Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Rittmayer/Hallerndorf: Rauchbier (Nr. 282)

Wenn man über die fränkische Biervielfalt redet, dann muss man einen Biertyp erwähnen, der sozusagen als urfränkisch gilt. Nun ja, speziell als ur-bambergerisch, auch wenn es nicht nur in Bamberg gebraut wird: Das Rauchbier.
Rauchbier = Bamberg und Bamberg = Rauchbier, so lautet einfach gesagt die Gleichung. Kein Wunder also, wenn das beste Rauchbier aus der Domstadt stammt. Streng genommen wird es aber nicht nur in Franken gebraut, sondern auch in Alaska oder in Brasilien. Nun ja, im kalten Alaska kann man sich vielleicht noch vorstellen, einen flüssigen Schinken zu verspeisen, aber an einem brasilianischen Strand ein schweres Rauchbier? Schlecht sollen diese Biere auch nicht sein, meint das Jurorengremium des European Beer Star. 2010 braute nach deren Meinung das beste Rauchbier auf der Welt die Alaskan Brewing Company.

Wie, das Schlenk ist nicht das beste Rauchbier? Ehrlich gesagt ist das Schlenkerla, für viele die Mutter aller Rauchbiere, nicht mal unter den besten drei. Die Fahne hoch hält das Rauchbier der Brauerei Rittmayer aus Hallerndorf. Und glaubt man dem Beer Star ist das das Bier, das es zu schlagen gilt. Denn regelmäßig sahnt es Sterne in Gold und Silber ab. Darauf ist man so stolz, dass das Etikett die Sterne von 2007, 2008 und 2009 dominieren. Drei Mal erster Platz in Folge ist ja auch etwas, worauf man stolz sein kann und fördert den Verkauf sicherlich.
Kann ein Bier mit derartigen Vorschusslorbeeren aber auch dem Geschmackstest durch einen Bamberger bestehen? Schließlich ist bei uns ja das Rauchbier zu Hause wie nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Alaska oder Brasilien! Wobei es nicht “das” Rauchbier ist, sondern “die Rauchbiere”. Grob lassen die sich nämlich in zwei Gruppen einteilen: die schweren, dunklen Rauchbiere, bei denen die Bitterstoffe aus dem Röstmalz die Wirkung des Rauchmalzes noch verstärken, und die helleren Rauchbiere, die sich schlanker und vor allem weniger schwer, dafür aber auch weniger rauchig geben. In welche Richtung wird der quasi-deutsche Meister im Rauchbier aus Hallerndorf tendieren?

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Farblich liegt das Rittmayer Rauchbier zwischen Schlenkerla und Spezial. Es ist braun und der cremefarbene und auch sonst cremige Schaum fällt dabei desonders auf. Der Geruch ist deutlich rauchig, aber ohne diese tranige Schwere zu besitzen. Das ist angenehm, weil man gerade dem Schlenkerla gerne vorwirft, eine Spur zu “ölig” zu sein. Königsdisziplin ist und bleibt aber der Geschmack. Und der muss ja jetzt fantastisch sein bei dem Hattrick-Winner. Und da enttäuscht es ein wenig. Versteht mich bitte nicht falsch, es ist nicht schlecht, aber die göttliche Offenbarung in Sachen Rauchbier ist es nicht. Es ist ein Rauchbier, startet dementsprechend gleich richtig rauchmalzig, Röstnoten sind darunter auch noch zu schmecken. Auch der bierig-herbe Abgang, der von den Bitterstoffen aus dem dunklen Malz unterstützt wird, passt soweit. Ein gutes, stimmiges Rauchbier, keine Frage. Aber die sehr hohen Erwartungen, die die reißerische Aufmachung weckt, erfüllt es nicht so ganz. Was vielleicht aber auch an mir liegt, denn ich habe im letzten Jahr schon so einige Rauchbiere getrunken, darunter wirklich gute und sehr, sehr eigenständig interessante. Das Rittmayer Rauchbier reiht sich in diese Liste nahtlos ein, nur eben nicht auf dem ersten Platz. Da fallen mir spontan zwei, drei andere Rauchbiere ein, mit denen ich mich lieber einen Abend lang “unterhalten” würde. Und die kommen nicht aus Brasilien oder Alaska …

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