Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Düll/Krautheim: Heller Bock (Nr. 407)

Normalerweise dauert es zwischen einem Biertest und der Veröffentlichung als Glosse immer so ein wenig. Denn meistens teste ich so ein paar Bierchen vor, arbeite mich vielleicht gemütlich durch das Sortiment einer Brauerei und schreibe alle Eindrücke minutiös in meine kleinen, braunen Büchlein. Dann wollen die Etiketten von den Flaschen gelöst, gepresst und getrocknet werden – man ist ja nebenbei auch Sammler – und, wenn das erledigt ist, müssen sie noch auf den Scanner, damit man sich das Bier hier auch optisch vorstellen kann. Wenn das betreffende Bier dann jahreszeitlich oder auch thematisch für eine kleine (oder meist leider größere) Kolumne passt, ist es halt dran. Sowas kann sehr lage dauern … oder gleich am nächsten Tag geschehen, wenn ich von einem Bier nämlich richtig begeistert bin!
Vor weniger als 24 Stunden saß ich erst im Wagen und fuhr ein paar Kilometerchen zu einem Getränkemarkt. Und vor nicht mal 12 Stunden war klar, dass das für heute vorgesehene Kellerbier einer mittelfränkischen Brauerei, die sich leicht mit einer oberfränkischen Namensvetterin verwechseln lässt, warten muss. Statt eines netten Freitags-0,33l-Party-Bier gibt es einen Freitags-0,33l-Party-Bock. Und was für einen!
Verantwortlich für diesen Sinneswandel zeichnet die Brauerei Düll aus dem unterfränkischen Krautheim bei Volkach. Wo man normalerweise an Wein denkt, versteht man es durchaus auch, zu brauen! Der Krautheimer Helle Bock mit seinen 7,2% ist jedenfalls ein verdammt feiner Stoff, altgolden, ohne Schaum und verdammt kohlensäuresprudelig. Eine kräftigere Weißweinschorle sieht wohl nicht anders aus und kann auch nicht fruchtiger riechen!
Auf Zunge und Gaumen war mein erster Eindruck schon recht gut: ausgewogen, harmonisch ausbalanciert zwischen Würze und Süße, wobei unterschwellig ein wenig Hopfenherbe gegensteuert. Hervorzuheben ist der fruchtige Antrunk, der spritzige Körper und der nett-bierige Abgang. Ganz ordentlich, kam aber nicht an z. B. den hellen Bock vom Keesmann in Bamberg ran.

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Nun gibt es den Bock aber in 0,33er Flaschen und da ist eine definitiv zu wenig. Der zweite Bock, den ich mir – Farbe und Geruch waren ja schon notiert – gleich aus der Flasche genehmigte, hat mich die Hälfte meiner Notizen gleich wieder streichen lassen. Denn der kam nur noch endlos weich, malzig mit nur noch minimaler Herbe und endloser Süffigkeit daher. Auch die bocktypische Schwere wird durch die Spritzigkeit aufgehoben. Vielleicht liegt es an der Aromenenkompression durch die Flasche oder ich hatte mich nur schon auf den Geschmack eingeschossen?! Aber dieser Bock ist genial!
Wenn man es langsam angehen lässt, ist der Krautheimer Helle Bock als Party-Bier vielleicht auch mal was. Ich sollte noch ein paar Sixpacks für die nächsten Feiern holen. Nur mein Ansinnen, diesen Sixpack mit Freunden zu teilen … nun ja, … ich glaube, das lasse ich. Schließlich schmeckt der zweite besser als der erste und vielleicht der dritte auch besser als der zweite und, und, und!

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