Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Blauer Löwe/Höchstadt a.d.Aisch: Dunkel (Nr. 315)

Nach einem ganz hellen “Frauenbier”, das der eine oder andere Herr der Schöpfung vielleicht auch mal aus dem Fläschlein züllen mag, kommt heute als Kontrastprogramm ein Dunkles. Die Brauerei Blauer Löwe aus Höchstadt an der Aisch braut ein solches, welches dunklebraun in der Farbe ist und gegen das Licht gehalten leicht kupfern schimmert. Der Geruch geht sehr ins malzbierige, wobei – Halt! Malzbier darf man im Freistaat nicht mehr sagen. Denn da gab es mal, woran sich kaum wer hier erinnern wird, den sogenannten Süßbier-Krieg. Kein Krieg als solcher, eher eine innerdeutsche Auseinandersetzung, eine Posse, wie sie nur im tiefen Süden der Republik ersonnen werden konnte. Seit jahr und Tag wurde nämlich überall im Land “Malzbier” gebraut, also ein malzhaltiges, nicht-alkoholisches Getränk, welches bei Kindern und schwangeren Frauen äußerst beliebt war. Überall im Land? nein! Da beim “Malzbier” ab und an Zucker zugesetzt wurde, stieg dem weiß-blauen Verfechter des Reinheitsgebots so die Zornesröte ins Gesicht, dass er lila leuchtete. Schließlich war ;alzbier, auch wenn es kein Bier war ein Bier – oder so ähnlich. So stoppte die bayerische Polizei 1960 Lastwagen mit dem im Freistaat illegalen Getränk und beschlagnahmte selbiges. Die Sache ging vor die Gerichte, bis der BGH pro Bayern entschied und Malzbier fortan Malztrung zu heißen hatte. Um also nichts juristisch Verwerfliches zu schreiben: Das Dunkle vom Blauen Löwen riecht malztrünisch, malztrunken, malztrunkig … (Das hat man nun von der bajuwarischen Rauflust!)

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Beim Geschmack meint man auch fast so ein Süßbier (darf ich das jetzt so schreiben, oder werde ich nun abgemahnt???) vor sich zu haben. Dunkle Biere stehen ja oft im Verruf, bitter zu sein, was an den Bitterstoffen liegt, die beim Rösten des Malzes entstehen. Das Dunkle hier startet wie ein normales malziges Dunkles, läuft dann aber fast schon süßlich wie ein Malztrunk aus. Herbe und Bitterstoffe halten sich sehr in Grenzen. Am Ende hinterlässt es diesen süß-säuerlichen Nachgeschmack, den ein gutes Landbrot aus Natursauerteig im Mund hinterlässt, wenn man es pur isst. Ein durchaus interessantes Dunkles und vor allem eines für all jene, die eigentlich kein Dunkles mögen. Wer aber an einem Dunklen gerade die Kernigkeit und den gröberen Charakter schätzt, der wird hier enttäuscht.
Aber Achtung! Selbst, wenn es beim Trinken an Vitamalz und Co. erinnert, hat es 5,5%!!! Also bedächtig trinken und nicht gegen den Durst kippen. Dafür wäre es auch zu Schade. Ist ja schließlich ein echtes Bier nach dem Reinheitsgebot!

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