Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Pax Bräu/Oberelsbach: Basalt Bock (Nr. 1876)

Fürs heutige Bier des Tages, den Pax Bräu Basalt Bock, muss ich ein wenig in der Zeit zurückgehen. Sogar weiter als in den September des letzten Jahres, als der Basalt Bock Bier des Monats im Pax Bräu Bierkalender war.

Basalt Bock 2

Quelle: http://www.pax-braeu.de/

Vielleicht müsste man für den Bock sogar bis in die Steinzeit zurückgehen. Ich weiß nicht, ob man damals in unseren Breitengraden schon sowas wie Bier gebraut hat – die ältesten Nachweise für die Bierbereitung in Franken verdankt man einem Amphorenfund in der Nähe von Kulmbach, der auf das Jahr 80 v. Christus datiert wurde. Jedenfalls müssen wir für die Geschichte hinter dem Basalt Bock noch ein paar Jahrhunderte weiter zurück. Da sitzt bei wahrscheinlich so nasskaltem Wetter wie jetzt der Steinzeit-Görch mit seinem Steinzeit Maicherla (für die Nichtfranken: Neolithikum-Georg und Neolithikum Margaretchen) in ihrer Höhle. Und der Görch sagt zum Maicherla (also auf steinzeitfränkisch, aber ich übersetze das mal ins – relativ – Hochfränkische):
“Hoch amol, a weng a Subbm wär jetzt recht.”“Was magst denn für aana? Ich könnerdd dir a Markklößlessubbm machn.”
“Des wär rechdd.”
Und dan formt Neolitikum-Margaretchen aus Mehl, Wasser und ein wenig Mark aus Wiesentknochen kleine Klößchen für besagte Markklößchensuppe, gibt sie zusammen mit Schnee in eine Lehmkuhle im Höhlenboden, geht hinüber zur Feuerstelle und holt mittels zweier Stöcklein ein paar glühende Steine aus dem Feuer und erhitzt mit ihnen den geschmolzenen Schnee in der Kuhle, bis die Suppe zu köcheln beginnt. Und während Neolitikum-Georg so in die blubbernde Suppe schaut, kommt ihm die Idee!

Genau so erhitzen wir ab jetzt die Würze beim Bierbrauen! Und weil wir das Bier mit heißen Steinen brauen, nennen wir es doch gleich Steinbier!

Ok., genaus so hat es sich wahrscheinlich nicht zugetragen. Aber Fakt ist, dass das Erhitzen von Flüssigkeiten in Erdkuhlen oder Holzgefäßen mittels heißer Steine eine sehr alte Kulturtechnik der Menschen ist. Und das man früher oder später darauf gekommen ist, Maische oder Würze so zu erhitzen. In Zeiten computergesteuerter Sudhäuser muss natürlich kein Brauer mehr heiße Steine in seinen Sud kippen. Muss nicht – aber möchte schon. Neben dem Leikeim Steinbier und dem Steinbier von Andreas Gänstaller passiert das auch beim Basalt Bock von Andreas Seufert.

Basalt Bock

Quelle: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/zwischen-spessart-und-karwendel/craft-bier-oberelsbach-100.html

Wer will, kann sich den Vorgang auf der Seite des BR im Video anschauen. Es lohnt sich.
Bei der Bierbereitung hat das Ganze noch einen interessanten Nebeneffekt: An den glühend heißen Steinen karamelisiert der Malzzucker, was schon mal das Aroma des Biers verändert. Gibt man dann die Steine mit dem karamellisierten Zucker während der Gärung/Lagerung wieder in den Tank, kann sich der karamellisierte Zucker wieder lösen und so weiter das Bier aromatisieren. So weit die Theorie.

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In der Praxis ist der Basalt Bock mit seinen satten 17,4 % Stammwürze und 7,6 % ein einfach nur … hammer geiler Stoff! Ob der Basalt jetzt einen eignene Basaltgeschmack bringt, kann ich natürlich nicht sagen. Vielleicht würde Kalk anders schmecken. Jedenfalls anders reagieren, denn Basalt ist eigentlich zu spröde, wenn er erhitzt wird. Aber Rhön ist Basalt und Basalt ist Rhön. Und wer Andreas Seufert kennt, der weiß, wie sehr er Rhöner ist. Und dass er auch mal unkonfentionell zu Werke geht. Was nicht passt, wird passend gemacht. Ich sage nur: Schaut euch das Video an!

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Wie es schmeckt? Hammer geil, wie gesagt. Süffig ist der bernsteinfarbene, trübe Bock. Die feine Hopfennote vom Smaragd- und Strisselspalt-Hopfen passt gut zur Karamellnote. Die rundet die Süße schön ab. Denn wer befürchtet hat, dass bei dem ganzen karamellisierten Zucker das Ganze eine pappige Angelegenheit wird, der muss umdenken. Es erinnert eher einw enig an das Aroma von gebrannten Mandeln … nur nicht so “mandelig”. Die Bittere ist ebenfalls für Pax Bräu-Verhältnisse dezent, passt aber ebenso auf den Punkt. Am besten gefällt mir aber der karamell-malzige Nachhall. Meine weltbeste Biertestergattin ließ sich sogar zur Aussage hinreißen, dass der Basalt Bock für sie sogar das beste Pax Bier sei, das sie bisher getrunken habe. Ich bin mir da nicht ganz so sicher, denn ehrlich gesagt, finde ich die meisten Pax Biere einfach nur gut – abgeshen vielleicht vom Black Gold, das für meinen Gaumen ein wenig zu schwer ist.

Quelle: facebook.com/paxbraeu

Quelle: facebook.com/paxbraeu

Was ich aber guten Gewissens sagen kann, ist, dass es den Basalt Bock auch im nächsten Jahr wieder geben wird. Der Bierkalender von 2016 kündigt ihn wieder für den September an. Und dann findet er hoffentlich wieder über das Cafe Abseits nach Bamberg. Und wenn nicht, werde ich ein paar Flaschen aus der Rhön importieren müssen. Schon alleine wegen meiner Frau. Damit wir dann wie weiland unsere Vorvorvorvorvorvorvorvorvor(und noch viele mehr)vorfahren auf unserem Sofa sitzen und uns das nasskalte Wetter mit ein wenig Rhöner Karamell versüßen können.

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