Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Hecht Bräu/Zimmern: Bernsteinbock (Nr. 1852)

Wie “bockig” muss ein Bock eigentlich sein? Es gibt da ja sozusagen zwei “Glaubensrichtungen”: Die einen, die ihren Bock richtig stark haben wollen. Da kann man nicht genug Stammwürze haben und auch nicht genug Alkohol. Und den soll man durchaus auch schmecken und spüren dürfen. Ein Bock ist schließlich ein Bock!
Es gibt aber auch die anderen, die es eher “dezenter” mögen. Stärker, ja! Aber bitte nicht so übertrieben derb. Und wer sagt denn eigentlich, dass ein Bock mehr als 6 % Alkohol haben muss? Genau – 16 % Stammwürze muss ein Bock haben! Vom Alkoholgehalt ist nirgendwo die Rede.

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Der Bernsteinbock von der Hecht Bräu in Zimmern ist so ein Bock. Der hat die für einen Bock erforderlichen 16 % Stammwürze, wird aber so eingemaischt, dass er am Ende nicht so hoch vergoren wird. Damit liegt er so um die 6 % Alkohol, was in Bockkreisen fast schon als “Leichtbier” gelten müsste. “Der geht sogar im Sommer”, meint der Bräu dazu – weshalb auf dem Etikett folgerichtig “ganzjährige Bock[b]ierspezialität” steht.

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Farblich ist der Bock eine Wucht! Ich mag ja so bernstein-orangfarbene Böcke. Was aber auffällt, ist die viele Kohlensäure, zumindest nach dem Einschenken. Der Bernsteinbock lenkt das Augenmerk auf den Malzkörper. Melanoidin dürfte da eine nicht ganz kleine Rolle gespielt haben, schließlich erwähnte der Braumeister Bernhard Hecht mal, dass dies sein Lieblingsmalz sei. Da liegt es bei der Bierfarbe nahe. Den Mund füllt ein ordentliches Malzaroma, brotige Aromen mischen sich mit roten Beeren und Fruchtnoten. Dazu kommt ein feines Hopfenaroma. Man kann die Biere der Hecht Bräu ja grob in zwei Gruppen einteilen: Die wunderbar kreativ gehopften Craftbiere und die ehrlich malzigen Traditionsbiere. Der Bernsteinbock gehört in die zweite Gruppe, trotz des feinen Hopfenaromas. Überhaupt wirkt der Bernsteinbock vielleicht mehr wie ein hopfenaromatisches Märzen oder ein stärkeres Rotbier, was auch auf die oben erwähnte Kohlensäure zurückzuführen ist. Aber wie gesagt, nicht jeder Bock muss brachial “bockig” daherkommen. Und “schwere” Böcke gibt es schon genug. 😉

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