Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Keesmann/Bamberg: Gold & Mahr’s Sommer Pils (Nr. 2015 & 2016)

Also wettertechnisch kann man sich (so man von den letzten stürmischen Kapriolen verschont geblieben ist) ja nicht beschweren. Es ist Sommer. Und wie! Was für mich bedeutet, dass ich mir mal zwei heimische Sommerbiere anschaue. Die beiden heutigen Kandidaten für das Bier des Tages kommen beide aus Bamberg, beide aus der Wunderburg und hören auf die Namen Keesmann Gold und Mahr’s Leichtes Sommer Pils.

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Wer jetzt nicht aus Bamberg kommt: Die Wunderburg ist ein Stadtteil in Bamberg mit einem durchaus dörflichen Charakter. In der Mitte , am zentralen Platz steht die Kirche, drum herum gibt es zwei Bäckereien, einen Metzger und zwei Brauereien. Gut, alles ein wenig größer als auf dem Land, aber eben irgendwie doch ein Dorf in der Stadt. Die beiden Brauereien, das Mahr’s und der Keesmann, kommen sich auch nicht groß ins Gehege. Beim Mahr’s trinkt man “a U”, beim Keesmann das Herren Pils. Pils bekommt man zwar auch beim Mahr’s und beim Keesmann mit dem Sternla eine Art “Dunkles”, aber gefühlt gibt’s das alles mehr so “nebenbei”. Die Kernkompetenzen sind verteilt, irgendwie …

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So verteilt dann eigentlich auch doch wieder nicht. Da wäre zum Beispiel das Keesmann Gold, das es als Dortmunder Export zwischen Mai und September gibt und bei dem die ausgewählten Karamellmalze hervorgehoben werden. Wenn man so will, ist das Keesmann Gold sozusagen das “Sommerbier” der Brauerei.  Bei der Optik gilt: nomen est omen! Bei Schnuppern könnte man sich ein wenig wundern, denn das sehr feine Hopfenaroma ist für die Brauerei meiner Meinung nach eher untypisch. Das Keesmann Herren Pils gilt vielen als Bambergs bestes Pils, das Keesmann Hell besticht mit einer für ein Helles schön blumigen Hopfennote. “Hell” + “Keesmann” = “Hopfen”, brennt sich da ins Hirn ein. Und ausgerechnet das helle Export, das durchaus auch gehopfter sein darf, soll das jetzt brechen? Tut es. Aber das stört nicht. Denn der weiche Körper, die Anklänge von Karamell, die unterschwellige Süße, die verhaltene Bittere mögen die Anforderungen eines hellen Exportbiers vielleicht nicht zu 100 % treffen, aber auf der anderen Seite besticht der getreidige, vollmundige Körper, der feine Citrusanklang durch eine schier endlose Süffigkeit. Und beim zweiten fällt einem der Hopfen eher auf als beim ersten …

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Vielleicht ist das der Punkt, warum mir das Keesmann Gold im Keesmann gefällt: Es ist eben nicht eine stärker eingebraute Version (immerhin satte 5,7 %) des Herren Pils! Hätte man das Gold n Hopfennote und einer knackigen Bittere ausgestattet, wäre es vielleicht zu nah am hauseigenen Pils. So ergänzt es das Sortiment, rundet es in Richtung “weichere, milde Bire” ab. Und selbst der eingefleischte Herren Pils-Trinker greift vielleicht sommers ab und an zum Gold, weil danach das Pils wieder so richtig schön knackig die Kehle herunterläuft.

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Was uns zum zweiten Bier des heutigen Tages bringt, dem Mahr’s Sommer Pils. Wer durch die Wunderburg zieht, um beide Biere zu probieren (so wie ich), dem würde ich tatsächlich das Keesmann Gold zum Einstieg empfehelen, obwohl es mit 5,7 % doppelt so stark ist wie das leichte Sommer Pils mit nur 2,8 % Alkohol. Und eigentlich geht man vom leichten zum schweren Bier und nicht umgekehrt. Aber startete man mit dem leichten Sommer Pils und würde hernach das Gold probieren, dann würde einem der schöne, vollmundige Charakter zwar deutlicher auffallen, aber man wäre vielleicht auch ein wenig enttäuscht von der fehlenden Hopfigkeit. Oder man würde, ganz auf Pils eingestellt, im Keesmann gleich das Herren Pils bestellen, was wiederum den Eindruck des Sommer Pils schmälern könnte …

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Optisch ist das leichte Sommer Pils hell, verdammt hell. Sogar für ein Pils. Nun ja, leicht ist eben leicht. Aber wer jetzt ein wässriges Leichtbier befürchtet, der wird eines Besseren belehrt. Die Nase erschnuppert schon mal ein schönes Hopfenaroma. Soll ja ein Pils sein! Es startet auch wie ein normales Pils – oder sagen wir fast wie ein normales Pils. Den leichteren, schlankeren Körper schmeckt man schon. Und der wiederum bewirkt, dass die Citrusnote des Hopfens deutlicher hervorkommt. Was wiederum fast ein wenig wie ein Radler würde, wenn das Bier süßer wäre. Ist es aber nicht! Es ist schön herb, schön fruchtig, nicht süßlich und halt nur ein wenig schlanker. Auch da sage ich: Gleich noch eines bestellen! Was ja kein Problem ist (selbst wenn man zuvor beim Keesmann zur Meinungsbildung mehr als ein Gold probiert hat). Schließlich schmeichelt das Sommer Pils nicht nur dem Gaumen, sondern lockt auch mit seiner Leichtigkeit in Sachen Alkohol. Soll der Rest nur außen herum sein “U” bestellen. Sommer ist Sommer Pils-Zeit für mich beim Mahr’s!

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