Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Felsenbräu Gloßner/Thalmannsfeld: Edelpils (Nr. 1811)

So ein Bier wie das gestrige Brew Dudes Pale Ale wirft ja immer ein besonderes Licht auf die deutsche Bierlandschaft. Junge Leute gründen ihre eigene, “interessante” Biermarke, weil Ihnen das vorhandene Sortiment nicht mehr gefällt. Dabei hat Deutschland doch mit über 5.500 unterschiedlichen Bieren eine Bierlandschaft, die an Vielfalt ihresgleichen sucht. Aber am Ende steht bei vielen Biertrinkern und auch in der Gastronomie die Gleichung: Bier = Pils. Und beim Pils sieht es in Sachen Vielfalt eher “mau” aus. Es gibt zwar viele, aber wie viele bleiben einem im Gedächtnis. Und wenn ja, warum?

Nehmen wir mal das Edelpils der Felsenbräu Gloßner in Thalmannsfeld. Das bleibt einem aus mehrerlei Gründen im Gedächtnis. Da wäre zum Beispiel die Flaschenform: man kann von einem Drehverschluss ja halten, was man will, aber er ist beim Bier etwas Besonderes. Ein Drehverschluss bleibt im Gedächtnis haften, selbst wenn man kein Fan davon ist. Punkt für das Edelpils. Einen zweiten Punkt bekommt es für seine 5,2 % Alkohol. Die meisten Pilsner haben ziemlich uniform genau 4,9 %. Pilsner, die über 5 % haben, wirken dagegen für einige Biertrinker “attraktiver”, weil sie ein besseres “Preis-Leistungs-Verhältnis” versprechen.

Edelpils 2

Fürs Etikett gibt es von mir keinen Punkt. Der eher grau gehaltene Hintergrund wirkt blass und farblos. Viele fränkische Pilsner setzen ja eher auf ein kräftiges Grün, das an Hopfen erinnert. Auch die Hinweise aufs Solarbier können bieten kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Das Solarbier-Zertifikat haben mittlerweile mehr mittelständische Brauereien.

Edelpils

Bleiben Farbe und Geschmack des Biers selbst. Im Glas sieht es aus wie andere Pilsner auch. Sich da von seinen Mitbewerbern abzusetzen, ist alles andere als leicht. Was ein Pils ist, davon hat der Kunde schließlich eine genaue Vorstellung. Und die gilt es zu erfüllen. Was das Felsenbräu Edelpils ja auch macht: Es hat einen schlanken Körper, es hat getreidige Hopfennoten, die ins Grasige/Kräuterige changieren. In der Bittere wirkt es ein wenig “erdiger”. Die Bittere rundet das Bier aber schön ab und außerdem hat es eine nette, unterschwellige Süße. Gut gemacht, aber da setzt es sich nicht so deutlich von anderen Pilsnern ab, finde ich.
Gibt es noch weitere Alleinstellungsmerkmale? Nun ja, im Mai 2008 war das Edelpils – damals noch unter dem Namen Solarbier Edelpils – Bier des Monats beim ProBier Club. Dafür gibt’s aber keinen Extra-Punkt, auch wenn der ProBier Club u.a. den Einsatz von Doldenhopfen lohnend erwähnt. Dazu findet man beim Bierpass auf der Homepage und auf dem Etikett aber keinen Hinweis mehr. Schade eigentlich, denn mit besonderem Hopfen kann man im Moment eher wieder punkten.

Bleibt unterm Strich ein ordentliches Pils, das aber eher wegen  seines Alkoholgehalts oder wegen der Flaschenform im Gedächtnis bleibt. Und das reicht so manchem Biertrinker einfach nicht mehr …

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