Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Quo vadis, Hopfen? Auf nach England …

Hier kommt der zweite Teil meiner Hopfenbetrachtung im Nachgang der letzten Brau-Beviale. Frankreich ist als Hopfenland ja weniger bekannt, auch wenn im Elsass schon lange Bier gebraut und Hopfen angebaut wird.

Let’s talk about hops, baby …

Anders verhält es sich mit England: Das Mutterland der Stouts, Ales, Porters und anderem mehr kommt natürlich nicht ohne eigenen Hopfen aus. Aroma-Sorten wie Golding, Forst Gold, East Kent Golding, oder Fuggle sind auch hierzulande bekannt, vielleicht sogar Progress, Sovereign und Challanger. Bei den Bitterhopfen hat man vielleicht schon mal Target oder Pilgrim gesehen. Zumindest, wenn man englische Bierstile mag. Die meisten dieser Sorten bewegen sich in ihrer Aromatik bei erdigen oder grasigen Aromen, auch Zeder, Blumen und natürlich Zitrone oder würzige Kräuter. Alles recht klassisch eben.

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Was mich am englischen Hopfen interessiert, ist eher das, was im letzten Barth-Bericht unter der Rubrik “Sonstige Aroma” bzw. “Sonstige Hochalpha” verbucht wird. Auf der Brau-Beviale hatte ich ein anregendes Gespräch bei den Hopfenanbauern und -händlern von Charles Faram – und bin mit zig neuen Hopfeneindrücken nach Hause gegangen.

hopfen-england

Die Broschüre von Charles Faram listet insgesamt 33 Hopfensorten auf.Darunter sind englische Ableger von bekannten Sorten wie Cascade oder Chinook. Klar, die beliebtesten Craftbeer-Sorten werden auch außerhalb der USA angebaut, um die stetige Nachfrage zu bedienen. Daneben gibt es aber auch viele Sorten, von denen die meisten noch nichts gehört haben dürften. Ein paar davon möchte ich euch hier vorstellen.

Ernest

Ich mag mich ja täuschen, aber Hopfensorten, die in Richtung Zitrus und Ananas und Aprikose gehen, fallen mir in letzter Zeit häufiger auf. Vielleicht liegt das an meinem momentanen Geschmack, vielleicht ist es auch so etwas wie ein kleiner Trend. In diese Richtung geht auch die Hopfensorte Ernest. Eigentlich ist der Hopfen gar nicht so neu, entwickelt wurde die Sorte in den 1920ern und in den späten 1950er Jahren in den ersten Brauversuchen eingesetzt. Allerdings störte das “strong, coarse, American aroma“, also das starke, grobe, amerikanische Aroma. Gerade das, was die Brauer jetzt interessiert. Es ist irgendwie wie mit der Mode von damals: Irgendwann kommt alles wieder zurück.

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Minstrel

Den Hopfen mag ich, das weiß ich jetzt schon, was jetzt weniger an seiner Beeren-, Kräuter und Orangenaromatik liegt. So richtig “anders” ist Minstrel eigentlich nicht, vielleicht eher ein wenig fruchtiger als die klassischen englischen Hopfen. Aber bei dem Namen muss ich immer an das Album bzw. den Song Minstrel in the Gallery von Jethro Tull denken. Und da der eine oder andere Brauer bei den Namen seiner Braukreationen Anspielungen zu Rocksongs mag, kann man auf das erste Minstrel-in-the-whatever-Ale oder MinstrALE warten. Ist sicher nicht das Schlimmste!

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Archer

Mit Archer hat man wieder eine Sorte an der Hand, die sich für fruchtige Biere eignet. Blumige Aromen, Pfirsich und Limone werden bei Hopfen der Welt dieser Hopfensorte bescheinigt – und eine “typisch britische” Bittere. Der Hopfen wird von Charles Faram auch zum Stopfen empfohlen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Sorte Boadicea, die hier auch auf dem Foto ist, ist eher eine Bittersorte, die man auch zum Geschmacksabrunden benutzen kann. Sie hat würzige und leicht florale Noten.

Bramling Cross

Ich habe ja den Faible, dunkleren Bieren im Whirlpool eine Dosis “Beerenhopfen” zu gönnen. Ich finde, so ein feines Aroma nach schwarzen Johannisbeeren, reifen Kirschen o.ä. rundet den Malzkörper solcher Biere ab. Bisher war mein Hopfen der Wahl in dem Fall die amerikanische Sorte Willamette. Mit Bramling Cross habe ich auf der Brau-Beviale eine Alternative dazu gefunden. Auch hier hat man eigentlich keinen klassisch englischen Hopfen mehr vor sich, sondern einen, der eher “amerikanisch” schmeckt. Das mag daran liegen, dass der Hopfen aus einer Kreuzung aus dem klassischen Bramling und einem kanadischen Wildhopfen aus Manitoba entstanden ist. Neu ist der Hopfen eigentlich auch nicht. Es gibt ihn schon seit den 1970er Jahren, aber auch hier hat das “amerikanische Aroma” die englischen Brauer davon abgehalten, ihn zu benutzen. Sowohl bei Charles Faram und bei mueggelland.de wird das Bier für klassische ungespundete Fassbiere empfohlen. Und damit hätte ich einen Hopfen, der auch für fränkische Brauer interesant sein könnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Sorte Flyer im Vordergrund wird bei Charles Faram mit “Caramel, Citrus, Liquorice, Toffee” beschrieben. Bisher wird er wohl mehr zum Bittern verwendet, obwohl er sich wohl auch zum Stopfen eignet.
Für dunkle Biere ist vielleicht auch noch der seltene Hopfen Phoenix geeignet, weil er in Richtung Schokolade oder Melasse geht. Allerdings liest man ab und an, dass er besser am Anfang gegeben werden sollte, während Charles Faram die Schokoladigen Aromen eher bei später Aromagabe auftreten sollen. Weil der Hopfen aber so selten ist, würde ich hier keine Empfehlung abgeben wollen. Da sollte man vielleicht auf Erfahrungswerte anderer Brauer warten. Mit Endeavour, Jester und Olicana hat man übrigens noch ein paar Hopfen mit Grapefruit-, Südfrucht-, aber auch Johannisbeer-Aromen an der Hand. Alle sehr interessant und für moderne Bierstile geeignet. Aber jetzt wird’s fast schon zu umfangreich. England ist als Hopfenland für mich jedenfalls ein interessanter Fleck geworden …

 

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