Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Lindenbräu/Gräfenberg: Vollbier (Nr. 86)

 

Männer haben ja vorgefertigte Meinungen über Bier. Und eine der elementarsten davon ist die, dass Frauen und Bier … nunja, Bier sei eben Männersache.
Das Schöne an solchen Meinungen ist, dass sie generell ja nicht stimmen. Frauen und Bier – Bier und Frauen: Das ist eine Erfolgsgeschichte, die so alt ist, wie das Brauen selbst. Als Lebensmittel, das wahrscheinlich aus eingeweichtem und vergorenem Brot entstand, fiel es schon im alten Mesopotamien in das Metier der Frauen. Manche Feministin geht sogar soweit zu sagen, dass es nur Frauen trinken und den weiblichen Göttern opfern durften. Bier sozusagen als das weibliche Getränk im Gegensatz zum Wein als dem männlichen Trank. Auch bei den Germanen und später im frühen Mittelalter soll die Frau das Bier gebraut haben und ihre Nachbarinnen zum Bierkränzchen geladen haben. Und von Luthers Frau, einer ehemaligen Nonne, Katharina von Bora wird berichtet, dass dem Reformator ihr Bier so sehr gemundet habe, dass er bat, sie möge ihm welches schicken, wenn er auf Reisen war.

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Wenn Frauen also durchaus ein Händchen für Bier haben (– nicht nur für’s alkoholfreie Weizen), dann ist es nicht verwunderlich, dass es auch heute noch die eine oder andere Braumeisterin gibt. Eine findet sich beim Lindenbräu in Gräfenberg. Da kümmert sich u.a. Irene Brehmer-Stockum darum, dass aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe etwas Feines für Gaumen und Seele entsteht. Und es sei gleich verraten: Sie macht das ganz gut! Das Vollbier mit seinen 5,2% in der urigen Bügelverschlussflasche liegt satt braun im Krug – kein richtiges Dunkles, eher ein Braunbier.

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Und so riecht es auch, braunmalzig und lecker.
Beim Geschmack zeigt sich dann, dass da mit Augenmaß gebraut wird: Denn im Antrunk ist da natürlich sofort der Röstmalz-Geschmack. Aber eben nur kurz im am Anfang und am Ende. Dazwischen breitet sich braunmalzige Bierseligkeit aus. Begleitet wird das Ganze von einem dezenten Hopfeneinsatz. Liegt es daran, dass zum Teil noch selbst gemälzt wird? Liegt es an dem weiblichen Gespür für Feinheiten? Was auch immer, dieses Bier ist süffig, mit leichten Kaffee- oder Schokoladenanklängen, ausgewogener Süße und Bitterkeit …
Ach, was soll ich viel schreiben: Es schmeckt halt, das Lindenbräu aus dem evangelischen Gräfenberg. Da bräuchte sich selbst Luther kein Bier mehr schicken lassen.

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