Gestern hatte ich’s ja beim Bier des Tages davon, dass ab dieser Zeit im Jahr früher wieder untergärig gebraut werden konnte. Untergärige Vollbiere ließen sich generell besser lagern – und sei es nur, weil man in der kalten Zeit genug Eis in die Keller schaffen konnte. So bürgerte sich früher für nahezu alle untergärigen Biere die Bezeichnung Lagerbier ein. Ein Lager war also – im Gegensatz zum englischen Lagerbeer – kein eigenständiger Biertyp. Daher gibt es dunkle und helle Lager, Rauch-Lagerbiere usw. Gemein ist den meisten Lagern höchstens eine gemäßigtere Hopfengabe.
Die „industrielle Revolution“ im Brauereiwesen machte es möglich, dass dank der Erfindung der Kühlmaschine immer mehr Brauereien Lagerbiere anboten, die das ganze Jahr über gebraut und gelagert werden konnten. Dass sich zumeist helle Lagerbiere durchgesetzt haben, liegt ebenfalls an der Industrialisierung der Brauereien. Durch bessere Technik beim Mälzen konnten helle Malze in besserer Qualität hergestellt werden, was die Biere generell heller machte. Auch eine bessere Filtrationstechnik sorgte dafür, dass die Biere immer klarer wurden. Wer sich jetzt an den Siegeszug des Pils‘ erinnert fühlt, hat durchaus Recht. Nur dass die Lagerbiere eben im Gegensatz zum Pils weniger gehopft sind.

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Wenn man so will, ist das Hersbrucker Lager der Bürgerbräu Hersbruck. Die Farbe ist hellgolden und der Geruch ist hellmalzig und weich. Gibt es einen Unterschied zu einem hellen Vollbier? Nein! Auch im geschmack nicht. Das Lager aus Hersbruck ist wie so manches Helle getreidig, ja fast schon maischig im Antrunk. Der Hopfen kommt auch deutlich durch, was das ganze aber recht „bierig-rund“ wirken lässt. Ohne die Bitterstoffe der grünen Hanfpflanze – zu der Gattung gehört der Hopfen nämlich – würde das Lager nämlich zu pappig und süß geraten. So ist es malzig, aber nicht zu süß, und hopfig, aber dafür nicht zu bitter. Trinkbar, recht trinkbar, ordentlich trinkbar ist sowas. Dass es nur 4,6% Alkohol hat, tut dem ganzen keinen Abbruch und verleitetden einen oder anderen sicherlich auch zu einem zweiten Seidla …