Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Quo vadis Hopfen? Auf nach Frankreich …

Ich war dieses Jahr, wie die Jahre zuvor auch, mal wieder auf der Brau-Beviale in Nürnberg unterwegs. Die  ist die Leitmesse für alles, was irgendwie mit Bier und anderen Getränken zu tun hat. Vom Spezialhersteller für Ventile bis hin zum kleinen Kartonfabrikanten ist auf knapp 43.000 Quadratmetern und in 8 Messehallen alles vertreten, was man sich vorstellen kann. Und ganz ehrlich gesagt auch vieles, was man sich bisher noch nicht vorstellen konnte. Über 1.000 Aussteller, über 37.000 Besucher … Das ist eine Welt für sich – und ich gestehe, auch ein Labyrinth, in dem man sich schnell mal verlaufen kann.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zugegeben, die meisten ausgestellten Produkte und Dienstleistungen interessieren nur jene, die in der Branche arbeiten. Wenn Füllstraßen oder Packroboter ihr technisches Ballett vollführen, ist das zwar mehr als nur interessant anzusehen, aber die Faszination hält dann  doch eher nur kurz. Außer man benötigt gerade genau so eine Anlage. Was ich aber nicht tue. Deshalb halten sich die meisten Besucher, die nicht so tief in der Brau- und Getränkebranche stecken, eher in der Halle 1 auf. Dort geht es um Rohstoffe, was für den Bierfreund bedeutet: Dort gibt es Malz und Hopfen – und natürlich auch die unterschiedlichen Biere, die man daraus herstellen kann. In diesem Jahr wollte ich mir den Rohstoff Hopfen ein wenig genauer ansehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Würde ich jetzt eine Art Gesamtübersicht über alle auf der Messe vorgestellten Hopfensorten geben wollen, wären wir morgen früh (oder Mittag oder Abend) noch nicht fertig. Die Masse der Hopfensorten ist mittlerweile zu unübersichtlich geworden. Die klassischen Hopfensorten aus Deutschland, den USA, Australien oder Neuseeland sind ja häufig unter Craftbeerfreaks bekannt. Aber wie sieht es mit anderen Regionen aus? In den nächsten Wochen möchte ich euch mal ein paar interessante Hopfen aus Regionen vorstellen, die man vielleicht nicht so oft im Blickfeld hat.´

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Parlons de houblon, bébé

Als erstes schauen wir mal nach Frankreich. Da ist die Sorte Strisselspalter durchaus ein Begriff. Diese Sorte ist sozusagen Frankreichs Aushängeschild, das die meiste Anbaufläche (42 %) einnimmt. Die Sorte verfügt über ein feines Aroma (würzig, blumig, Zitrus), das sich für viele Biersorten eignet. Allerdings gibt es ein kleines “Problem”: Strisselspalter hat verhältnismäßig wenig Alphasäure (so zwischen 1 und 2 %. Als “Allroundhopfen” taugt er so natürlich weniger. Und viele Craftbrauer suchen nach Sorten mit mehr “Alphapower”. Wer trotzdem mal in den Strisselspalter Hopfen reinschmecken will, sollte immer wieder mal die Biere der Pax Bräu checken. Da taucht er immer wieder mal auf.

Sein mildes, zitrusartiges Aroma macht ihn zum Beispiel als Hopfen für Pils, belgische Ales oder auch Weizenbiere interessant. Oder man nimmt ihn zur Geschmacksabrundung. Überhaupt haben viele der französischen Hopfen nicht so “massive Aromen” wie die Hopfen aus Übersee.

