Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Hembacher/Rednitzhembach: Stöffla (Nr. 182)

Ich geb’s ja zu, der Artikel aus dem Fränkischen Tag gestern über das Brauereiensterben lässt mich nicht so ganz los. An mir kann es nun wirklich nicht liegen, wenn irgendwo in Franken eine Brauerei zumachen muss. Obwohl ich ja von jeder Brauerei nur eines oder zwei probiere … da kann sich keine Brauerei daran gesund stoßen. Dass der Bierabsatz im Freistaat von Januar bis Mai 2011 um 3,7% höher war als im gleichen Zeitraum 2010 liegt jedenfalls nicht nur an mir. Erfreulich ist diese Entwicklung auf alle Fälle.
Wobei es ja nicht nur ein Brauereisterben gibt. Im gleichen Zeitraum eröffnen natürlich auch neue Klein(st)nrauereien. Zumindest gab es in Bayern 2010 sage und schreibe 0,8% Brauereien mehr als noch 2009. 637 eingetragene Brauereien gab es im letzten Jahr im Freistaat. Für Franken rechnet man je nach Quelle mit 260-270 Brauereien – je nachdem, was man alles als “Brauerei” zählt.
Eine der Neugründungen der letzten Jahre ist ein echter Geheimtipp: die Brauerei Hembacher in der Siemensstraße 45 in Rednitzhembach. Ein Geheimtipp ist sie schon allein deshalb, weil die Neugründung des Braumeisters Jürgen Müller in einem Gewerbegebiet in einer alten Fabrikhalle beheimatet ist. Und das Bier gibt es nur dort (Mo.-Fr.: 16.00-20.00 und Sa. von 10 bis 20.00 Uhr) und in einem einzigen Getränkemarkt in Schwabach.

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So spart sich der Ein-Mann-Betrieb die teuren Vertriebskosten. Allerdings muss der Sud schon sehr den Geschmack der Kundschaft treffen, wenn die sich extra zu diesem Bier bequemen soll, statt die leichter und immer verfügbare Konkurrenz kastenweise in den Kofferraum zu schieben.
Das Stöffla, ein kupferrot-braunes, unfiltriertes Kellerbier mit 5,4% ist jedenfalls kein Allerweltsbier. Der Nase präsentiert es erstmal das dunkle Malz, von dem vier verschiedene Sorten für den Sud verwendet werden. Beim Geschmack werden auf Anhieb die zwei Pole dieses Bieres klar: dunkles Malz und grasiger Hopfen! Das ergibt ein Dunkles durch und durch, bei dem der Hopfen einen ausgewogenen Kontrapunkt zum schweren Malz ergibt. Was herauskommt ist charaktervoll, kernig und “hopfenbetont”. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, was in dem Fall für die kleine Brauerei mit 425hl Jahresausstoß von Vorteil ist. Ein so kerniges Bier würde keine Großbrauerei, die sich am Massengeschmack orientieren muss, produzieren. So bleibt zu hoffen, dass der Brauerei Hembacher das leidige Schicksal anderer Brauereien erspart bleibt.

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