Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Kulmbacher Brauerei AG/Kulmbach: Lager Hell (Nr. 1122)

Gut, das gestrige Turmherren Urhell der Kaiser Bräu aus Neuhaus “in Verkleidung” der Weiss Rössl Vertriebsgesellschaft kam nicht allzu gut weg. Nun kann man sagen, dass das typisch für Billig-Biere sei. Der Preisdrck bei den Rohstoffen und bei der Produktionsweise schlägt sich halt im Geschmack nieder. Im Umkehrschluss müsste ein “Premium-Helles” entsprechend interessanter schmecken. Um das zu untersuchen, habe ich mir mal das Lager Hell der Kulmbacher Brauerei AG angeschaut. Das verspricht ja laut Etikett: “Feinste Rohstoffe und die Leidenschaft zum Brauen sind die besten Zutaten für unser Bier.” Und das Ganze geschehe natürlich im Sinne der Gründerfamilie, was eine Unterschrift auf dem Etikett besiegeln soll.

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Nun wurde die Kulmbacher Brauerei AG tatsächlich von Johann W. Reichel, Johann K. Scheiding und Johann M. Hübner gegründet, aber welche Rolle die Familie in der momentanen Konzernstruktur spielt, ist nicht so klar. An der ehemaligen Reichelbräu sind heute laut Eintrag bei wer-zu-wem.de zu 62,22 % der Brauholding International, zu 26 % der IREKS Mälzerei und zu 11,4 % weitere Mitgesellschafter beteiligt. Geführt wird die Kulmbacher-Gruppe von Markus Stodden (Vorstand Marketing und Vertrieb & Sprecher des Vorstands), Otto Zejmon (Vorstand Finanzen) und Dr. Jörg Lehmann (Vorstand Technik). Wer da also “die Flasche Unterschrieben hat”, lässt sich schwer sagen. Jemand mit weitreichender Verantwortung wird es wahrscheinlich nicht gewesen sein. Falls es überhaupt eine “reale” Unterschrift ist. Die Pressemitteilung vom 18.04.2011 zum Markenrelaunch gibt nämlich auch keinen Hinweis darauf, welches Mitglied der Gründerfamilie da seine Unterschrift zur Verfügung gestellt hat: “Ein historischer Bezug wird durch die Unterschrift ‘In Erinnerung an die Brauerfamilie Reichel’ hergestellt, das Kulmbacher Bekenntnis zu kompromissloser Qualität untermauert ein neues Qualitätssiegel

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Aber ich schweife ab, es soll ja eigentlich darum gehen,. ob das Kulmbacher Lager Hell jetzt besser ist als das No-Name-Billig-Turmherren Urhell. Optisch geben sich die beiden Biere nichts. Und auch vom Alkoholgehalt liegen sie gleich, was aber auch kein Wunder ist. Dass das Billig-Bier 0,1 % “stärker” ist, tut nichts zur Sache. Schließlich darf der tatsächliche Alkoholgehalt bis zu 0,5 % vom angegebenen Wert abweichen! Geschmacklich geben sich das gestrige Bier des Tages und das heutige auch wenig. Auch beim Kulmbacher Lager Hell fragt man sich, ob der Brauer nicht vielleicht vergessen habe, das Bier “reinzutun”. Mild, leicht, maischig, süß im Geschmack, fast pappig im Abgang. Da schwimmt jemand aber ganz groß auf der Welle der “European Mild Lager” mit. Das mag ja ein Bier sein, dass Nicht-Biertrinker anspricht, denen die meisten Biere zu bitter sind. Da ist das Lager Hell fruchtiger, süßlicher, aber eben auch konturloser und unstrukturierter. Ehrlich, nach dem Bier fragt man sich, ob man was getrunken hat. Genuss geht meiner Meinung nach anders.

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Dass das aber nicht am Biertyp selbst liegt, beweisen zahlreiche wirklich gute Helle. Ich will jetzt mal nur das Keesmann Hell aus Bamberg erwähnen. Aber solche Biere findet man halt eher im “Mittelfeld” der Brauereilandschaft. In wiefern die Großen und die Billigen da mithalten können, muss sich noch zeigen. Das Lager Hell ist für mich jedenfalls kein Grund, bei der Kulmbacher einzukaufen.

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