Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Stadtbrauerei Spalt/Spalt: Helles Vollbier (Nr. 403)

Zugegeben, das gestrige Helle vom Landwehrbräu war ein wenig inspirationslos. Dabei dachte ich bisher immer, bei einem Hellen, einem einfachen Hellen, könne man nicht viel verkehrt machen. Eine anständige – aber nicht zu große Menge Pilsner Malz, ein wenig Hopfen, eine Hefe, die ein ausgewogenes Geschmacksbild produziert … Und schon hat man das feinste Helle vor sich stehen, das man sich nur wünschen kann. Allerdings liegt in der relativ einfachen Rezeptur einiger Heller auch deren großes Manko: die Beliebigkeit. Und wenn ich mir so das letzte Jahr ansehe – und zwar die geposteten Biere und die, die ich bisher nur getestet und in einem der vielen braunen Testbüchlein verewigt habe, – dann muss ich feststellen, dass es durchaus verdammt feine Helle gibt: Büttner, Vollbier; Kulmbacher Kommunbräu, Hell; Wiethaler, Helles Lager; Gampert, Förster Hell; Alt, Helles Vollbier; Dorn Bräu, Hell und noch viele mehr. Auf der anderen Seite stehen aber auch die Hellen Vollbiere, die wie das von gestern, zwar “Bier” sind, nett und trinkbar – denen es aber irgendwie am gewissen Etwas fehlt. Das mag die Süffigkeit sein, die Hingabe, mit der sie eingebraut werden, oder das Quäntchen Aroma, das sie eigenständig macht.

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Eigenständig ist der Kandidat von heute auf jeden Fall. Denn das Spalter Helle Vollbier kann seine Herkunft aus der Hopfenregion Spalt nicht verleugnen. Farblich ist es ein Helles wie (fast) jedes andere auch. Aber schon beim geruch wittert das Näschen den … na? Was? Wer weiß es? Genau! Den Hopfen! Genauer gesagt den Spalter Aromahopfen. Und von dem ist auch eine anständige Schippe im Sud gelandet. Im Antrunk macht sich das noch nicht so bemerkbar – der ist noch typisch für ein Helles mild und leicht malzig. Aber dann, mein Freund, kommt der Hopfen durch, sorgt für ein grasiges und soger eine Spur herbes und bitteres Finish. Andernorten gilt sowas fei schon fast als Pils, ach was sag ich fast? Das hat schon leichte Pilsqualitäten. Andererseits sind woanders in Franken die Pilsbiere auch eher herbe, gut gehopfte helle Vollbiere. Damit man das in Spalt nicht verwechselt, gibt es ja auch noch das Spalter Premium Pils (Bier des Tages am 12. 04.11).
Im direkten Vergleich würde ich sogar das Pils dem Hellen Vollbier vorziehen, denn beim Pils weiß man ja, was einen erwartet. Beim Hellen fehlte mir ein wenig die malzig-weiche Gemütlichkeit. Was aber jetzt wieder subjektiv ist, weil ich ja eigentlich kein so großer Hopfenfreund bin …

 

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