Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Hochstiftliches Brauhaus in Bayern/Motten: Maria Ehrenberger Pilgerstoff Edelhell (Nr. 1944)

Über das heutige Bier des Tages könnte man wieder mal viel philosophieren. Denn schaut man sich so eine Flasche Maria Ehrenberger Pilgerstoff Edelhell an, dann meint man fast unweigerlich ein uriges Klosterbier in Händen zu halten. Der Vergleich mit dem zu Recht vielgerühmten Bier der Klosterbrauerei vom Kreuzberg in der Rhön liegt nahe.

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Ich schätze mal, dieser Eindruck ist gewollt. Als kleiner Hinweis sei nur auf das Etikett verwiesen, auf dem man in der Umrandung folgendes lesen kann:

Den Maria Ehrenberg hinauf pilgert ein langer Zug. Erst zur Kirche, dann zum Krug.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir klingelt da was. So einen Spruch kenne ich nämlich eher vom Kreuzberg, dort heißt es:

Den Kreuzberg herauf kam ein endloser Zug, die einen zur Kirche, die anderen zum Krug.

Und der Satz wird keinem Geringerem als dem späteren Kardinal Faulhaber zugesprochen. 1901 soll er diese Zeilen ins Gästebuch auf dem Kreuzberg hinterlassen haben. Dass es an beiden Wallfahrtsorten in der Rhön einen so ähnlichen Spruch gegeben haben soll, halte ich eher für unwahrscheinlich. Zumal es am Ehrenberg an einer Brauerei fehlt, deren Krüge die Pilger die berühmte Himmelstreppe hinauf ziehen könnte. Im Gegenteil. Auf rhoenline.de kann man über die Wallfahrtskirche, die seit dem 20. Jahrhundert inmitten eines Truppenübungsplatz liegt, folendes lesen:

Mitten im Wald, auf einer Höhe von 674 m, steht der schlichte Kirchenbau. “Himmlische Ruhe” findet der einsame Pilger. Kein Wirtshauslärm stört die friedliche Stille.

Also alles Fake? Das darf jetzt jeder für sich beantworten. Die Will Bräu in Motten, die zum Fuldaer Hochstiftlichen Brauhaus gehört, wirbt für ihren Pilgerstoff mit folgenden Worten:

Benannt ist diese ganz besondere Bier-Spezialität nach seiner Herkunft, denn unsere Brauerei liegt direkt am Fuße der berühmten Pilgerstätte “Maria Ehrenberg” in der Rhön.

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Wie gesagt, darüber ließe sich zur Genüge philosophieren. Aber das führt letztlich zu weit. Man kann sich auch einfach nur den Pilgerstoff Edelhell eingießen und das Bier für sich sprechen lassen. Dieses Edelhell ist das zweite Maria Ehrenberger Bier nach dem klassisch dunklen Pilgerstoff. Vom Typ her orientiert er sich an der “Tradition eines echten Bayerisch Hell” – so die Homepage. Woran auch sonst, möchte man sich fragen. Das Bayrisch Helle boomt und auf dem Markt findet man immer mehr hell, malzaromatische und milde Biere.

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Wer auf solche Biere steht, der wird auch den Maria Ehrenberger Pilgerstoff Edelhell lieben. Mit 12,3 % Stammwürze und 5,1 % Alkohol hat es genügend Basis für ein Helles. Die Optik des Bieres muss sich auch nicht verstecken. Und der Geschmack? Was soll ich sagen: Man liest Edelhell – und so schmeckt es auch. Malzig, mild, ein wenig getreidig, weich im Körper und durchaus auch süffig – im Sinne von “saufbar”. Bei dem Bier stört nichts, was sollte auch? Milde Malzigkeit, unaufgeregt dezente Hopfenaromen – bei diesem Bier regt nichts auf. Für die einen das ideale Bier, für andere fast schon langweilig. Extra in die Rhön würde ich dafür nicht fahren – im Gegensatz zum Klosterbier vom Kreuzberg. Da würde ich den “Zug zum Krug” sofort unterschreiben.

Unerreicht: Das Original vom Kreuzberg

Unerreicht: Das Original vom Kreuzberg

So ein Teller Eintopf und ein Bier von dort – das ist für mich ein stimmiges Gesamtpaket. Ein kleines Stückchen Himmel in seiner kulinarischen Einfachheit. Tut mir Leid, Maria Ehrenberger Pilgerstoff, aber da kommst du nicht ran.

 

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