Der Führer durch die fränkische Bierwelt

6 Jahre Bier des Tages/Bier-Scout & diverse Biere (Nr. 1971 – 1973)

Ich glaube es ja nicht, schon wieder ist ein Jahr rum … und mein Blog ist sechs Jahre alst. Hätte ich am Anfang auch nicht geglaubt. Wobei das letzte Jahr bzw. die Zeit seit Dezember 2014 recht turbulent war. Nicht alleine, weil wegen des phänomenalen Servercrashs meines “geliebten” Internetproviders beinahe das Projekt Bier des Tages komplett den Bach runter gegangen wäre … Aber ich denke, mit der neuen Seite Bier-Scout habe ich einen ziemlich guten Ersatz geschaffen. (Sorry, Jörg, ich weiß, die alte Seite hatte dir besser gefallen. ;-) )

Und dann sind in diesem Jahr ziemlich viele Bücher mit meiner Beteiligung rausgekommen. Angefangen mit dem Band Lebensart Genießen Spezialitäten in Franken, wo ich u.a. meine fränkischen Lieblingsbiere vorstellen durfte, über einen Beitrag in Günther Thömmes Standardwerk So braut Deutschland (Beschreibung der Bierstadt Bamberg) über eine Serie im Obermain Tagblatt über die Brauereien im Landkreis Lichtenfels … Und dann waren natürlich als absolute Highlights die beiden Bücher, die Martin Droschke und ich zusammen geschrieben hatten: Der Craft Beer Führer Franken bei ars vivendi und 111 fränkische Biere, die man getrunken haben muss bei emons.

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Es gab ziemlich viel zu schreiben, in diesem Jahr. Und zu diskutieren (auf der letztjährigen Internorga oder dem Weismainer Biergespräch z.B.) und Biere zu präsentieren. Und darunter hat mein Blog natürlich ein wenig gelitten. Ich muss mich da wirklich bei euch entschuldigen, vor allem, weil ihr mit den täglichen Kolumnen natürlich viel mehr Lesestoff gewohnt wart. Deshalb komme ich bei 2193  Tagen nur auf ein wenig über 1970 Biere. Ich werde halt doch langsam alt. Es wird aber auch nicht gerade leichter, ständig neue Biere aufzutreiben …

http://bier-scout.de/brauerei-dinkelstublang-roggenbier-nr-1891/

Natürlich möchte ich den Tag nicht ohne ein paar Bierbeschreibungen vorüberziehen lassen. Und deshalb habe ich mir drei Biere stellvertretend für alle die Biere ausgesucht, die das Jahr über “unter den Tisch gefallen sind”. Ausgesucht habe ich sie, weil ich einerseits die Brauer/Brauerei sehr sympathisch finde und weil mich etwas mit ihnen verbindet. Und weil es Geschichten sind, die es einfach einmal wert sind, erzählt zu werden.

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Manchmal bekommt man ja ein Bier geschickt und soll bzw. darf nicht darüber schreiben. Ich weiß, das klingt jetzt komisch, aber es ist so. Da hat mich zum Beispiel zu Hochzeiten des Reinheitsgebots-Jubiläumstrubels ein Bier erreicht (Vielen Dank nochmal dafür!), das ich euch gerne vorgestellt hätte und das es bei Gott wert gewesen wäre, im großen Stil gebraut zu werden.

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Alleine, der Brauer kommt aus Franken und das besagte Bier hätte im letzten Jahr nicht jedem geschmeckt. Das Bier hörte auf den schönen Namen Five o’clock und kam von einer Brauerei, die viele Biertrinker nicht unbedingt mit wilden Kreationen in Verbindung bringen würden. Mehr will (und soll) ich nicht verraten. Bei dem Bier handelt es sich um ein Tee-Bier, wie der Name schon andeutet. Nun bin ich – im Gegensatz zu meiner weltbesten Biertestergattin – kein ausgewiesener Tee-Fan. Aber dieses Bier hat mich von Anfang an überzeugt. Ich weiß nicht, ob ich es noch richtig zusammenbekomme, aber es handelte sich dabei um eine Art Vorderwürze-Tee-Bier. Der Tee, der hier verbraut wurde, war ein Earl Grey, also eine Teemischung, die ihr Aroma durch Bergamotte-Öl bekommt. Die Kombination ist/war übrigens nicht nur für Tee-Fans der absolute Hammer! Das Bergamotte-Aroma – die Bergamotte ist übrigens eine Art Zitrusfrucht – ist in dem Bier klar und deutlich hervorgekommen, der Körper war genau so voluminös, dass er das Aroma nicht überdeckt hatte, ihm aber eine Grundsüße zugestanden hatte. Rundum gelungen, aber sehr schwer zu beschreiben. Sowas MUSS man mal probiert haben. Ich würde mir wünschen, dass es das Bier bald – wenn sich die Reinheitsgebotsdiskussion wieder etwas gelegt hat – wieder geben würde. und dann im großen Stil. Denn so ein Five o’clock zusammen mit ein paar englischen Sandwiches … Das hätte wirklich etwas und würde das Produkt Bier auf eine neue Ebene heben.

