Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Schlossbrauerei Stelzer/Fattigau: Zoigl Bier (Nr. 1775)

Dass man im “Vielvölkerstaat” Bayern ab und an gestritten wird, ist nichts Neues. Franken gegen Altbayern ist da so ein – auch von mir – immer wieder aufgewärmtes Thema. Und innerhalb dieses Konflikts gibt es die “Hassliebe” zwischen den Franken und den Oberpfälzern. Die wird ja unter anderem jedes Jahr beim Auftritt der Altneihauser Feuerwehrkapell’n bei der fränkischen Fasenacht lebhaft gepflegt.

Und so viele Gemeinsamkeiten es zwiechen der oberfränkischen und der oberpfälzer Bierkultur gibt, so gerne wird auch hier gestritten, nämlich um den Zoigl. Der Zoigl ist mehr eine Biertradition als ein Bierstil. Bei dieser Biertradition geht es darum, dass in Kommunbrauhäusern Alt- und/oder Neubrauer ihr Bier brauen (oder von einem Braumeister brauen lassen), das Bier dann vom Kommunbrauhaus zu den Kellern der jeweiligen Zoigl-Wirte gebraucht wird, wo es jeder mit seiner eigenen Hefe unter seinen vor Ort herrschenden Temperaturen vergären lässt. Die Zoigl-Wirte schenken dann ihr Bier nacheinander aus und zeigen mit einem Bierstern (dem “Anzeiger”, von dem sich der Begriff Zoigl ableitet) an, wann es wo frischen Zoigl gibt.

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Das kennt man in Franken, wo es viele Kommunbrauhäuser und entsprechende Biere gibt –  nur heißen diese Biere in Franken gemeinhin anders. Und das frische Bier wird anders angezeigt, z. B. beim Flinderern. Weshalb man auf www.zoigl.de feststellt, dass es in Franken keinen echten Zoigl geben kann. So weit wäre alles gut, gäbe es nicht gewerbliche Brauereien in Franken, die Zoigl anböten. Da hatte ich ziemlich am Anfang dieses Projekts dem Rawetzer Zoigl der Brauerei Nothaft aus Marktredwitz und heute das Zoigl Bier der Schlossbrauerei Stelzer aus Fattigau.

imag2564Sowas geht für einen echten Oberpfälzer schon mal doppelt nicht! Dem – repräsentiert durch Norbert Neugirg, dem Komandanten besagter Altneihauser Feuerwehrkapell’n – gehen schon die Zoigl von gewerblichen Brauereien in der Oberpfalz zu weit und sie verwässern die Zoigl-Tradition. Wenn jetzt aber auch noch gewerblicher Zoigl aus Franken … ??? Was mir am Zoigl Bier aus Fattigau – auch im Vergleich zu den Kellerbieren, die ja typisch für Franken sind – aufgefallen ist, war die dichte Trübung des dunklen Biers. Oder noch mehr die “Hefeflocken”, die fast wie bei einem Weizen aus der Falsche in den Glaskrug trudeln und sich am Boden festsetzen. Da wird wohl nicht mittels Zentrifuge eine bestimmte Partikelgröße fürs Bier bestimmt, die sich nicht auf dem Boden absetzt.

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Das gibt dem Bier einen urigen Touch, der wiederum zum Zoigl-Image passt. Ein Bier, das ein  wenig “roher” wirkt, ungehobelter, ungeschönt sozusagen. Und so schmeckt der Zoigl aus Fattigau auch. Ein wenig kantiger, ungeschminkt in seinem Malzauftritt mit Aromen von Karamell, dunklem Brot und natürlich von der Hefe. Dazu ein getreidiger Körper und ein erdiger, deutlicher in Richtung Herbe gehender Hopfen, der die Malzsüße in Schach hält. Wie gesagt, ich fand das Bier fast ein wenig “unvermittelt” und “roh”, was aber nichts Schlechtes heißen soll. Insofern finde ich den Namen Zoigl Bier nicht schlecht gewählt.

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Aber darf man so ein Bier wirklich Zoigl nennen? Auf ratebeer ist man sich auch uneins. Da liest man “A very generic and soulless zoiglbier plagued by unduly high levels of carbonation” genauso wie “Very nice Zoigl.” Und man selbst ist so schlau als wie zuvor. Eine abschließende Antwort muss ich – zumal ich ja kein Oberpfälzer bin – für diesmal schuldig bleiben.

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