Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Kraus/Hirschaid: Festbier (Nr. 352)

Irgendwie glaube ich ja doch langsam, dass die tägliche Beschäftigung mit Bier – in Theorie und Praxis – ihre Spuren bei mir hinterlässt. Denn im Moment habe ich das Gefühl, als würde sich das Bier bei mir im Testkühlschrank und Keller eher vermehren als weniger werden. Und dass, obwohl ich doch tapfer ab und an mein Bierchen trinke. Und ich rede jetzt nicht davon, dass der Bierkeller Zuwachs im Bereich Bock bekommen hat. Nein, auch bei den Weihnachtsbieren sind immernoch 10 Stück da – und der 24. naht mit riesen Schritten. Entweder legen mir irgendwelche dienstbaren “Quergerla” nachts immer wieder was in den Kühlschrank, oder es gibt männliche und weibliche Biere, die in der dunklen Abgeschiedenheit meines Kellers munter für Nachwuchs sorgen … oder ich sollte weniger trinken!
Nein, Spaß beiseite. Ich gebe es zu, es liegt nur an meiner Lust, immer mal wieder ein neues Bier zu probieren. Eine Leidenschaft, die ich mit immer mehr Menschen teile. Internet-Comunities, Clubs, Bier Sommeliers … überall scheint man eine Lust am Geschmackserlebnis zu entwickeln. Für das Bier und seine Vielfalt ist diese Bewegung, die man ja auch vom Wein her kennt, nur von Vorteil. Und der Bierfreund muss sich vor den Weinliebhabern nicht mehr verstecken. Wenn jene wortgewandt Lage, Bodenbeschaffenheit, Bouquet usw. rühmen, hält unsereins mit Malztypen, Röstgraden, Wasserqualität und Hopfengüte degegen. Und im Verkostungsvokabular geben sich Wein- und Bier-Freaks mittlerweile fast nichts mehr. Wer hätte noch vor einem Jahrzehnt bei einem Festbier zum Beispiel eine blumige, an Stachelbeeren gemahnende Fruchtigkeit erwähnt. Niemand. Eben. Läuft oder läuft nicht, waren die Kategorien damals. Heute darf es differenzierter betrachtet werden.

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Das Festbier vom Kraus aus Hirschaid zum Beispiel. Das hat eben jene blumig-fruchtige Note, zu der man gelangt, wenn bei dem bernstein-braunen Festbier die maischige Malzigkeit, die die Nase als erstes erschnuppert, und die fruchtige Herbe des Hopfens zusammenfinden. Das hätte ein Weinkenner doch jetzt wirklich nicht besser schreiben können, oder? Tatsächlich pendelt dieses Bier ein wenig zwischen den Polen maischig und herb hin und her. Maischig ist es vor allem für die Nase. Beim Antrunk kommt gleich ein wenig bierige Herbe auf, was nicht verkehrt ist. So richtig bitter ist das Bier nie, höchstens im Abgang tendiert es in Richtung Hopfenfraktion. Das interessanteste ist aber das dazwischen. Im Mittelteil hat es dann wirklich eine beerig-süß-säuerliche Note, ein fruchtiges Aroma, das mich im ersten Moment an Stachelbeeren erinnert hat. Sicher haben da auch noch einige Gärungsnebenprodukte ihre Hand mit im Spiel. Aber ich bin kein Lebensmittelchemiker. Ich weiß nur, dass dieses Festbier ganz besonders schmeckt. Ob man es nun mag oder nicht, lasse ich auch dahin gestellt. Ich mag’s ja weniger herb im Abgang, weshalb es bei mir an Heilig Abend nicht auf den Tisch kommt – falls ich jemals mit meinen Biertests bis dahin fertig werde …

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