Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Fischer/Wieseth: Hirschbräu (Nr. 2041) & St.Erhard, Lehe/Bamberg, Keila: Endspiel

Der erste Weihnachtsfeiertag – und wieder zwei Biere, die ich euch vorstellen möchte. Das erste kommt von der Brauerei Fischer aus Wieseth. Das ist ja eine Brauerei, die nicht den schlechtesten Ruf genießt. Die Biere, die ich bisher von der Brauerei Fischer hatte, waren jedenfalls alle ganz ordentlich. Das hebt natürlich die Erwartung an den Hirschbock

img_3394Um es kurz zu machen, der Hirschbock hat keine großen Probleme, die Erwartungen zu erfüllen. Im Gegenteil: Der helle, goldfarbene Bock mit 7,4 % Alkohol ist der Hammer! Weich, rund, ausgewogen, ein schön “öliges”, weiches Mundgefühl, helles Malz, Karamell und Bisquit im Aroma, ohne zu süß zu sein. Eine wirklich ausgewogene Bittere rundet den Bock ab. Cool! Einziges Manko: Wenn man davon eine Flasche zu Testzwecken mitnimmt und die zu Hause aufmacht, dann ärgert man sich, warum man nicht gleich eine ganze Kiste mitgenommen hat. Zumindest ging es mir so, ich weiß ja auch, dass jeder Gaumen anders ist. Mir jedenfalls hat der Hirschbock (der früher wohl nur “Bockbier” hieß) richtig gut gefallen.

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Das zweite Bier des heutigen Tages ist zwar auch ein Starkbier, aber das ist das Einzige, was der Hirschbock mit dem Endspiel gemeinsam hat. “Endspiel”  – auf diesen Namen hört ein Barley Wine, der in Kooperation zwischen St. Erhard, der Biermarke von Bierothek-Gründer Christian Klemenz, und der Lehe Puulikoda, einer Brauerei in Estland, entstanden ist. Ich weiß, jetzt könnte man einwenden, dass ich mit diesem Bier ziemlich an meinem Ziel, die fränkische Bierlandschaft in ihrer Gänze als erster komplett zu durchtesten und zu beschreiben, vorbeischieße. Denn egal, wie großzügig man Frankens Grenzen zieht, Estland liegt nun mal außerhalb. Weshalb es die Verkostungsnotiz gibt, ich das Bier aber in meiner Zählung fränkischer Biere nicht zähle.

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Ich habe mich aufgrund der teilfränkischen Gene des Biers trotzdem dazu entschieden. Und weil ich den Bierstil Barley Wine so liebe. Und weil für mich der Barley Wine zu Weihnachten gehört.

Ich sage ja immer:

“Wenn am Heiligen Abend die Bescherung rum ist, das Essen abgeräumt, die Kinder endlich im Bett liegen, im Fernsehen der Papst in Rom vor sich hin zelebriert und ich mir eine Flasche Barley Wine aufmache, dann ist für mich so richtig Weihnachten!”

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Nun ist der Bierstil in Franken eher selten zu finden, weshalb ich dieses Jahr auf einen teilfränkischen Barley Wine ausgewichen bin. Schenkt man sich den Barley Wine ein, fällt auf, dass er nicht sehr schaumhaltig ist. Muss er aber auch nicht sein, schließlich hat dieser “Gerstenwein” (weitere Geschichten zu diesem Bierstil gibt es hier) satte 9,5 % Alkohol. Viel Alkohol stört die Schaumhaltigkeit. Und viel Kohlensäure hat so ein Barley Wine ja eh nicht. Ist halt so. Außerdem muss man sich dann nicht “durch einen halben Meter Schaum” kämpfen, bevor man an das malzbonbonsüße, komplexe Bier kommt. Karamell, Toffee, Brotrinde, Trockenfrüchte, Pflaumen … Nahezu alles, was Malz an Aromen hervorrufen kann, stellt das Endspiel einem auf die Zunge. Dass das Endspiel einen auch wärmt, soll im Dezember kein Nachteil sein.

Kein einfaches Bier, aber was ist an Weihnachten schon immer einfach. Wenn die Kinder plärren, die Familie nervt, man immer nur Krawatten bekommt und überhaupt früher mehr Lametta war! 😉

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