Produktionsprozess. Zoigl wird nämlich streng genommen in einem Kommunbrauhaus von mehreren “Brauern” gemeinsam eingebraut und dann zum Vergären und Lagern zur eigenen “Brauerei-Gastwirtschaft” gebracht. Dort wird es reihum ausgeschenkt. Wer gerade mit dem Ausschank dran ist, zeigt dies mit einem Bieranzeiger (Zoigl) an. Dabei kann es sich um Reisigbesen handeln oder eben um den Brauerstern. Der Name Zoigl leitet sich eben von jenem “Anzeiger” ab, weshalb in der Oberpfalz diese Biersorte auch DER Zoigl heißt.
Nun ist es aber fast zwangsläufig, dass jenes Bier eher naturtrüb und auch eher ungespundet, sprich kohlensäureärmer, ist, weil sich eine eigene Filtrationsanlage und Drucktanks nicht für jeden Zoigl-Wirt lohnen.
Streng genommen muss Zoigl eigentlich so und vor allem in der Oberpfalz produziert und darf nicht von einer Brauerei im normalen Brauprozess hergestellt werden.

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Dabei ist diese Tradition nichts speziell Oberpfälzisches: Auch in Franken wurde Bier lange Zeit in Kommunbrauhäusern gebraut und zum Vergären/Reifen in die eigene “Brau-Stube” gebracht: beim Flindern in Pegnitz zum Beispiel.
Auch Marktredwitz, das ja an der Grenze zur Oberpfalz liegt, hat einen eigenen Zoigl: Den Rawetzer Zoigl aus der Brauerei Nothaft. Um den Kunden nichtzu verwirren, steht auf dem Etikett auch gleich, worum es sich beim Flascheninhalt handelt: “hefetrübes Kellerbier”. Das freut nicht nur den Oberpfälzer, sondern auch den Franken – vor allem, wenn es so gebraut ist: Hell, leicht trüb, viel feines CO2, das da im Glas hochperlt undein feines Schaumkränzchen am Rand des Glases. Der Geruch ist leicht säuerlich, hefig und durch den Hopfen ein wenig “spritzig”. Auch im geschmack zeigt es sich vor allem spritzig! Die Kombination aus dem Malz, dem CO2, dem Hopfen und der Hefe-Säure gefällt mir ganz gut. Hopfige Herbe und fruchtige Säure halten sich da die Balance. Ein Sommerbier, wie ich meinen würde, auch wenn es gerade wie aus Eimern schüttet. Sollten die Oberpfälzer Zoigl ähnlich fruchtig-spritzig schmecken, wäre das eventuell einen Blick über den eigenen Tellerrand wert.

P.S.: Dass es im “fränkisch-oberpfälzischen Grenzgebiet” bierkulturelle Überlagerungen gibt, ist ganz normal. Aber auch im tiefsten Oberfranken entstand in Straßgiech in der ehemaligen Brauerei Drei Kronen eine Zoiglstube. Testbericht folgt …

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