Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Müller/Debring: Micherla (Nr. 216)

Bevor ich das heutige Bier des Tages vorstelle, muss ich mal ein wenig biographisch werden. Anfang der Neunziger habe ich angefangen, mich ein wenig intensiver mit der fränkischen Brauereilandschaft auseinanderzusetzen. Damals bin ich mit einer Ausgabe der Fränkischen Brauereikarte von Stephan Mack unterm Arm durch die fränkischen Lande getingelt und habe Biere probiert, wo ich ihrer habhaft werden konnte. Mein Plan war es, die 380 (!) Brauereien, die es damals in Franken gab, zu bereisen und wenigstens ein Bier dort zu probieren. Ehrlich gesagt, eine Aufgabe, an der ich damals gescheitert bin. Die Anzahl der existierenden Brauereien wurde kleiner, meine Ausgabe der Brauereikarte immer zerfledderter und ich wandte mich den ernsten Dingen des Lebens zu: Ausbildung, Job, Familie … Der Pland, die fränkischen Brauereien besser zu kennen, blieb aber immer in meinem Kopf. Und da schwirrten auch noch die Biere der einen oder anderen Brauerei herum, die ich mal getestet hatte …

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So, wie das Bier vom Müller aus Debring. Vor zig Jahren war ich mal da, im Herbst muss es gewesen sein, nein mehr schon im Winter. Ich erinnere mich noch an einen riesen Teller Rehragout, zwei Klöße und einen satten, süffigen Bock. Seither hatten die Brauerei Müller und ich keinen Kontakt mehr. Es ist halt so im Leben: Man verliert sich aus den Augen. Neulich war ich wieder einmal da. Nicht zum Essen, ich wollte mir nur ein paar Probier-Biere abholen. Irgendwie war ich aber ziemlich gespannt. Wäre das Bier immernoch lecker? Oder hat sich mein Geschmack so sehr geändert, was mir bei einigen Bieren meiner “jüngeren Jahre” schon auffiel.
Da steht es also vor mir, das Micherla. Damals gab es das noch gar nicht. Ein Bier, das also jünger ist, als ich. Schön schaut es schon aus, so hellgolden, leicht trüb. Auch das Micherla schäumt wenig, na und?!
Der Geruch ist getreidig. Da kommt das Malz durch, was mir sehr entgegen kommt. Und beim Geschmack war ich vollends überzeugt. In Debring hat man in den wohl 15 Jahren, in denen ich nicht mehr da war, nichts verlernt! Im Gegenteil, der malzig-getreidige Antrunk, die Hefespur, der sparsame Hopfeneinsatz, das ist sowas von süffig, gefährlich süffig, mild, weich, schmeichelnd, da sperrt sich nichts, im Gegenteil … Da ist nach dem Seidla schon wieder vor dem Seidla.
Und ich habe gemerkt, dass ich doch mal wieder mehr die Brauereien von früher abklappern muss, solange es sie noch gibt!

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