Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Red Castle Brew/Heroldsberg: Doppelbock, im Whiskyfass gereift (Nr. 1664)

Es gibt Biere, für die bin ich eigentlich der falsche Tester. Für alle Biere, die irgendwie in Wein- oder Whiskeyfässer gereift sind zum Beispiel. Dafür habe ich eigentlich keinen Gaumen, denn ich mag weder teure Rotweine (auch keine billigen, wobei ich den Unterschied nicht zu erschmecken vermag) noch Whisky von egal woher. Aber es hilft ja nichts, wenn ich sage, ich will jedes (verfügbare) Bier aus Franken testen und beschreiben, dann muss ich mich auch mal an ein Bier wie den dunklen, im Whiskyfass gereiften Doppelbock der Red Castle Brew aus Heroldsberg ranwagen.

IMAG1283

Den gab es auf dem Nürnberger Bierfest Gottlob in kleinen Gläsern – und zwar aus zweierlei Gründen. Zum einen, weil es wie gesagt nicht mein Bierstil ist, zum anderen, weil der gute Doppelbock satte neuneinhalb Prozent hat! So ein Bier will mehr genossen als getrunken werden.

Optisch ist das Bier … verdammt dunkel und schäumt kaum auf. Das kennt man von anderen, sehr starken Bieren. Die liegen auch ein wenig “taub” im Glas. “Die Nase” weist neben dunklen Schokonoten und Whisky auch Vanillenoten auf. Oder kommen die automatisch mit dem Whisky? Bei dem soll es sich übrigens nicht um irgendeinen Whisky handeln. bei dem Fass soll es sich um eines mit Slyrs-Whisky gehandelt haben, wenn ich mich recht erinnere. 5 Jahre lag Whisky im Fass, das Bier immerhin satte 10 Monate. Da nimmt es schon einiges an Aromen an. Jedenfalls fiel mir auf, dass das Whiskyaroma hier nicht so harsch und “schneidend” auftritt. Ja, ich fand den Bock sogar regelrecht “smooth”. Was vielleicht auch an der reltiv niedrigen Trinktemperatur gelegen haben könnte. Aber dazu später mehr. Zusammen mit den dunklen Noten und der Vanille ergibt das ein Bier, das für den Alkoholgehalt fast schon süffig ist. Aber wie gesagt, das könnte auch an der niedrigen Temperatur gelegen haben, mit der der dunkle Doppelbock serviert wurde.

IMAG1285

Die empfohlene Trinktemperatur von 6 – 8 °C kann ich nicht ganz nachvollziehen. 6 °C wären bei einem “normalen” Bier schon am unteren Rand der Skala, generell sagt man ja, die ideale Temperatur für Bier läge bei 8 °C. Und stärkere Biere vertragen auch das eine oder andere Grad mehr. Bei anderen Bieren in diese Richtung sieht man manchmal Trinktemperaturen von bis zu 15 °C. Für Whisky soll die Trinktemperatur – das habe ich gegoogelt, ich kenne mich da ja nicht aus – sogar knapp unter Zimmertemperatur liegen. Sonst würde man die feinen Nuancen der Aromen nicht herausschmecken können – schreibt zumindest gq.

Eine andere Sache ist der Preis. 19,80 € pro Flasche, das sind sagenhafte 26,40 € pro Liter!!! Für Bier ist das eine ganze Menge Holz. Aber das “Holz” macht ja auch den Preis. Für so ein vorbelegtes Fass zum Wiederbelegen zahlt man ein paar Hundert Euronen. Die müssen über so ein Bier natürlich wieder hereinkommen. Und verglichen mit einer Flasche Whisky ist es jedoch recht günstig. Und laut Homepage soll es ja ein Bier für den Cognacschwenker und “für den Genuß nach dem Essen oder als ‘Absacker’ am Abend” sein.

 

Zur Zeit keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Was war wann?

Februar 2018
M D M D F S S
« Jan    
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728  

Mehr Lust auf Bier & Buch aus Franken?