Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Barnikel/Herrnsdorf: Lagerbier (Nr. 127) †

Gestern ging es ja um die Unarten beim Brauen. Auf dem Land, in den kleinen Brauereien, findet man die Gottlob selten. Da wird handwerklich gebraut, auch auf die Gefahr hin, dass nicht jeder Sud gleich ausfällt, wenn man Geschmack und Farbe des Bieres nicht mit Konzentraten immer auf dem gleichen Level hält. So eine kleine Brauerei ist die Brauerei Barnikel aus Herrnsdorf. Der Chef, Friedrich Barnikel steht schon mal in “schwarze[r] Trainingshose, blaue[r] Trainingsjacke über dem Feinrippunterhemd” auf dem Hof, wenn Reporter vom Stern vorbeikommen. Und die schwärmen sogleich von der urigen Atmosphäre: Ein “Lokal, ein Raum wie aus einer anderen Zeit, mit Kachelofen, mit Holz auf dem Boden und an Wänden”. Womit sie nicht unrecht haben, denn die Brauerei Barnikel ist eine der Plätze, die der Rest der Welt “authentisch” und “so ursprünglich” nennen würden, weshalb sich sogar der Stern nach Herrnsdorf verirrt hat.
Bei den Barnikeln muss man aber zum Bier kommen, denn im Getränkemarkt findet man es nicht. Den Lieblingsbier-Dealer befragt, warum das so sei, zuckt der nur mit den Achseln. Das Problem sei die Haltbarkeit. Manch kleine Brauerei wie die Brauerei Barnikel garantiert da zu wenig – nämlich genau 2 Wochen. Weshalb mir der Freund, der mir die Probier-Flaschen Barnikel Lagerbier in die Hand drückte, zuerst sagte, es sei ein guter Sud und mich gleich darauf warnte, es jedoch schnell zu trinken, auf alle Fälle diese Woche noch. Gesagt – getan!

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Aufgefallen ist das Lager vor allem dadurch, dass es eigentlich schon recht “tot” war. Gelb lag es im Glas, Schaum wollte keiner auftauchen. Wie auch, bei gefühlten 5 CO2-Bläschen pro Minute. Der Geruch zeigte sich dafür angenehm bierig. Und zum Geschmack … also die Flaschen, die ich hatte, schmeckten eigentlich so, wie wenn sie schon zwei Tage offen im Kühlschrank gestanden hätten. Das Malz kam recht süßlich durch, Hopfen ließ sich wenig blicken und spritzig … ist etwas anderes. Das war sogar mir ein wenig zu still, obwohl ich ja einem ungespundeten Kellerbier durchaus zugetan bin. Was aber alles nur für die Flaschen gilt, die ich genossen hatte. Das Bier, das jetzt im Umlauf ist, ist schon längst wieder aus einem anderen Sud. Und deshalb muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden und man kann über den Geschmack dieses Bier so herrlich streiten. Probiert haben, sollte man es auf jeden Fall – sonst kann man beim Thema “Fränkisches Landbier” nicht mitreden.

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