Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Haller Löwenbräu/Schwäbisch Hall: Limes Pilsner (Nr. 1176)

Ich muss mich vorweg entschuldigen, aber es gibt heute beim Bier des Tages wieder eine „kleine Vorlesung“. Denn als Kollegen und ich neulich mit unseren „Studenten“ im Mahr’s saßen, fragte mich einer von ihnen, wer denn das Bier überhaupt erfunden hätte. Da sind sich die meisten Forscher einig: Irgendwann vor dem dritten Jahrtausend vor Christus muss man im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris auf die Idee gekommen sein, Brotfladen mit Wasser zu vermischen, um sie – wie auch immer – vergären zu lassen. vermutlich gab es auch vergorene Getränke aus „Getreidemehl“. Da es damals keine wirklich „dichten“ Vorratsbehälter gab, dürfte auch ein „zufälliger“ Mälz-Prozess denkbar sein, bei dem feucht gewordenes Getreide zu keimen beginnt und danach gemahlen und eventuell auch geröstet wird. Jedenfalls ist spätestens wird von den Sumerern im Codex Hamurabi 1700 v. Chr. eine Bierschankordnung überliefert, die alten Babylonier sollen schon über 20 Sorten Bier gekannt haben und im alten Ägypten gab man vor ungefähr 4000 Jahren oder mehr einem Verstorbenen als Beigabe ein Modell einer Bäckerei und Brauerei mit ins Grab. Auch in Europa lassen sich schon im 3. Jahrtausend vor Christus bierähnliche Getränke nachweisen. Da es aber in Europa keine „Schriftkultur“ gegeben hat, ist man auf archäologische Funde angewiesen.

Limes 3

Was aber passiert dann? Zwischen dieser Frühzeit und dem „bierseligen“ Mittelalter liegt das weite Feld der Antike. Und da wird’s in Sachen Bier schon kniffliger. Gut, dass die Kelten und die Germanen Bier brauten, beweist der Fund eines gefüllten „Bierkrugs“ als Grabbeigabe im fränkischen Kasendorf aus der Zeit um 800 v. Chr. Aber die griechische und römische „Hoch- und Leitkultur“ sollen dem Bier ja nicht gerade positiv gegenüber gestanden haben. Und um die soll es mir heute gehen, schließlich habe ich von der Haller Löwenbräu aus Schwäbisch Hall ein Limes Pilsner in der Hand. Aber geht das denn überhaupt? Limes und Bier? Waren die Römer nicht ausnahmslos Weintrinker?Limes 2

 

Die Antwort lautet: Jein! Zwar war das Getränk der gesellschaftlichen Elite in der klassischen Antike zweifelsohne der Wein – Tacitus beschreibt das germanische Bier als fehlgeschlagenen Versuch, Wein herzustellen –, aber es gab daneben durchaus auch eine „Bierkultur“. Bei den Griechen galt Bier eher als Arznei bei Fieber oder Schlaflosigkeit. Als Getränk galt es den gehobenen Römern und Griechen nicht als fein, es war eher etwas für die Unterschichten. Und Kaiser Julian soll gespottet haben: „Wein riecht nach Nektar, Bier aber stinkt nach Bock“ Dass selbst heutzutage Weingourmets ein wenig herablassend auf die Biertrinker herabsehen, hat in dieser antiken Tradition ihren Ursprung. Allerdings galt das nicht für alle Römer. Eine nicht zu unterschätzende Gesellschaftsschicht soll dem Bier wesentlich mehr zugetan gewesen sein: die Legionäre. kein geringerer als Gaius Julius Cäsar soll die „militärische“ Bedeutung von Bier erkannt haben. Denn ein Getreidebrei-Bier ist wesentlich nahrhafter als Wein, wesentlich leichter herzustellen und vor allem auch in den entlegenen Provinzen, in denen partout kein Wein wachsen wollte. Ob Cäsar aber wirklich seinen Gästen Bier aus goldenen Bechern anbot – da wäre ich mir nicht so sicher. Seine Legionäre, die aus allen Teilen des Imperiums zusammengewürfelt waren, dürften jedenfalls aus ihrer Heimat Bier schon gewohnt gewesen bzw. in der Ferne auf den Geschmack gekommen sein.Limes1

 

Man kann sich also durchaus vorstellen, dass am Limes beiderseits der Grenze Bier getrunken wurde. Nicht nur auf der germanischen Seite, sondern auch bei den römischen Grenztruppen, die sich so das kalte Wetter und die tägliche Routine ihres Dienstes „schön tranken“. Nur ein modernes Pilsner wie das Limes Pils war es nicht. das hat heute 4,8 % Alkohol und ist – typisch Pilsner – blank filtriert und zeigt eine schöne Schaumkrone. Der Geruch ist schon mal deutlich hopfig. Das riecht nach einem „Standard-Pils“ – und schmeckt auch ein wenig so: Das Hopfenaroma liegt irgendwo zwischen Gras und Stroh, das Malz ist schmeckbar, die Herbe ist pilstypisch nachhängend. das alles ist nicht zu komplex, auch nicht gerade besonders eigenständig, aber eben das, was man erwartet, wenn man Pils auf einer Flasche stehen sieht. Aber das hatten die alten Römer ja auch schon drauf: Standardisierte Produkte, einheitliche Maße, Währungen, Straßen usw. Etymologisch lässt sich der Begriff „Bier“ übrigens nach der Meinung von manchen Forschern vom lateinischen Wort „bibere“ (trinken) herleiten.

Der Untergang des römischen Reichs war für die Bierkultur in Deutschland nicht unbedingt von Nachteil. Zwar orientierten sich die „neuen Herrscher“ und die neuen Oberschichten in Rom an der vorherrschenden Wein-Kultur. Aber in römischen Städten wie Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) konnte sich eine reiche Bierkultur entwickeln.

P.S.: Und wer als Biertrinker in einer Runde von Wein-Gourmets ein wenig Selbstbewusstsein tanken möchte, kann ja einfließen lassen, dass die Kraft des Bieres dem römischen Imperium zu seiner Größe verholfen hat, während man bei spätrömischer Dekadenz ja eher an orgien voller Wein denke. Das ist historisch gesehen zwar sicher ein wenig plakativ, hilft aber sicher. ;-) Ihr müsst ja nicht unbedingt sage, dass ihr es von mir habt. ;-)

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