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Apropos Zitrusfrüchte … Da hätte ich noch ein Bier, das ich im letzten Jahr getrunken hatte, aber leider sträflichst unbeschrieben ließ: Das Weyermann® American Wheat Ale  with Lemon Zest. Der Name klingt sperrig, das Bier ist es überhaupt nicht gewesen. Gebraut wurde es bei der Braumanufaktur Weyermann® von der amerikanischen Braumeisterin Denise Jones zusammen mit Mitarbeiterinnen (!) von Weyermann® anlässlich des internationalen Frauentages. Gebraut wurde ein amerikanisches Weizenbier (Wheat Ale) mit verdammt viel Zitronenschalen, was ein klares und deutliches Zitrusaroma gab. das Rezept dafür hat sich die amerikanische Gastbrauerin und -brennerin Denise Jones ausgedacht und dabei Böhmisches Pilsner Malz, Weizenmalz, Tennenmalz, Sauermalz und Carawheat® gemischt. Dazu noch eine Spur Hopfen und besagte Zitronenschale.

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Das Bier hatten Martin und ich bei unserer Buchpräsentation für den Craft Beer Führer in der Galerie bunsen goetz in Nürnberg mit im Gepäck. Und waren begeistert! Aber wir haben auch festgestellt, dass das Bier bei den weiblichen Gästen wesentlich besser ankam als bei einigen männlichen. Während die Damen die leichte Eleganz und das frische, sommerliche Zitrusaroma lobten, meinte so mancher gestandene Biertrinker, eben jenes Zitrusaroma erinnere ihn doch eher an Reinigungsmittel. Aber so verschieden kann die Wahrnehmung eben sein. Übrigens würde ich das Bier auch jederzeit wieder kaufen, wenn es wieder gebraut würde!

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Und noch ein Bier aus dem letzten Jahr möchte ich nicht unerwähnt lassen. Es hört auf den schönen Namen “Jürgens Keltenfest-Bier”. Jener Jürgen ist ein “Bier-Buddy”, jemand den ich während meiner Zeit, die ich über fränkisches Bier schreibe, kennen gelernt habe und der sich wirklich gut in Sachen fränkisches Bier und fränkische Brauereien auskennt, der viel unterwegs ist und auch international gut vernetzt, sodass nicht wenige Amerikaner, wenn sie in Franken unterwegs sind, mal bei ihm anklingeln, ob man nicht zusammen auf Tour gehen könne. Besagter Jürgen ist aber nicht nur Bier-, sondern auch Kelten-Fan, weshalb er einmal im Jahr ein Keltenfest schmeißt, zu dem ich es bisher leider noch nie geschafft habe (noch so ein Vorsatz fürs laufende Jahr). Und dafür gibt es ein eigenes, selbstgebrautes Festbier. Das 2016er Keltenfest-Bier war ein schönes, dunkles Vollbier aus Pilsner Malz, Tennenmalz, Münchner Malz (II), Karamellmalzen und Sauermalz. Gehopft wurde es mit Nugget, Spalter Select und Northern Brewer. Und es war verdammt süffig!

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Von der Optik her war es schön dunkel mit einer feinen Schaumkrone. Das Aroma zeigte von Anfang an dunkles Malz, wobei das Bier in sich nicht zu schwer war. Schöne dunkle Aromen und Röstaromen, die fast schon in Richtung kalter Lagerfeuerrauch gingen. Da kann ich mir gut vorstellen, wie es ist, am Lagerfeuer zu sitzen, irische Musik zu hören und ein paar Seidla davon zu süffeln.

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Aber jetzt will ich aufhören, euch den Mund wässrig zu machen, mit Bieren, die es auf dem Markt nicht, noch nicht oder nicht mehr gibt. genug zurückgeschaut. Fürs kommende Jahr verspreche ich euch wieder mehr zu testen und zu posten. Und natürlich weiterhin am Ball zu bleiben, denn noch bin ich nicht durch mit den fränkischen Bieren. Wir lesen uns also in Zukunft weiter. Aufs nächste Jahr! Prost!

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