Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Klosterbrauerei Weißenohe: Kloster-Sud (Nr. 61)

Denkt man an Klöster und Bier, dann fallen einem natürlich als erstes die berühmten “Bierklöster” mit den ebenso berühmten “Klosterbieren” ein: Andechs, Weltenburg und Weihenstephan. Das letzteres gar kein Kloster mehr hat, fällt dabei geflissentlich unter den Tisch. Kaum einer denkt dabei aber an Weißenohe
Weißenohe? Nie gehört. Wo das ist? Im Landkreis Forchheim, in der Nähe von Gräfenberg, in der Fränkischen Schweiz. Und da gibt es ein Kloster, dessen Gründung allgemein in die Jahre um 1050-1053 datiert wird. Damit wäre es zwar jünger als die urbayerischen Klöster, aber da man annehmen darf, dass dort schon relativ bald Bier gebraut wurde, steht es in Brautradition seinen bayerischen Brüdern in nichts nach. Oder würde ihnen in nichts nachstehen! Denn wie so oft haben die Bayern 1803, als sie mit ihren Truppen Franken besetzten, ganze Arbeit geleistet. Das stolze Kloster Weißenohe mit der langen Tradition wurde aufgelöst – und auch diesen Teil seiner Geschichte teilt es mit den anderen Klostergemeinschaften.

Aber das alte fränkische Kloster wurde – anders als Weltenburg oder Andechs –bis auf wenige Gebäude abgebrochen. Ein Schicksal, dass es zum Beispiel mit dem Kloster Langheim – das immerhin Stammkloster der fränkischen Andechs-Meranier war – teilt.

Der Braubetrieb wurde von den alten Klosterbrauern weitergeführt, seit 1827 durch die Familie Kraus. Die führt den Betrieb immer noch und kann mit Urban Winkler in der 5. Generation wohl mit Fug und Recht behaupten, eine der ältesten Brauereien zu führen.
Aber genug der Geschichte – hin zum Klostersud. Das ist ein original altfränkisches Bier mit Stammwürze-Garantie, wie einen das Etikett aufklärt. Es hat 5,4% und liegt mittelbraun und leicht ins Orange gehend im Glas. Der Geruch ist betont malzig. Beim Geschmack fühlt man sich dann aber gleich wie im Kloster: schwer getreidig, ein wenig süßlich wie die Maische beim Brauen, aber mit Röstaromen und dazu noch ein nicht zu aufdringlicher Hopfenanteil. Im Nachhall kommt das Malz dann auch wieder durch. Geschmacklich ein äußerst interessantes Bier mit vielen Geschmacksnuancen. Ja, damit kann man sich die Fastenzeit schmecken lassen.

P.S.: Eine weitere Spezialität der Weißenoher Klosterbrauerei ist das “Barrique Klosterbier“, das in alten Eichenfässern, “die der Großvater des Braumeisters Urban Winkler gekauft hat”, ausgebaut wird. Und weiter vermeldet die Homepage: “Das zur Abdichtung verwendete Kiefernpech gibt dem Bier seinen unverwechselbaren Charakter – vergleichbar dem Fasseinbrand (Toasting), dessen Stärke den Geschmack des Weines prägt.”

Davon wird zu berichten sein.

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