Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Patrizier Bräu (Brauerei Tucher)/Fürth: Königstrunk (Nr. 1151)

Dass mir Marketingaktivitäten ein ewiges Rätsel bleiben werden, muss ich nicht weiter betonen. Ich bin gelernter Geisteswissenschaftler und als solcher scheine ich in ganz anderen Bahnen zu denken als die Nadelstreifenträger in den oberen Etagen der Bierwirtschaft.

Wenn ich mir zum Beispiel die Geschichte der Nünberger- und Fürther Brauereilandschaft anschaut, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Da wurde zusammengekauft, was ging, bis man so groß und mächtig wurde, dass man vor Kraft kaum mehr laufen konnte … und selber geschluckt wurde. Denn die “doofen” Kunden wollten die Schließung von Traditionsbrauerei um Traditionsbrauerei einfach nicht so hinnehmen, wie es sich die Brauereiinhaber und Konzerninfürsten vorgestellt hatten.

Fusionen_Tucher-Bräu_Wikipedia

Die Fusionen auf dem Biermarkt in Nürnberg und Fürth. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tucher_Bräu

Dass die Marke Patrizier im Nürnberger- und Fürther Land in der jüngeren Vergangenheit nicht wohl gelitten war, war ein hausgemachtes Problem. 1972 wurde die Biermarke gegründet, ab 1974 gab es Bier unter den Namen. Entstanden ist die Marke der Schickedanz-Gruppe durch den Zusammenschluss und den Aufkauf von einigen Brauereien aus Nürnberg, Fürth und der Umgebung. Der Name Patrizier leitet sich vom Namen des hellen Vollbiers der ehemaligen Nürnberger Lederer-Brauerei ab.

Nieder_mit_patrizier

Kein gutes Image:
Protestaufkleber aus Erlangen.
(Quelle:
http://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Patrizier_Bräu)

Was marktwirtschaftlich zwar Vorteile haben mochte, kam beim Kunden aber gar nicht gut an. Die Schließung von Brauereien, die Aufgabe von Traditionsmarken und die Konzentration auf 1989 letztlich nur noch 2 Braustandorte (die ehemalige Humbser-Brauerei und die Zirndorfer Brauerei) bewirkten, dass sich immer mehr Kunden von der Marke Patrizier abwandten. Uns so kam es, wie es kommen musste: Anfang der Neuziger begann der wirtschaftliche Ausverkauf der Marke, die 1994 im nächsten Brauereiriesen aufging: Tucher.

  Königstrunk 1

Die Marke wurde dabei vom Markt genommen, nur um sie ein paar Jahre später wieder zu reaktivieren – so wie es die Patrizier zuvor auch mit anderen Traditionsmarken gemacht hatte. Der Ruf der Marke hatte in der Nürnberger und Fürther Gegend jedenfalls ziemlich gelitten. Und dadurch hat sie in der heutigen Tucher-Konzernstruktur keine wirkliche Chance. Schaut man sich die nämlich an, dann gibt es Mit dem Humbser-Bier gibt es ein ziemlich liebloses Billigbier mit einem fadenscheinigen Traditionsanstrich. Das Lederer-Pils darf immerhin noch mit eigener Homepage einen auf kompromissloses Pils machen, Zirndorfer und Grüner bedienen den Markt der “Heimatbiere” und Tucher selbst wandelt sich ja gerade von der coolen urbanen Brauerei zur Traditionsmarke. Für Patrizier ist da allerhöchstens im “außerregionalen Export” Platz. Dabei hätte gerade Patrizier genügend Potential für eine Marke, die auf die Tradition und Geschichte Nürnbergs setzt. Namen wie “Albrecht Dürer Pils” oder “Königstrunk” wären ideal dafür, bei Touristen, Neuzugezogenen und vielleicht auch dem einen oder anderen jüngeren Einheimischen Emotionen zu wecken. Außerhalb der Region dürfte das schwieriger fallen. Wer weiß denn zum Beispiel außerhalb Nürnbergs, dass es eigentlich die Frankenmetropole sein sollte, in der die “Reichskleinodien” der deutschen Könige und Kaiser liegen sollten. Kasier Siegismund übertrug der Reichsstadt 1423 den Reichsschatz bestehend aus der Reichskrone, dem Reichskreuz, der heiligen Lanze und vielem mehr zur ewigen Aufbewahrung. Bis ins späte 18. Jahrhundert wurde der Schatz in der Nürnberger Burg verwahrt, bevor er im Zuge der deutsch-französischen Kriege nach Wien gebracht wurde.Königstrunk 2

Außerdem ist der Königstrunk ein gar nicht mal so schlechter Vertreter eines hellen Exportbieres. Mit 5,4 % Alkohol ist er durchaus exporttypisch stark. Die Farbe ist golden hell, die unetrschwellige Süße irritiert vielleicht im ersten Moment, dafür gibt es auf der anderen Seite auch deutliche Hopfenwürze und Herbe im Abschluss. Es ist nicht ganz so voluminös, da könnte es meinetwegen noch ein wenig zulegen, dafür ist es recht hopfenfruchtig, was eigentlich gefällt. Mit ein wenig Investition könnte man daraus ein echt gutes Export machen. Und mit ein wenig Marketing hätte es für die Marke Patrizier den Platz gegeben, den Tucher mit dem Traditions-Relaunch nun auszufüllen versucht. So bleibt für Patrizier in Nürnberg kaum Platz. Aber für die Reichskrone ist ja auch schon lange kein Platz mehr auf der Kaiserburg …

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