Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Meinel/Hof: Absolvinator (Nr. 1631)

Man kommt beim Interpretieren
von Texten wie von Bieren
leicht auf ‘nen Weg, der irrt.
Denn zu viel Gerstensaft,
trübt manche Geisteskraft
und manch Genie endet verwirrt!

imag0739-2Verzeiht mir den kurzen Ausflug ins Lyrische. Aber dieser kleine Reim kam mir spontan in den Sinn, als ich mir vorgenommen hatte, über den Absolvinator der Brauerei Meinel aus Hof zu schreiben. Zum einen, weil ich auch schon beim Meinel Mephisto nicht anders konnte, als das Bier in Versen zu beschreiben (wenn auch als eher dilettantische Verneigung vor Goethes Faust), zum anderen, weil ich beim Absolvinator beinahe auf eben jenen “Weg, der irrt” abgebogen wäre. Beim Namen Absolvinator dachte ich – mein alter Lateinlehrer wäre jetzt stolz – ans Verb “absolvere”, das ja so viel wie loslösen, freisprechen und auch beenden bedeutet. Und als “guter Katholik” fällt einem das “te absolvo” ein, das Lossprechen von allen Sünden, was dazu gepasst hätte, dass der Absolvinatorausschank in die Fastenzeit fällt, die ja wiederum eine Zeit der inneren Umkehr und des Loslassens von schlechten Angewohnheiten ist und an dessen Ende für die Gläubigen unbedingt noch die Beichte, also das “te absolvo” vor dem Osterfest steht …
Klint alles gut, nicht? Ist aber kolossaler Blödsinn! Der Absolvinator wurde nämlich nach der Hofer Schülerverbindung Absolvia benannt.

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Sieht man mal wieder, dass die ganze “teilhumanistische Bildung” eigentlich für die Katz war – brotlose Kunst sozusagen. Gut höchstens noch, um – wenn man nicht geistreich genug für eigene Aphorismen ist – hier und da etwas zu zitieren. Wie Wilhelm Busch, der treffend schrieb: “Die erste Pflicht der Musensöhne, ist, daß man sich ans Bier gewöhne!”

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Was jetzt wiederum dann doch zum Absolvinator der Brauerei Meinel aus Hof passt. Denn ohne “Gewöhnung” (oder Neudeutsch Training) dürfte der mit seinen satten 8,0 % ganz schön zuschlagen bzw. die Geisteskraft verwirren. Was blöderweise noch dadurch unterstützt wird, dass der Bock so verdammt süffig ist. Ein dunkler Bock wie aus dem Lehrbuch. Der Hinweis P 18 auf dem Etikett (der Absolvinator hat 18,5 % Stammwürze) weist schon auf seine erschwenderische Malzausstattung hin. Und so hat man ein schweres, dunkles Bier mit einer beigefarbenen Schaumkrone im Krug. Und kaum einen Moment später Trockenfrüchte, Röstmalz, reife Beeren und auch ein wenig Schoko auf Zunge und Gaumen. Was Süße und Röstbittere angeht, ist der Absolvinator vollkommen im Lot und mit sich im Reinen. Anfanglich dunkelmalzig beginnend wird der Trunk im Mittelfeld wieder fruchtiger, bevor er sich wieder der Röstaromen entsinnend entsprechend malzig ausläuft …

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Die 4 Monate Reifezeit – gut Ding will schließlich Weile haben –bekommen dem Bock … und in gewisser Weise dem Trinker auch. An dem Bock fehlt nichts, stört nichts, passt alles! Und wem die 8 % nicht reichen, der kann sich noch einen 42%igen Absolvengeist, gebrannt aus dem Absolvinator, gönnen. Was bei dem Bock nach meinem Empfinden fast schon eine Sünde wäre.
Aber von der kann man sich ja mit einem beherzten Schluck Absolvinator wieder freisprechen lassen …

 

 

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