Der Führer durch die fränkische Bierwelt

1 Jahr Bier des Tages – Jubiläumskolumne (Nr. 383 div)

Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n,
denn du schenkst dir selbst ein gutes Seidla ein,
heut’ ist dein Geburtstag – darum singen wir,
alle deine Freunde trinken heut’ ein Bier,
alle deine Freunde trinken heut’ ein Bier!

Wie schön, dass du’s geschrieben hast,
wir hätten sonst so viel verpasst!
Wie schön, dass du’s für uns probierst,
damit wir wissen, obs’s genießbar ist!

Weizen, Lager, Bock, Pils, das ist wirklich Wurst.
Für ein gutes Seidla, hat man immer Durst!
D’rum ein Hoch auf Franken und auf unser Bier!
Weil wir’s so sehr lieben, sind wir alle hier,
weil wir’s so sehr lieben, sind wir alle hier!


Jetzt ist das Bier des Tages also schon ein ganzes Jahr alt geworden und hat sozusagen Geburtstag. Eigentlich hätte der 10.01. auch das Ende dieser Kolumne sein sollen, denn die Idee war, das ganze ein Jahr zu machen. Entstanden ist alles ja als Reaktion darauf, dass die geplante Landesausstellung über Bier in Bayern 2016 nach Niederbayern und nicht nach Franken ging. Dabei gibt es doch so viele unterschiedliche Biere in Franken. Wie viele genau? Nun ja, es reicht locker für ein ganzes Jahr, oder? Das war die Geburtsidee im Herbst 2010. Und am 10.01.11 gab es mit dem Huppendorfer Weihnachtsbier das erste Bier des Tages. Im Laufe der letzten 365 Tage habe ich 382 Biere vorgestellt und noch einige mehr getestet. Nirgendwohin bin ich mehr ohne mein Testbuch gegangen – mittlerweile ist das dritte fast vollgeschrieben. Ich habe viele gute und auch einige schlechte Biere probiert: Mich am Karfreitag durch ein alkoholfreies Tucherweizen gekämpft, in den Forchheimer Brauereien Hebendanz und Neder, in der Dornbräu Ammerndorf, dem Loffelder Staffelbergbräu und dem Trunk aus Vierzehnheiligen neue Lieblingsbiere gefunden … und das sind nur einige Beispiele. Meine Nachbarn müssen mich mittlerweile für einen Alkoholiker halten und manche Freunde bemängeln, dass man mit mir nur noch über Bier reden könne .

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Highlights im vergangenen Jahr gab es viele. Zu den ganz besonderen würde ich aber all jene Biere zählen, die ich hier und da verkosten durfte und die es nicht im freien Handel gibt. Da waren zum Beispiel zwei Biere aus der Versuchsbrauerei der Mälzerei Weyermann, an die ich über einen Bekannten gekommen war: Ein wahrhaft göttliches Märzen, an dem nichts, aber auch überhaupt nichts gestört hatte – außer, dass man es nicht hatte kaufen können. Ich hoffe ja inständigst, dass das ein Testsud für eine gewerbliche Brauerei war und ich dieses Märzen jemals wieder finden könnte. Außerdem gab es da noh ein Roggenpils, dessen herbe Hopfigkeit interessant, aber nichst für meinen Gaumen war. Interessant war es auch, an ein von einem Kollegen einer lieben Freundin selbstgebrautes Bier zu kommen. Das war ein hellbraunes, dunkelmalziges und für meinen Geschmack gut herbes Bier mit einer interessant säuerlichen Note. Interessant war es vor allem auch, weil es mal wieder einen Blick in die Hausbrauerszene erlaubte und den eigenen Entschluss, früher oder später wieder regelmäßig selbst zu brauen, weiter Vorschub geleistet hatte. Wenn ich passende Räumlichkleiten gefunden habe, gibt’s vielleicht häufiger mal ein “Bier des Tages-Bier”.

