Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Hauf-Bräu/Dentlein am Forst: Ratsbier (Nr. 260)

Vor gefühlten Hunderten von Jahren, als ich noch Student war, besuchte ich einmal ein Seminar über Nationalismus und die Entstehung von Nationalstaaten. Das war für den Franken recht interessant. Schließlich lernte man dort, dass man das ganze Land als erstes mit den eigenen nationalen Symbolen zupflastern muss –Symbole anderer, früherer Staatsgebilde müssen deshalb weg. Außerdem sind alle Kulturgüter, die Verwaltung und nach Möglichkeit viele Ausbildungseinrichtungen im Zentrum der neu geschaffenen Nation zu konzentrieren, damit jeder in die neue Hauptstaat fahren muss. Und viertens ist im ganzen Staatsgebilde eine einheitliche Kultur (Kleidung, Sprache, usw.) zu verbreiten. Dann würden sich die vormals nicht zu dem Staatsgebilde gehörenden Landesteile schon anpassen … oder eben auch nicht.

Wie ich jetzt gerade darauf komme? Nun ja, ich hatte ein Bier in der Hand, das Dentleiner Ratsbier der Brauerei Hauf aus Dentlein am Forst. Dieses Ratsbier ist benannt nach dem Ökonomierat Wilhelm Hauf. Klingelt’s schon? Ja? Genau … Königlich bayerisches Amtsgericht. “Ich rufe auf den Herrn Ökonomierat …” Ja, und dann kam er, der Ökonomierat, ein Urbild von einem Bayern. Das hatte ich als unschuldiges Kind gesehen und prompt hat es meine Erwartungshaltung bis auf den heutigen Tag geprägt. Danke, BR!

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Dabei ist der Ökonomierat Wilhelm Hauf eine nicht weniger stattliche Erscheinung, auch ohne Prinzregentenbart und Sepplhut. Immerhin war er nicht nur der Brauereichef, sondern auch 25 Jahre Bürgermeister im Ort. Sowas verpflichtet einen schon, weshalb man bei einem solchen Bier leicht eine gewisse Erwartungshaltung hat: Was historisch daherkommt, sollte auch so traditionell aussehen und schmecken. Ein modernes, schlankes helles Bier wäre hier fehl am Platze.
Was man beim Ratsbier bekommt, ist ein bräunliches, unfiltriertes Kellerbier. Das passt zum Etikett und sieht auch schick aus. Der Geruch ist erstaunlich frisch und weist gar nicht auf Röstmalze usw. hin. Im Geschmack sucht man diese Bitterstoffe, die durch die hohen Te,peraturen beim Mälzen entstehen auch vergebens. Ein leicht würziges Kellerbier steht da vor einem, die Säure von der Hefe und der Hopfen sind nur Begleiter des Malzes. Ja, sowas schmeckt auch nicht schlecht, Herr Ökonomierat, und so gar nicht muffig, altbacken und schal. Das sollte der BR mal zeigen

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