Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Tucher/Fürth: Humbser Export (Nr. 193)

Die Lust am fränkischen Landbier ist ja auch eine Last. Ehrlich! Kaum betritt man einen der gutsortierten Getränkeläden im Frankenland ist man schier überfordert. Da hat ein stinknormaler REWE ja locker schon Biere von 20 fränkischen Brauereien. Bei anderen Getränkehändlern ist es fast noch schlimmer. Und dann noch diese kurzfristigen Aktionen: Mal ein neues Bier von hier oder von da. Da den Überblick zu behalten ist schwer. Nun rennt man entweder mit einem der Standardwerke für Bierfreunde in der Hand durch den Laden, befragt vor jedem Kistenstapel via Smartphone Bier-Datenbanken … oder greift mal auf gut Glück zu. Da kann man Glückstreffer landen oder ..
Also ich war mal in einem Getränkeladen, den ich nicht so oft frequentiere. Zwischen diesem und jenem großbrauereibier fiel mir ein kleiner Stapel Export auf. “Seit 1746 wird in Fürth/Bayern Humbser Bier gebraut. Und noch heute steht der Name Humbser für Bier von traditionell guter Qualität, …”, so steht es auf dem Etikett. Hmm, Fürth ist nicht meine Gegend, außerdem bin ich ja “Glubbärä”. Aber Humbser-Bier? War mir neu. Sollte neben Tucher in Fürth tatsächlich eine kleine Brauerei überlebt haben, deren Bier mir hier in die Hände fiel???

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Und weil’s schon so nett kühl war, habe ich ohne weitere Recherche zwei Flaschen mitgenommen, zu Hause mein kleines braunes Büchlein zurecht gelegt und eines der Bierchen verkostet. Farblich schön, mit viel CO2 und Schaum. Die Nase erschnuppert unterschwelligen Hopfenduft. Für die Zunge ist es ein deutlich gehopftes Export, Aroma- und Bitterhopfen halten sich da die Waage. Das leichte, helle Malz und die Bitterstoffe des Hopfens wollen aber nicht ganz so zusammenpassen. Nichts weltbewegendes, Durchschnitt, sozusagen.
das dicke Ende kam dann, als ich die Etiketten für meine Sammlung ablöste und mich daran erinnerte, dass ich ja was zur Brauerei recherchieren wollte.
“Die frühere Brauerei Humbser war eine bekannte Fürther Brauerei.”, schreibt Fürthwiki. WAR? Und jetzt? 1994: Fusion mit der Tucher-Bräu, 2008 Scchließung dr Brauerei und verlagerung der Brauaktivität ganz zu Tucher! Na sauber, ich bin einer Großbrauerei auf den Leim gegangen. Aber auf dem Etikett war kein Hinweis darauf, dass das Bier nicht mehr selbst gebraut wird, denn die Tucher braut ja noch in Fürth. Trotzdem! Eigentlich sollte auf den Flaschen deutlich stehen, wenn das Bier nicht dort gebraut wird, wo man es als Konsument vermuten würde. Und noch schöner wäre es, wenn auf jeder Flasche stehen müsste, wo das Bier gebraut wird. Mancher würde da auch bei den großen Fernsehbieren staunen, wenn als Hersteller eine andere Brauerei auf dem Etikett stünde. Auch so manches Weizen kleiner Brauereien hätte plötzlich im Kleingedruckten eine Überraschung parat.
Bis dahin muss man mit der einen oder anderen Überraschung leben können – oder doch lieber Bekanntes in den Einkaufswagen stellen.

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