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Dann waren da noch die Flaschen ohne oder mit leeren Etiketten, die mir ein anderer Freund ab und an organisierte … z. B. von der Brauerei Schleicher in Kaltenbrunn oder Trunk in Vierzehnheiligen. Der Inhalt? Bier! und in beiden Fällen kein schlechtes, aber eben keines, dass es im Getränkemarkt um die Ecke gab. “Hausbräu” war in der Regel die Antwort auf die Frage, was ich denn da verkosten würde. Alkoholgehalt, Stammwürze usw.? Fehlanzeige. Nur einfach Bier zum Genießen. Zum Genießen war übrigens noch ein anderes “Hausbräu”. Bei der Stegauracher Hausbräu gab es im letzten Jahr – und wird es auch in diesem Jahr wieder geben – ein Stout! Aus einer Wette heraus, ein fränkischer Braumeister könne kein “Guiness-artiges” Bier brauen, entstand ein verdammt leckeres, dunkles Bier mit einer so feinen Kaffeenote und einem so crema-mäßigem Schaum, dass man es fast schon in Tassen hätte ausschenken können. Der Wahnsinn! Das fanden übrigens auch die Briten, die das Stout im “Inn Beer Shop” in der Lordstreet in Southport/England verkosten durften. Denen schmeckte es so gut, dass der Bräu Jürgen Winkler in diesem Jahr wieder fränkisches Stout nach England exportieren wird. Ob es das leckere obergärige Dunkle aber auch bei uns geben wird? Ungewiss!
Insgesamt lässt sich sagen, dass Indian/Imperial Pale Ales usw. gerade der letzte Schrei in der Hausbrauer- und Bieravantgarde-Szene sind. Ein Trend, der vielleicht auch etwas für die guten fränkischen Braumeister wäre. Statt des x-millionsten Szene Pils in 0,33er Flasche usw. könnte man sich vielleicht in dieser Richtung neue Marktnischen im urbanen Umfeld sichern. Zumal sich solche Biere in gehobener Gastronomie und preislich weit über den 2 €/Seidla verkaufen lassen. Aber wohin sich der deutsche und vor allem der fränkische Biermarkt im nächsten Jahr bewegen wird … ich bin mal gespannt.

Danken möchte ich jetzt auf alle Fälle allen, die mich bei diesem Projekt ideell und durch Biertransfers unterstützen, sei es nun meine Familie, Freunde, Kollegen usw. Besonders möchte ich mich nochmal bei meiner “Urlaubsvertretung” bedanken, die drei Wochen lang jeden Tag für mich Text, Bild und Link online gestellt hat und so dazu beigetragen hat, das Bier des Tages jeden Tag erscheinen zu lassen.
Auch bei allen, die in diesem ersten Jahr durch ihr Lob und ihre konstruktive Kritik mich dazu gebracht haben, das ganze weiterzuführen. Ich habe über diese Kolumne den einen oder anderen netten Menschen kennengelernt, mit denen ich gerne mal real ein Bier trinken würde. Vielleicht ergibt sich das ja mal. Und eigentlich muss ich auch jenen danken, die mir wegen dieser Seite Vorwürfe gemacht haben … Nein, ich bin bisher kein Alkoholiker geworden; nein, ich versuche niemanden zu irgendetwas zu verführen oder auf eine Seite zu ziehen. Ich möchte eigentlich nur meine Leidenschaft für das fränkische Bier mit anderen Menschen teilen – und das, wenn alles gut geht, auch ein weiteres Jahr lang, jeden Tag … da kann es regnen, stürmen oder schnei’n!

So, das war’s aber mit sentimentalem Rumgefasel. Ich mache mir zur “Feier des Tages” heute Abend ein Inian Pale Ale aus der Versuchsbrauerei Weyermann in Bamberg auf. Was das ist und wie das schmeckt? Gibt’s morgen wieder auf Bier des Tages!

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