Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Scherdel (Kulmbacher)/Hof: Edelhell (Nr. 1257)

edelhell2-2Schön, dass ich mit meiner gestrigen Forderung nach Bier mit Geschmack und Charakter nicht alleine bin. Leider gibt es noch genügend Biere, die zumindest in meinen Augen richtig langweilig, eintönig oder einfallslos sind. Gut, jetzt vergleich’ ich vielleicht Äpfel mit Birnen: Ein Hausbier einer kleinen Landbrauerei wie dem Rittmayer in Aisch kann man schlecht mit dem Pils einer Konzerntochter vergleichen. Das weiß ich auch. Und dass die Brauerei Scherdel seit 2003 zur Kulmbacher-Gruppe gehört, muss per se auch nichts Schlechtes heißen. Es ist ja nicht so, dass der Braumeister mit der Einstellung bei einem Braukonzern plötzlich all seine Fähig- und Fertigkeiten vergessen muss. Ich denke da nur an das Scherdel Schlappenbier zum Hofer Schlappentag. Das war schon verdammt ordentlich. Da kann man schon was.

Aber beim Edelhell, einem feinherben Pils hat mich die Brauerei Scherdel nun mal so gar nicht überzeugt. Dabei hatte die Homepage in Sachen Edelhell ziemlich hohe Erwartungen geweckt. “Die fast 75-jährige Tradition der Rezeptur setzt mit ihrer Wiederbelebung ein aromatisches Signal gegen die immer einheitlicher schmeckenden Biere Pilsner Brauart in Deutschland.

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Oha! Also ein Pilsner gegen den Trend? Ein richtig aromatisches vielleicht sogar? Mit 5,3 % jedenfalls ein eher stärkeres. Jedenfalls ein typisch hellgoldenes Pils.
Geschmacklich kann ich die Euphorie der Homepage leider nicht nachvollziehen. Klar, es ist ein Pils. Ein durchaus sogar herberes hintennach. Das darf ein Pils gerne sein und das darf man von Anfang an auch gleich schmecken. Aber es sollte halt auch noch mehr kommen, mehr als nur ein recht langweiliges Hopfenaroma. Ja, ich weiß, dass überhaupt ein Hopfenaroma da ist, sollte mich schon jubeln lassen. Aber vielleicht hatte ich in letzter Zeit zu interessante Biere, um mich mit Tettnanger Hopfen alleine zufrieden zu geben. Das Scherdel Edelhell schmeckt straight, getreidig, im Hopfen einw enig grasig, sonst mehr nach Stroh. Und im Nachhall … ja, auch schon bierig. Aber ich kann mir nicht helfen. Es überzeugt mich nicht. Es fehlt an Süffigkeit, Volumen, vielleicht ein wenig mehr Süße und vielleicht auch an ein wenig blumigerem Hopfen. Einen großen Unterschied zu anderen typisch deutschen Pilsnern kann ich jetzt nicht wirklich erkennen.

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Dabei hätte es ein richtig interessantes Bier sein sollen. Laut Wikipedia wurde das Schedel Edelhell in den 1930er Jahren eingeführt und soll für den wirtschaftlichen Aufstieg der Brauerei verantwortlich gewesen sein. Außerdem soll es wohl eines der ersten hellen Bier Pilsner Brauart gewesen sein. So berichtet es die Hofer Bierzeitung vom April 2008. Allerdings befürchte ich, dass vom “Ur-Edelhell” nicht mehr so viel übrig ist. Vielleicht bin ich auch nur der falsche Kunde dafür. Das kann ja auch sein.

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