Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Mönchshof (Kulmbacher AG)/Kulmbach: Maingold Landbier (Nr. 1215)

Ich mache mal weiter mit meinen “Landbier” -Betrachtungen. Dass auch das heutige Mönchshof Maingold Landbier aus der “Stadt” kommt, sei nur am Rande erwähnt. Schließlich ist die selbsternannte “heimliche Bierhauptstadt Kulmbach” , in der ich übrigens auch geboren wurde, mit grade mal um die 26.000 Einwohnern (mit Eingemeindungen) nicht gerade riesig, um nicht sogar zu sagen ziemlich ländlich. Aber darüber will ich mich gar nicht weiter auslassen.

Mönchshof Landbier 2

Was mir am Mönchshof Maingold Landbier aufgefallen ist, ist eine andere Sache. Ich bin ja, wie gesagt, ich Kulmbach geboren und zwar nicht in der Stadt, aber zumindest grob in deren Umland aufgewachsen. Und so kenne ich natürlich noch das eine oder andere Kulmbacher Bier von früher aus Zeiten, als eben noch nicht alles “Einheitsplörre” war. Verzeiht mir, liebe Kulmbacher, aber seitdem die großen und ehemals traditionsreichen Brauereien unter einem Dach “versammelt sind”, hat die Stadt biertechnisch für mich viel an Reiz verloren. Und ich denke, ihr seht das ähnlich, warum sonst habt ihr die Kommunbräu gegründet …

Quelle: Mack, S.: Die neue Fränkische Brauereikarte. Großgescheidt, 1997.

Quelle: Mack, S.: Die neue Fränkische Brauereikarte. Großgescheidt, 1997.

Damals war die Kulmbacher “Kultbrauerei” die Mönchshof. Über Reichelbräu und EKU konnte man streiten, Sandler Bräu gab es eh nur noch zur Bierwoche, aber Mönchshof war gut. Damals irgendwie immer. Und die Biere hatten “klingende” Namen, wie ich finde: Klosterschwarzbier, Kulmquell, Maingold-Export, … Und schon stellt sich mir die Frage:

Wann und vor allem warum wurde aus
dem ehemaligen Export ein Landbier?
Und soll in Kulmbacher Augen die Sorte Landbier
so viel wie Export bedeuten?

Früher stand der Begriff “Export” tatsächlich als Sortenbezeichnung auf den Etiketten, heute findet man ihn nur noch am Rande: “Vollmundig im Geschmack besticht das Landbier mit seinem traditionellen Exportbier-Charakter“, kann man auf dem Rückenetikett lesen. Heißt das nun, dass es ein Export ist – oder doch nicht? Und wie passt der versprochene, vollmundige Export-Charakter mit der Angabe “MILD-WÜRZIG” auf dem Halsetikett zusammen?

Mönchshof Maingold Landbier 3

 

Die 5,4 % Alkohol sind schon mal sehr “exportig”. Die helle Farbe, die großen und kleinen Kohlensäurebläschen, der weiße Schaum – das stimmt schon auch irgendwie. Das Aroma wirkt eher getreidig als hopfig. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wobei ich mir ein wenig frisches, grünes Hopfenaroma auch wünschen würde. Bleibt die Frage, wie viel noch von einem Export in dem Landbier steckt. Der Start ist leicht würzig, aber dann schwächelt es gleich ein wenig, was Volumen und Würze angeht. Aber sind wir mal ehrlich: Eigentlich ist das Jammern auf hohem Niveau! Es bleibt nett malzig, ein wenig getreidig, es perlt schön, angenehm süß und dezent gehopft … Es gibt echt schlechtere Biere als das. Und auch, wenn ich sonst an der Kulmbacher Brauerei AG selten ein gutes Haar lasse, das Maingold Landbier ist trinkbar! Gut, es könnte interessanter sein, könnte mehr Charakter haben, könnte eine Spur voller und vor allem hopfiger sein. Oder einfach ausgedrückt: ein “echtes” Export!

Aber “Export” steht so ja nicht mehr auf dem Etikett. Und “Landbier” kann, das haben wir gestern schon besprochen, nahezu alles sein. Vielleicht kann der Konsument auch langsam mit Begriffen wie Märzen, Export u. ä. nichts mehr anfangen, wenn Biere nur naoch nach ihren Heimatstädten heißen? Oder fürchtet man, dass das Bier die “Export-Erwartungen” nicht mehr erfüllt? Ist “Landbier” marketingtechnisch “besser”, weil emotional aufgeladener?
Aber das ist so ein anderer Trend auf dem Biermarkt. Auf den großen Fernsehbieren steht immer seltener die Sortenbezeichnung “Pils”. Warum? Bei einem Pils gibt es z. B. bei den Bitterstoffen einzuhaltende Mindestwerte. Wenn aber nicht mehr “Pils” auf dem Etikett steht, unterliegt man diesen Regelungen nicht mehr. Die logische Konsequenz für deutsche Brauer ist: “Wer nicht mehr BIER auf sein Etikett schreibt, kann brauen was und wie er will.” Damit würde man das Reinheitsgebot still und heimlich aushebeln – mit der Konsequenz, dass die “Nicht-Bier”-Brauer nur noch den allgemeinen Lebensmittelvorschriften unterliegen. Und die erlauben sehr viel … Nur, ob das der richtige Weg ist?

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