Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Tucher Bräu/Fürth: Hefeweizen Alkoholfrei (Nr. 103)

Ich habe einen Fehler gemacht, ich geb’s gleich zu. In meiner Planung für die kommenden “Bierchen” dachte ich eigentlich den Karfreitag wie den Karsamstag mit Alkoholfreien zu verbringen. Und deshalb habe ich verzweifelt nach weiteren Alkoholfreien aus fränkischen Landen gesucht. Die gibt es zwar hier und da, aber naja, rankommen muss man halt auch noch. Und da war das Problem. Das alkoholfreie Weißbier vom Maisel aus Bayreuth geht ja noch, das Bier daneben war schon eine größere Überwindung. Ich habe etwas gekauft, was ich normalerweise nie anrühren würde: ein Tucher! Aus Fürth! Wo man ja viele böse Sprüche über Fürther kennt. Lieber Fünfter als Fürther … o.K. auf Hochdeutsch funktioniert der nicht. Da aber morgen der 23. April, St Georg und damit auch Tag des bayerischen Bieres ist, gibt es morgen kein Alkoholfreies. Was mache ich also mit dem Tucher? Hilft nix, ich muss es probieren. Passt irgendwie zum Karfreitag. Soll ja keinen Spaß machen.

216185_197966830244581_7113474_nDas mit der Tucher in Fürth und dem Bier in Nürnberg und Umgebung ist ja insgesamt so eine Sache – und auch eine sehr verworrene. Die Grundlagen der Tucher gehen auf ein städtisch Nürnbergisches Weißbierhaus aus dem 17. Jahrhundert zurück. Das wird im 19. Jahrhundert kurz zum Königlichen Brauhaus, nur um wenig später als Tucher zu firmieren. Da sind dann aber schon weitere Brauereien in der Tucher aufgegangen. 1966 schließen sich die Tucher und die Brauerei J.G. Greif zur Bau AG zusammen, die wenig später unter dem Rosenheimer März-Konzern zur Tucher-Bräu AG umbenannt wird. 1994 wird mit der Patrizier-Gruppe fusioniert, in der u. a. die Bamberger Hofbräu, die Bürgerbräu Würzburg, das Zirndorfer Landbier, Lederer und diverse Brauereien in Fürth aufgegangen sind. So erklärt sich die u.a. die Braustätte und das Logistikzentrum in Fürth. Aber das ist noch lange nicht das Ende der Odyssee der Tucher-Bräu. 2003 kommt sie nämlich zum Brau-und-Brunnen-Konzern, der wiederum 2004 von der Oetker-Gruppe übernommen wurde. Jetzt ist das Tucher-Bier Schwester von Marken wie dem Augsburger Hasen-Bräu, Jever, Schlösser Alt, Wicküler, Brinkoffs, Schultheiss und diversen Kölsch un, und, und. Jetzt dürfte beim nächsten Supermarktbesuch manchem ein Licht aufgehen, wenn er das Sortiment betrachtet.

Aber zurück zum Weizen. Das ist schnell beschrieben. In der Farbe und dem Trübungsgrad liegt es ein wenig hinter einem Hellen Weizen, ist aber auch noch kein Dunkles. Die Farbe ist eigentlich gefällig. Der Geruch ist eigentümlich, unangenehm säuerlich. Fruchtigkeit? Malz? Leider Fehlanzeige. Und der Geschmack? Tja, das Beste, was man über das Hefe-Weizen Alkoholfrei sagen kann, ist, dass es sich wie Wasser trinken lässt. Und damit hat man das Problem dieses Bieres auch schon beschrieben. Es schmeckt nach … sehr wenig. Wässrig im Antrunk, säuerlich wie Mineralwasser im Abgang. Malz und Hefe? Genau! Fehlanzeige. Man kann nicht sagen, dass es schlecht schmeckt, weil es eben nach fast gar nix schmeckt. Als Durstlöscher nach dem Sport geht sowas vielleicht sogar. Aber wenn ich ein Bier trinken will, dann sollte es entfernt auch danach schmecken.

Fazit? Eine Lehrstunde in Brauerei-Konzentration und ein wässriges Bleifrei-Weizen. Trägt halt jeder sein Kreuz …

 

P.S.: Bei den Schwestern des Tucher habe ich übrigens noch Radeberger, Schöfferhofer, Henninger, Clausthaler usw. vergessen. Die Marken der Radeberger-Gruppe, so heißt die Bier- und Getränke-Sparte im Oetker-Konzern, findet man u.a. hier: http://www.radeberger-gruppe.de/de/marken

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