Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Nothhaft/Marktredwitz: Edel Pils (Nr. 1665)

Heute ist ja der Deutsche Brauertag und die Veranstaltung beginnt mit einem interessanten Vortrag. Dr. Uwe Lebok, Vorstand der K&A BrandResearch AG, spricht darüber, was deutsches Bier reiner macht. Es geht um die Sicht der Verbraucher auf das Reinheitsgebot. Und welche Auswirkungen dies auf den deutschen Biermarkt hat.
Kritiker werfen dem Reinheitsgebot ja vor, ein “Einheitsgebot” und vor allem auch dafür verantwortlich zu sein, dass die deutsche Bierlandschaft von “Einheitspilsnern” geprägt wäre. Das ist natürlich überspitzt ausgedrückt, aber auch Dr. Lebock und sein Mitautor Andreas Putz stellen in ihrem Artikel Das Reinheitsgebot und seine Verbraucher (Brauwelt 13/2015) fest:
Reinheitsgebot wird für Verbraucher ein Indiz dafür, dass alle Biere in Deutschland vergleichbar, vergleichbar gut oder gar gleich gut sind. Für den Konsumenten wird dadurch die Kaufentscheidung leichter gemacht, da er sich nicht mehr um vermeintliche Unterschiede im Produkt und in seiner Herstellung kümmern muss. Er kann folglich schnell entscheiden – aufgrund seiner Erfahrungen mit den Bieren, aufgrund der Preisstellung, z. B. Sonderangebote, oder aufgrund des erlebten Markenauftritts.

So gesehen führt das Reinheitsgebot tatsächlich zu einer Verallgemeinerung. “Vermeintliche Unterschiede” zwischen den Produkten rücken in den Hintergrund. Und das bei einer geschmacklichen Annäherung der Biere. Keine gute Situation für die einzelnen Brauereien, wenn der Konsument mehrheitlich über den Preis entscheidet.

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Wenn ich heute also über ein Pils wie das Edel Pils der Brauerei Nothhaft in Marktredwitz schreibe, dann fällt es mir schon ein wenig schwer, andere Worte zu finden als bei anderen Pilsnern. Was die Farbe angeht sowieso. Da sind fast alle Pilsner gleich. Und auch, das sman im Aroma ein wenig Hopfen zu erschnuppern vermeint, ist typisch. Das wäre ja so ein Punkt! Es gibt eine Vielzahl an klassischen, deutschen Hopfensorten, die sich tatsächlich auch in Aroma und Geschmack voneinander unterscheiden – und ich rede jetzt noch nicht mal von den “neuen Flavor-Hops”. Da wäre Potenzial für ein deutliches Alleinstellungsmerkmal. Aber da sind wir Konsumenten wohl mittlerweile zu sehr an einen Einheitsgeschmack gewöhnt. Und so verwundert es nicht, dass das Edel Pils von der Brauerei Nothhaft zwar gut und durchaus süffig ist, aber … naja, eben nicht so eigenständig, dass man es unter anderen Pilsnern herausschmecken könnte. Wie viele andere fränkische Pilsner auch ist es im Antrunk ein wenig milder, der Körper ist leicht getreidig und das Hopfenaroma … naja, wie gesagt, es ginge auch mehr, grasiger, grüner. Aber was beschwere ich mich? Auch was die Bittere angeht, die im Laufe des Trunks durchausein wenig zunimmt, ist es vollkommen im Rahmen. Gut, handwerklich solide, durchaus süffig und natürlich gebraut nach dem Reinheitsgebot – aber nicht eigenständig. Und das liegt wiederum weniger an der Brauerei als an “den Umständen”, also an unseren Erwartungen an ein “typisches Pils”.

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Wenn ich an das Reinheitsgebot und den deutschen Biermarkt denke, fallen mir in letzter Zeit übrigens immer häufiger Vergleiche zu den Bäckern ein. Die deutsche Brotkultur ist ja nicht minder legendär wie die Bierkultur. Und auch bei den meisten Bäckern sind Unterschiede bei – sagen wir mal einfachen Brötchen – häufig marginal. Aber bei den Bäckern ist etwas anders als bei den Brauern. Mögen manche Produkte (helle Brötchen, Baguette o.ä.) auch recht einheitlich sein, gibt es bei anderen eine riesige Auswahl, die durchaus zum Unterscheidungskriterium werden kann: Kartoffelbrot, Zwiebelbrot, mit Kümmel, Anis, Mohn, Sesam und, und, und … Warum? Vielleicht ist auch hier wieder das Reinheitsgebot der Schlüssel. man stelle sich nur mal vor, die Bäcker hätten ein “Reinheitsgebot” bekommen und sich auf Gedeih und Verderb daran gekettet. Eines, das sagt, es dürfe nur Roggenmehl, Weizenmehl, Wasser und Natursauerteig verwendet werden. Ich kann mir nicht helfen, aber unsere Brotlandschaft sähe anders aus. Vielleicht sollte man das im Hinblick auf die Zukunft des deutschen Biermarktes im Auge behalten …

 

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