Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Felsen Bräu Gloßner/Thalmannsfeld: Weizenbock (Nr. 341)

Sonntags stelle ich ja ab und an gerne ein Weizen vor. Die Idee eines gemütlichen Sonntag-Frühschoppens bei Weizen und Bratwürsten zum Beispiel gefällt mir halt, auch wenn ich es nicht so häufig mache, wie ich eigentlich gerne würde. Und weil ich gerade bei den Fest- und Bockbieren bin, ist für heute ein Weizenbock dran. Davon gibt es ja landauf landab einige, wie den Weizenbock der Felsenbräu Gloßner aus Thalmannsfeld. Diese Brauerei darf sich rühmen, die erste “Solarbier-Brauerei” gewesen zu sein. Ein Slogan der Brauerei lautet demnach “Ökologie und Lebensfreude”. Dem Ökologieaspekt ist wohl auch der Drehverschluss der Flaschen geschuldet. Das passt zwar zum umweltbewussten Image der Brauerei, daran stört sich der Bierfreund aber trotzdem ein wenig. Aber dem Schraubverschluss soll ja die Zukunft gehören, liest man immer wieder. Wir werden es sehen.
Was mir am Weizenbock mit dem Drehverschluss aufgefallen ist – und zwar so zum ersten Mal bei einem Bier mit diesem Verschluss, war ein deutliches Zischen beim Öffnen. Klingt zwar immer noch nicht so appetitanregend wie bei einer Bügelverschluss-Flasche oder einem Kronkorken, aber immerhin ein wenig “Biergeeling”. Das Ohr trinkt in dem Fall ja mit. Das Auge übrigens auch: Die Longneck-Schraubverschluss-Flasche geht optisch in Ordnung so. Das Etikett zeigt weiß-blaue Rauten, während das Rückenetikett einen informiert, man habe “Frische aus Franken” vor sich. Weizenbiere werden ja gerne im “bayerischen Dress” verkauft, schließlich verbindet man diese Bierart eher mit den südlichen Landen. Nett ist aus fränkischer Sicht, dass das Bier “Weizenbock” und nicht “Weissbierbock” heißt. Aber das ist eigentlich nur was für Lokalpatrioten. :-)
So, jetzt habe ich mich aber lange genug mit der Flasche aufgehalten, es geht ja eigentlich um deren Inhalt. Der ist honiggelb, satt trüb und hat bei mir im Weizenglas wenig Schaum aufgebaut. Lag’s am Bier oder habe ich schlecht eingeschenkt? In dubio pro reo, also kein Punktabzug beim Bock.

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Weil aber nicht nur Ohren und Augen bei einem Bier befriedigt werden wollen, sondern auch Nase und Gaumen, kommen wir zum Geruchs-Check. Beim Weizenbock kommt zusammen, was man vom Namen erwartet: Er riecht angenehm stark “weizig” und zeigt auch noch eine recht alkoholische Note. Mit seinen 7,2% ist er auch gut dabei. Im Moment fällt mir nur der “Starke Ritter” aus Nennslingen (Test folgt noch) als Weizenbock ein, der mit 7,5 drüber liegt. Aber so viele Weizenböcke habe ich diese Saison noch nicht getestet.
Bleibt letztlich noch der Geschmackstest: Erstmal ist das Mundgefühl überraschend “flüssig”. Manche Böcke, speziell die unfiltrierten Weizenböcke, laufen ja verdammt sämig über die Zunge. Ich mag das. Der Weizenbock aus Thalmannsfeld ist zwar richtig trüb, bleibt vom Mundgefühl aber spritzig. Da könnte man glatt vergessen, dass man einen Bock vor sich hat, wenn nicht diese fast schon ein wneig scharfe alkoholische Geruchsnote wäre, die sich schon vor dem Schlucken im Mundraum bemerkbar macht. Sonst ist da ein ordentlich weizenmalziger und vor allem wenig bananiger Grundgeschmack, der von entsprechender Hefigkeit begleitet wird. Und dann fällt bei dem Weizenbock der Hopfen auf, der sich im Finish dazugesellen darf. Auch nicht unbedingt typisch für ein Weizen. Bei den meisten überkleistern Hefe und Malz diese Zutat. Die wird übrigens im Etikett als Doldenhopfen ausgewiesen, was wohl heißen soll, dass statt flüssigem Extrakt oder fichfutterähnlichen Pellets getrocknete, ganze Dolden beim Brauvorgang zum Einsatz kommen. Das vermeiden die meisten Brauereien wegen der schlechteren Dosierbarkeit, weil man den Anteil an Bitter- und Aromastoffen pro 100 Gramm schlechter messen lässt.
Fazit des Ganzen: Ein trinkbarer Weizenbock mit interessant hopfigem Abgang, bei dem höchstens dieser leicht scharfe, hefig-alkoholische Geruch/Geschmack stören könnte … und vielleicht der Drehverschluss …

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