Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Mönchshof (Kulmbacher AG)/Kulmbach: Exportbier anno 1910 (Nr. 1564)

Retro ist in, ich kann es gar nicht oft genug wiederholen. Das muss so sein, wenn man es sogar bei der Kulmbacher Brauerei AG bemerkt hat. Seit neuestem gibt es – und das übrigens in streng limitierter Auflage – das Mönchshof Exportbier anno 1910. Seit 1884 firmierte die vormalige “Export-Bier-Brauerei Simon Hering” unter Heinrich Hering als “Kulmbacher Export-Brauerei Mönchshof“. So kann man es auf der Mönchshof Homepage unter dem Reiter Geschichte nachlesen. Nur für das Jahr 1910 vermerken die Online-Annalen der Marke Mönchshof nichts besonderes. Aber wer wird sich an solchen Details stören. Schließlich weiß das Rückenetikett ja zu berichten: “Schon im Jahr 1910 war das unfiltrierte Mönchshof Exportbier weit über die Grenzen Deutschlands beliebt.” Und weiter kann man da lesen, dass man deshalb das unfiltrierte Export in streng limitierter Auflage neu aufgelegt hätte.

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Nun ist das mit der strengen Limittierung so eine Sache. Von dem Bier steht in den Getränkemärkten nicht gerade nur eine kleine Kiste. Oder zwei. Eher schon zwanzig. “Streng limitiert” kann bei der Kulmbacher Brauerei AG viel heißen. “Selten” wäre jedenfalls etwas anderes. Aber ok. Soll wohl so viel heißen wie: das brauen wir so schnell nicht wieder.

moenchshof-exportbier-unfiltriert-anno-1910Was in dem Fall eigentlich schade wäre. Ich weiß, ich schimpfe viel zu oft über die Kulmbacher Brauerei AG. Wobei es auch Leute gibt, die sagen, man könne über Großbrauereien nicht genug schimpfen. Mit dem unfiltrierten Exportbier geht es aber in eine durchaus akzeptable Richtung. Das hellgelbe, ordentlich trübe Bier schmeckt nämlich gar nicht so übel: Getreidiger Antrunk, der Hopfen ist von Anfang an präsent, aber nicht dominant, der Körper für ein unfiltriertes Bier nicht zu schwer. Die Hefe ist durchaus leicht fruchtig, zusammen mit den Gras- und (leichten) Zitrusaromen vom Hopfen macht das ein nicht schlechtes Bier. Ein wenig kernig, nicht zu anstrengend, aber auch nicht ganz langweilig. Für ein Kulmbacher fast ein Meilenstein!

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Trotzdem bleibt das eine oder andere “aber“.
Aber warum muss das Retro-Exportbier anno 1910 zum Beispiel Hopfenextrakt haben? 1910 gab es den noch nicht. Wäre es nicht nett gewesen, im Rezept darauf zu verzichten? Zumal man ja bei einem streng limitierten Sud den Extrakt nicht gebräucht hätte, um natürliche Schwankungen beim Hopfen auszugleichen.
Oder aber handelt es sich beim unfiltrierten Exportbier anno 1910 “nur” um ein unfiltriertes bzw. mit Hefe “aufgehübschtes” Mönchshof Maingold Landbier? Die “technischen” Werte sprächen zum Teil dafür: Beide Biere haben Hopfenextrakt bei den Zutaten und 5,4 % Alkohol. Und für ein unfiltriertes Bier ist das hier phänomenal lange haltbar! Allerdings soll das unfiltrierte Export anno 1910 eine Stammwürze von 12,3 % haben, während beim Maingold Landbier laut Homepage 12,5 % Stammwürze anliegen.
Und warum wird aber bei den Mönchshof Neuigkeiten zum optischen Auftritt des Biers mehr  gesagt als zum Bier selbst. Ich hoffe, das sagt nichts über die Wertigkeit des Biers und die Art der Produktentwicklung bei der Kulmbacher Brauerei AG aus: Wenn die Grafikabteilung bzw. die Werbeagentur für das Etikett mehr Zeit gebraucht hätten als die Brauer zur Entwicklung des Rezepts, dann liefe in Sachen Bierkultur einiges schief! Den Verdacht kann das unfiltrierte Exportbier anno 1910 leider nicht ganz ausräumen …

P.S.: Liebe Mönchshof, ihr freut euch ja nach eigenen Angaben auf dem Etikett immer über Anregungen für neue “alte” Sondersude. Ihr dürft diese Kolumne ruhig als Anregung verstehen ;-).

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