Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Püls Bräu/Weismain: Weißbier Alkoholfrei (Nr. 1906)

Für den Pfingstmontag habe ich auch noch schnell ein Bier des Tages für euch. An Pfingsten ist ja – so viel kultureller bzw. religiöser Background muss sein – gedenken die Christen ja der Aussendung des Heiligen Geistes, der über die Jünger (und natürlich auch Maria und der Jüngerinnen – denn Maria ist in der ältesten Ikonographie da selbstverständlich mit vertreten) herabkam. Mit dem Effekt, dass die Jünger urplötzlich “beseelt waren”, hinaustraten in die Welt und ohne Scheu mit jedem ins einer Sprache reden konnten.
Pfingsten St Gangolf

Nun kann man zu Religion stehen, wie man mag. Das Thema mit dem Geist und der Begeistreung eignet sich wunderbar dafür, mal wieder über alkoholfreies Bier zu sprechen. Denn so einem alkoholfreien Bier fehlt ja eben jener “Geist”, der einen beseelt und macht, dass man urplötzlich seine Scheu verliert, singen und tanzen kann und flüssig jede x-beliebige Sprache der Welt beherrscht – oder zumindest vom Glauben daran erfüllt ist, man könne es. Auf der anderen Seite sind alkoholfreie Biere das boomende Marktsement, für das sich scheinbar immer mehr Menschen begeistern können.

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Da ist es nur logisch und konsequent, dass eine Brauerei wie die Püls Bräu in Weismain ein Alkoholfreies Weißbier im Sortiment hat. Optisch ist es von einem “echten Weizen” nicht zu unterscheiden. Aber was ist schon “echt” und was nicht? Darf man ein alkoholfreies Weizen überhaupt mit einem mit Alkohol vergleichen? Denn geschmacklich trennen auch hier das eine Welten vom anderen. Auch wenn mir das alkoholfreie Weißbier vom Püls nicht ganz so süß vorkam wie andere Kollegen ohne Alkohol. (Der Begriff Alkohol kommt übrigens aus dem Arabischen und meint “das Allerfeinste” oder die “reine Substanz” – da hat man jetzt wieder die Verbindung zu Pfingsten und dem Heiligen Geist.) Aber auch hier hat man dieses Feeling von unvergorener Würze und einen im Vergleich zu “Weizen mit” einen viel leichteren Körper. Nicht schlecht für ein alkoholfreies Weizen, aber immer noch “nur” ein alkoholfreies Weizen. Als Durstlöscher eignet es sich prima. Man kann es auch nebenher wie Bier trinken, wenn man in geselliger Runde sitzt und kein Wasser oder keine Apfelschorle trinken mag. Aber zumindest mein Gaumen “sehnt” sich dann doch irgendwann nach dem Mehr – zumindest im Vergleich zu einem traditionellen Weizen. Aber vielleicht liegt gerade darin ein Problem bei den alkoholfreien Bieren. Alkohol, ist ein wichtiger Geschmacksträger – und ein Bier ohne Alkohol, das versucht sein Pendant mit Alkohol zu imitieren, wird zwangsläufig an der Aufgabe scheitern.

Ausschnitt

Vielleicht brauchen wir für alkoholfreie Biere eine neue, zündende Idee, wie man diese Art von Bieren “neu” und “anders” denken kann – sozusagen eine göttliche Eingebung. Erste Biere in diese Richtung gibt es ja schon. Das Kehrwieder ü.NN. zum Beispiel. Oder das hopfenfruchtige Leichtbier der Brauerei Reblitz aus Nedensdorf zum Beispiel.

Oder man könnte vielleicht mit anderen natürlichen Rohstoffen “spielen”: Hafer soll als Rohfrucht zum Beispiel eine größere Vollmundigkeit geben, auch Mais wird eine süße Vollmundigkeit nachgesagt. Dazu müsste man aber das Reinheitsgebot in seiner bestehenden Form verändern. Und ohne ein wenig göttliche Eingebung wird sich da nichts tun …

Oder wir Verbraucher müssten einsehen und uns einfach daran gewöhnen, dass ein alkoholfreies Weizen anders schmeckt als eines mit Alkohol.

Mal sehen, bei wem die göttliche Eingebung als erstes einschlägt. 😉

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