Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Stefansbräu/Dinkelsbühl: Helles Weizen (Nr. 1992)

Früher, da habe ich ja – könnt ihr euch eigentlich noch erinnern – versucht, immer am Sonntag Morgen schnell vor der Kirche noch ein Weizen als Bier des Tages vorzustellen. Sozusagen als virtuellen Frühschoppen. Schließlich bin ich ja ein großer Fan von all den schönen Biertraditionen, die hierzulande als tragbar, im Rest der Republik oft als “unschick” oder gar als mit dem Ruch des Alkoholismus behaftet gelten. Das “Stehgammeln” zum Beispiel, wenn man sich schnell mal mit seinen Kumpels (oder Mädels, wir wollen Frauen da nicht außen vor lassen) auf ein schnelles Stehbier ((oder zwei oder drei) in der Schwemme trifft. Das fast schon obligatorische Wegbier, von dessen Notwendigkeit mittlerweile auch Hipster in Großstädten überzeugt sind, wenn auch aus anderem Grund. Oder eben der Frühschoppen, wenn man sich mehr oder minder weit vor dem Mittagsläuten, am besten nach dem Gottesdienst oder auch gerne davor, weil man ja auch mit dem gläsernen Gebetbuch andächtig sein kann und Gottes Wort an jeden Ort dringt, trifft, um vorsätzlich dem Alkohol zuzusprechen. Geht gar nicht in unserer modernen Zeit! Wirklich nicht! Da findet man sich schnell in einem Dialog wie diesem wieder:
“Schatz, die Jungs und ich gehen zum Frühschoppen …”
“Was, ihr wollt Bier trinken? Jetzt, um die Uhrzeit? Was sollen denn die Leute denken, wenn sie euch sehen? Ihr seid doch keine Alkis …!!!”

Tja …

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Wenn es aber doch geht, dann ist das Bier der Wahl zumeist das Weizenbier. Nicht etwa, weil der Frühschoppen wie das Weizen (oder auch Weißbier) bayerische Traditionen wären, die wie die Lederhosen auf Volksfesten kontinuierlich das einstmals freie Franken überschwemmen würden. Nein, so ein Weizenbier schmeckt einfach am Vormittag besser als ein Pils oder ein Dunkles, finde ich. Das liegt daran, dass so manches Weizen richtig schön fruchtig und bananig ist. Auf der anderen Seite ist das auc nicht jedermanns Sache, weshalb es auf der anderen Seite eher würzige Weizen gibt.

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Das Stefansbräu Helle Weizen aus Dinkelsbühl will sich da nicht so recht festlegen, in welche Richtung es mehr tendieren will. Da gibt es ein feines Fruchtarome, das gefällt und dem Bier seine Frische gibt. Auf der anderen Seite gibt es auch würzige, malzige Noten, die das Bier eben nicht zu süß wirken lassen. Dazu kommt noch ein ordentlicher Schwung Hefe – und fertig ist ein typisches Weizen, mit dem eigentlich jeder zurecht kommt, egal, ob man nun eher auf fruchtige Biere steht oder ob man einen Begleiter zum Leberkäsweggla sucht. Wollte man dem Weizen etwas ankreiden, dann vielleicht das: Es könnte sich ein wenig mehr in eine Richtung entscheiden. Das ist aber ein Kritikpunkt, den bestenfalls Bier-Nerds wie ich äußern würden. Denn “arbeitet” man sich durch die fränkische Weizenlandschaft, dann fällt einem das eine oder andere Weizen in die Hände, das eben deutlich fruchtiger und bananiger oder auch schwerer oder kerniger sind. Und das prägt einen halt. Und sorgt für Gespräche beim Weizentrinken – wie beim Frühschoppen.

P.S.: Wer Probleme hat, seinen frühschoppenbedingten vormittäglichen Weizenkonsum vor dem gesundheitsbewussten Teil der Bevölkerung (also zumeist der eigenen Partnerin) zu rechtfertigen, der könnte anführen, dass so ein Weizen viele wertvolle Mineralstoffe enthält und denk der Hefe gut für das (irgendwann schütter werdende) Haar und die Fingernägel sei. Mam muss bei so einer Argumentation nur aufpassen, dass dann nicht plötzlich die bessere Hälfte mit ihren Freundinnen sonntags als “Beautykur” zum Frühschoppen aufbricht. 😉

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