Bier-Scout Tipp 1: Barbe Rouge

imag7065

Ein anderes Beispiel für einen feinen Hopfen ist die Sorte Barbe Rouge. Am Stand der französischen Hopfenbauern konnte man ein Ale mit dieser Hopfensorte probieren, dass mit Noten von roten Früchten und feinen Erdbeeraromen glänzte. Das war keine Fruchtbombe, sondern eher ein filigranes Sommerbier. Mein Vorschlag wäre da ein leichtes Kristallweizen mit einem kupferfarbenen Ton und einem fruchtigen Erdbeer-Kirsch-Beerenaroma. Stelle ich mir als Sommerbier recht elegant vor. Aber Barbe Rouge muss man nicht nur zum Hopfenstopfen nehmen. Mit 6 % Alphasäure könnte das ein recht fruchtiger Allroundhopfen werden …

imag7071

Wer das besagte Ale auf der Brau-Beviale verpasst hat, sollte am 6. Januar 2017 mal in die Brauerei Greifenklau in Bamberg gehen. Soweit ich gehört habe, steht der Hopfen auf der Liste der kaltgehopften Bockbier-Variationen, die es dort zum Stärkantrinen gibt. Da die Basis dieser Biere immer ein süffiger, heller Bock ist, müsste der Hopfen gut herauskommen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Eine andere Hopfensorte aus Frankreich, die man im Auge haben sollte, wäre zum Beispiel Aramis. Der Hopfen (Kräuter, leichte Zitrusnoten) lädt natürlich dazu ein, mit dem Bild der Drei Musketiere zu spielen. Wer den Hopfen mal in Arbeit erleben will, sollte sich an den Musketier Doppelbock aus Eder’s Braumanufaktur halten. Aber ich kann euch nicht sagen, ob es das Bier aktuell noch gibt. musketier-2

Bier-Scout Tipp 2: Mistral

Daneben gibt es noch den blumigen und floralen Triskel und – eher seltener – auch noch die Sorte Mistral. Während Triskel und Aramis eher “klassische Hopfen” sind, wäre Mistral wieder eher etwas für die Craftbeer-Freaks. Mistral ist mir im Jahr zuvor schon positiv aufgefallen. Von der Aromatik her geht er in Richtung Passionsfrucht, Kumquat und Mango. Das eignet sich natürlich für ein Pale Ale zum Beispiel, ein MistrALE vielleicht. Ich könnte mir das auch gut für ein kaltgehopftes helles Lager vorstellen. Wir hatten so etwas mal mit dem Hopfen Kazbek gemacht. Mit Mistral könnte ich mir das auch gut vorstellen, weshalb ich mir den Hopfen auch gleich mal bestellt habe. Für die Brauer ist natürlich auch der Alphasäuregehalt wichtig. Bei Mistral liegt der zwischen 5 und über 8 %. Mistral wäre mein Tipp Nummer 2 unter den französischen Hopfensorten!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Aber bevor sich jetzt jeder auf französische Hopfen stürzen will – viel gibt es von dem begehrten Stoff nicht. Frankreich liegt bei den Anbaugebieten der Welt eher weiter hinten. Zahlen dazu findet man im jährlichen Barth Report:

Gerade mal auf 44o ha wurde 2015 das grüne Gold angebaut. Damit hat sich die Anbaufläche im Vergleich zu 2014 zwar ein wenig erhöht, aber nicht um viel. Mal so zum Vergleich: In Deutschland ist die Gesamtanbaufläche 17.855 ha groß. Die USA kommen gesamt auf 18.478 ha. Tschechien hat eine Anbaufläche von 4.842 ha. Selbst China liegt mit 2.320 ha weit vor Frankreich; Polen, Slowenien, Egland und sogar Spanien sowieso. Und wie gesagt, mit 42 % der Anbaufläche ist die Hauptsorte in Frankreich nach wie vor der Strisselspalter. Aber der Barth Report 2015-2016 weist aber auch darauf hin, dass vor allem die Sorten Barbe Rouge und Mistral in nächster Zeit mehr Anbaufläche bekommen werden. Also haltet die Augen offen, die Biere mit diesen interessanten Hopfensorten werden kommen!

 

Zur Zeit keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessern. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.