Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Düll/Krautheim: Weihnachtsbier (Nr. 1865) & Brauerei Ott/Oberleinleiter: Ladara (Nr. 1866)

Dass ich ein Wortklauber bin, habe ich schon mal gesagt, oder? Und ein “Klugscheißer”. Das ist manchmal nervig, ich weiß, aber leider kann ich nicht anders. Wenn es zum Beispiel Weihnachten wird (oder ist), dann muss ich alle Welt über die Unterschiede zwischen Nikolaus (dem Bischof im Ornat mit Mitra und Bischofsstab) und  dem Weihnachtsmann (in seinem lustig-roten Kostüm) hinweisen. Und dass interessanterweise das Christkind, das sich im katholischen Bayern, Österreich usw. großer Beliebtheit erfreut ausgerechnet von niemand anderem als Martin Luther erfunden worden sein soll, der durch die Personifizierung des “heiligen Christ” die Heiligenverehrung um den Nikolaus (Geschenke am 6. Dezember) oder die unschuldigen Kindlein (Geschenke am 28. Dezember) eindämmen wollte und die Bescherung auf den 25.12. festgelegt haben soll. Während wiederum der Weihnachtsmann, der gerade in protestantischen Regionen/Ländern populär ist, ja vom Santa Claus, also vom katholischen Nikolaus abstammt … Lustig, oder? Und unnützes Wissen, mit dem ich glänze, wenn ich z. . ein Bier wie das Weihnachtsbier vom Düll aus Krautheim in der Hand habe.

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Nun ist es in Volkach/Krautheim mit der Religion eh so eine Sache. Der Ort war teilweise konfessionell gespalten, wer es nachlesen will, findet mehr Infos bei Wikipedia. Ich will ja hier nicht zu viel klugscheißen … Jedenfalls ist auf dem Etikett ein Weihnachtsmann und kein Nikolaus und erst recht kein Christkind. Ob das aber jetzt religiös motiviert ist oder dem allgemeinen Trend hin zum “Coca-Cola-Santa-Claus” folgt, wer weiß. Der Schlitten von Letzterem wird ja bekanntlich von Rentieren gezogen, vor dem (Bier-)Schlitten auf dem Krautheimer Etikett spannen dagegen zwei edle Rösser. Und ist der Nikolaus nicht eher mit einem Packesel unterwegs??? Fragen über Fragen …

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Beim Bier handelt es sich jedenfalls um ein hell-bernsteinfarbenes Festbier mit schönem Karamell-Charakter. Dazu kommt ein wenig Bisquit-Süße und Honignoten. Vom Charakter her ist das Weihnachtsbier eher ein Märzen. Mit 5,6 % steht es auch ordentlich gut im Futter. Es wirkt nicht gnadenlos süß, aber ein wenig mehr Bittere im Abgang würden schon noch mehr an Süffigkeit produzieren. So läuft es fast zu “widerstandslos” den Gaumen hinunter. Zumindest für meinen (verwöhnten) Geschmack.

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Das zweite Bier in meinem “Weihnachtsspecial” bildet wieder ein Bockbier – udn zwar ein Besonderes. Und eines, bei dem man ebenfalls “wortklauben” und “klugscheißen” kann. Da hatte mich mein Lieblingsgetränkedealer (vom Aquatron in Bamberg, ein wenig Werbung muss sein) auf ein spezielles Bockbier vom Ott aus Oberleinleiter hingewiesen. Das nennt sich Ladara und ist – Achtung! – auf Bourbon-Eichenholz gereift. Also nicht in!

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Das macht nämlich durchaus einen Unterschied. So, wie es hier steht, hat man wohl Holzchips oder Staves (also Holzalternativprodukte, wie es in der Fachsprache heißt) zum Aromatisieren des Bocks aus Oberleinleiter benutzt. Darüber kann man jetzt die Nase rümpfen, weil eine “echte Fassreifung” natürlich viel edler bzw. wertiger klingt, aber …

Fassreifung im Holzfass hat Nachteile: Holzfässer sind nie 100% dicht, es kommt immer Luft ans Bier und Kohlensäure entweicht. Das Bier altert also im Holzfass. Das ist durchaus gewollt so, bringt aber z. B. eine bestimmte Säurenote mit sich, die dem Ladara Bock fehlt. Was ihn mir wiederum sympathisch macht. Überhaupt ist der kastanienrote 6,8 %er ein süffiges, weil weiches Bier. Die Holzaromatik ist da, erschlägt einen aber nicht. Die Holznoten und die Vanille passen sich dem Bierkörper an, das Ganze erinnert mich sehr entfernt an den Buccaneer-Taback, der ebenfalls mit Whisky aromatisiert war. Dazu kommen hier und da noch leichte Schokonoten und eine angenehme Rezenz.

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Das passt, das wirkt edel (auch ohne teures Holzfass), elegant und trotzdem nicht überzogen. Und die Ehrlichkeit der Angabe auf dem Etikett – eben dass das Bier auf Holz gereift wurde – gefällt mir sowieso. Andere Brauer sprechen da schnell von Fassreifung, auch wenn das Fass aus Edelstahl war … Bleibt am Ende die Sache mit dem preis. In meinem REWE-Markt stand das Bier für satte 2,99 € pro Flasche. Mein “Dealer” (siehe oben) meinte, er biete das Bier deutlich günstiger an. Lohnen würde es sich so oder so, sage ich. Selbst dann, wenn man normalerweise holzfassgelagerte Biere nicht so sehr mag.

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