Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Mönchshof(Kulmbacher)/Kulmbach: Zoigl (Nr. 1995)

Es gibt Sachen, die verstehe ich nicht. Wahrscheinlich, weil ich als gelernter Germanist keine Ahnung von Marketing und so habe. Vielleicht auch, weil ich zu dumm dazu bin. Aber neulich hatte ich so einen Moment: Da stand ich in einem Getränkemarkt vor zwei Stapeln mit Bierkästen: der eine von der Brauerei Scherdel in Hof, der andere von der Mönchshof in Kulmbach. Hinter beiden Brauereien steht die Kulmbacher Brauerei AG – wobei die Scherdel-Biere nicht in Kulmbach, sondern in Hof gebraut werden. Was die beiden Kästenstapel außerdem noch gemeinsam hatten, war der Biertyp: fränkischer Zoigl.

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Nun gab es bei der Einführung des Scherdel Zoigl schon Knatsch mit der Oberpfalz. Denn echter Zoigl, so kann man es immer wieder in der Oberpfalz lesen und hören, kann nur aus der Oberpfalz kommen. Und dort am besten aus einem Kommunbrauhaus. Echter Zoigl unter dem Dach der Kulmbacher Großbrauerei? Das geht gar nicht. In Kulmbach sieht man das scheinbar anders, schließlich gibt es jetzt neben dem Scherdel Zoigl auch noch einen von der Mönchshof. Beide sprechen eine ähnliche Bildsprache: Blaues, historisierendes Etikett, roter Schriftzug … Nur, dass der Scherdel Zoigl auf die Kiste gerechnet einen Euro günstiger ist.

dsc_1030Wie gesagt, wenn beide Biere im Getränkemarkt nebeneinander stehen, weiß ich ja nicht, warum ich als Kunde bei aller Ähnlichkeit zum Mönchshof Zoigl greifen sollte. Nimmt der Scherdel Zoigl dem Mönchshof Zoigl nicht Kunden weg? Oder lohnt sich der Mönchshof Zoigl neben dem Scherdel Zoigl, weil man den von Mönchshof deutschlandweit (außer in der Oberpfalz) besser vermarkten kann als das weniger bekannte Scherdel Bier? Und wie unterschiedlich sind die Biere überhaupt? Rechtfertigen die Unterschiede auch den Preisunterschied?

img_1122Optisch unterscheiden sich die Biere kaum. Die Farbe ist recht identisch. Beide sind bernsteinhell, gleichmäßig trüb … Laut Etikett hat der Mönchshof Zoigl den Wimpernschlag von 0,2 % mehr Alkohol. Immerhin schon mal ein technischer Unterschied, wenn auch kein großer. Geschmacklich … tu ich mir schwer. Der erste Schluck kommt mir sehr gleich vor. Mit der Zeit unterscheiden sich die Biere schon … Der Mönchshof Zoigl ist weicher, milder, wirkt einen Wimpernschlag süßlicher. Der Scherdel Zoigl ist dagegen einen Tick würziger … würde ich sagen. Aber wie gesagt, ein Hammerunterschied ist zwischen beiden Bieren nicht – oder mein Gaumen ist halt zu taub für diese Art Bier. Oder ich bin (sicherlich auch) ein wenig voreingenommen.

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So richtig angesprochen hat mich der Mönchshof Zoigl nicht. Zwar schleicht sich ein Hauch von Karamell sich ins helle Malz. Apropos Malz: Laut Homepage und kleinem Heftchen, das jedem Kasten beiliegt, kommt die “Original Mönchshof Manufaktur Malzmischung Zoigl X/XVI” zum Einsatz. Klingt interessant, sagt einem aber auch nicht wirklich was. Das den Kisten beiliegende Heftchen wird da ein klein wenig präziser: An Malz verbraut man Karamellmalze mit den Namen “Eiche” und “Ebenholz” (kommen von der benachbarten IREKS) sowie Pilsner und Münchner Malz. Auch die Hefe ist geschmacklich auch präsent. Die bewirbt man so: “mit kalt vergärender, untergäriger Hefe aus eigener Reinzucht angestellt”. Klingt auch cool, passiert so aber auch bei jedem untergärigen Bier so. Genauso wie der Hinweis, dass das Bier bei bis zu 1 °C kalt gelagert wird. Das nennt man Kaltreifung, und die sollte so oder so um die 0 °C geschehen. Von dem versprochenen fruchtigen Hopfenaroma– immerhin werden laut Homepage nur die Aromahopfen Perle und und Saphir und keine Bitterhopfen bzw. kein Hopfenkonzentrat verwendet – kommt nicht so viel durch. Auch in Sachen ausgewogene Bittere schwächelt der Mönchshof Zoigl. 16 Bittereinheiten sind recht wenig. Viele Weizenbiere liegen in dem Bereich 12-15 Bittereinheiten.

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Aber der Trend geht ja bei solchen neuen Kellerbieren hin zu immer mehr Milde. Lustigerweise sieht man bei Mönchshof den Zoigl als helles Exportbier. Allerdings sollte ein helles (Dortmunder) Export deutlich mehr (25-30) Bittereinheiten haben. Ach ja, ein unfiltriertes Exportbier gab es von Mönchshof auch schon mal …

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Leider muss ich aber auch sagen, dass mich im direkten Vergleich der Scherdel Zoigl auch nicht mehr überzeugt hat. Das hat sich seit Oktober 2015 (da hatte ich das Bier schon mal beschrieben) nicht geändert. Aber was soll ich sagen, die beiden Biere werden sich entsprechend verkaufen. Nochwas, was ich so richtig nicht berstehen kann …

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