Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Faust/Miltenberg: Spezial (Nr. 1373)

Wenn man schon mal in Aschaffenburg unterwegs ist, dann muss man sich mal DIE Aschaffenburger Kultbrauerei angesehen haben. Oder hätte sie sich angesehen haben müssen. Klar, ich rede vom “Schlappesepel”, nur einen Steinwurf vom ehrwürdigen Schloss Johannisburg entfernt.

Schlappeseppel Aschaffenburg
Dass im Schlappeseppel schon längst nicht mehr selbst gebraut wird, war bis vor ein paar Jahren auch kein wirkliches Thema. Die Aschaffenburger haben es durchaus akzeptiert, dass ihr “Schlapp” mittlerweile aus Großostheim von der Brauerei Eder&Heylands kommt. Hauptsache, das Bier heißt noch “Schlappeseppel“. Und Eder&Heylands haben in und um Aschaffenburg ja eh so ziemlich alles übernommen, mal abgesehen vom Schwindbräu.
Zum “Skandal” kam es erst, als die Verbindung von der ehemaligen Brauerei und jetzt Gaststätte “Schlappeseppel” und der Brauerei Eder&Heylands, die die Markenrechte an dem Bier “Schlappeseppel” hat, in die Brüche ging. Denn jetzt sollte es plötzlich “kein Schlapp mehr im Schlapp” geben. Und das führte in Aschaffenburg zu regelrechten Protesten. Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gegangen und die Aschaffenburger scheinen sich mit dem Faust-Bräu in ihrer Kult-Gaststätte Schlappeseppel abgefunden zu haben. Denn als ich an einem schönen, sonnigen Tag da war, war der Biergarten vor der Brauerei gut gefüllt. Allerdings grantelte es an einem Tisch gegenüber schon ein wenig, als ein Einheimischer Touristen erklärte, dass es früher mit dem Schlappeseppel-Bier besser gewesen wäre.
Schlappeseppel Faust
Und auch sonst hört man hinter vorgehaltener Hand, dass sich “der Faust” mit dem Liefervertrag fürs Schlappeseppel nicht unbedingt Freunde gemacht habe. Andererseits muss man sagen, dass die Brauerei Faust im Schlappeseppel recht dezent auftritt. Kein großer Faustausleger, keine Faust-Werbung. Hier und da ein Faust-Logo und eben der Hinweis auf der Bierkarte. Am “offensivsten” könnte man da fast noch die Bierfilzla ansehen, die auf der Rückseite das Faustlogo zeigen. Aber die Bedienungen legen sie ja mit der Schlappeseppel-Seite zum Gast hin. Und auch die Gläser zeigen nur das Schlappeseppel-Logo.
Schlappeseppel Faust Bierkarte
An Bieren gibt es eine Auswahl aus dem Faust-Sortiment, bei der eigentlich nur das Faust Spezial auffällt. Zwar gibt es beim Faust einiges an Spezialbieren, aber ein Faust Spezial sucht man auf der Homepage vergebens. Vielleicht ist das Faust Spezial eine eigens für die Gaststätte Schlappeseppel gebraute Sorte – analog zum Schlappeseppel Spezial der Brauerei Eder&Heylands. Das würde einen Sinn ergeben, schließlich ist es der Aschaffenburger gewohnt, im Schlapp sein Spezial zu bestellen. Was ich dann auch gemacht habe. Zum Aschaffenburg-Besuch gehört das halt dazu.
Faust Spezial Schlappeseppel
Das Faust Spezial im Schlappeseppel ist ein helles Spezialbier mit – so die Bedienung – 5,6 % Alkohol. Sind mir die letzten hellen Biere aus Unterfranken häufig ein wenig zu süß vorgekommen, ist es bei diesem Bier anders. Zwar gibt es auch hier eine fein-getragene malzige Süße, aber die ist in dem Fall nicht geschmacksbestimmend. Eher bleiben die getreidigen Aromen und vor allem die hopfenblume in Erinnerung. Die geben dem Bier zusammen mit der anfänglich deutlichen Herbe etwas Eigenständiges, was sich von den hellen Exportbieren, die ich zuletzt in Unterfranken getrunken hatte, wohltuend abhebt. Allerdings macht es das Bier auch ein wenig würzig und kantig. Was aber nicht gegen ein Zweites spricht, auch wenn ich Spezial-Biere hatte, die ich süffiger fand. Ob es ein Duell gegen das Schlappeseppel Spezial gewinnen würde, habe ich aber nicht getestet. Ich kann ja schlecht vorm Schlappeseppel sitzend ein Schlappeseppel auspacken. Wer aber will, könnte ein nicht ganz so fernes Fernduell starten. Nur wenige Häuser die Straße vom Schlappeseppel hinunter findet sich nämlich eine Kneipe mit Schlappeseppel-Bier. Da könnte man …
P.S.: Gerüchteweise soll es sich beim Faust Spezial um das Faust Festbier handeln. Allerdings hatte ich das vor Kurzem auch … und fand, es schmeckt unterschiedlich. Aber das eine kam vom Fass und das andere aus der Flasche. Und das kann einen großen Unterschied machen.

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