Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Hofmühl/Eichstätt: Privat-Pils (Nr. 1693)

Das heutige Bier des Tages ist für mich sowas wie ein “Lückenbier“. Kennt noch jemand den Begriff? Bis 1993 bezeichnete dieser Begriff ein Bier, das nicht in die vorgegebenen Stammwürze-Kategorien passte:

  • 2,0–5,5 Prozent: Einfachbier
  • 7,0–8,0 Prozent: Schankbier
  • 11,0–14,0 Prozent: Vollbier
  • mehr als 16,0 Prozent: Starkbier

Was zwischen diesen Stammwürzewerten lag, durfte früher tatsächlich nicht gebraut werden. Das sollte wohl Konsumenten vor Bieren mit zu wenig Stammwürze schützen. Oder hatte, wie so vieles beim Bier, einfach irgendeinen historischen Hintergrund, den heutzutage kein Mensch mehr nachvollziehen kann. Weshalb es durch die direkte Besteuerung nach Stammwürze auch hinfällig wurde.

Für mich ist ein Lückenbier jedoch was anderes. Für mich schließt es die Lücke zwischen interessanten Bieren. Ein Bier, das mich nicht unbedingt anspricht und das ich halt als Lückenfüller besprechen muss, weil es es gibt. So eines wie das Privat Pils der Hofmühl aus Eichstätt. Ich bin ja auch selbst schuld, was muss ich auch Eichstätt aufgrund historischer Fakten zu meinem Testgebiet zählen.

Privat Pils Vorderseite

Wie viel Stammwürze das Privat Pils hat, kann ich nicht sagen. Ich schätze aber, dass es locker bei 11 – 12 % liegen dürfte. Jedenfalls hat es 4,9 % Alkohol und wird auf der Homepage der Brauerei so beschrieben:

Geschmack:   schlank mit ausgeprägter feinherber Bittere

Privat Pils Rückseite

Fällt euch etwas auf? Bei anderen Pilsnern wird die feine Hopfenblume beschrieben. Oder die Citrusaromen des Aromahopfens. Und hier? Hier lobt man am eigenen bier zwei Dinge: schlank und bitter! Und das trifft es ja auch, der Körper ist schlank und die die Bittere kommt hintenraus für ein fränkisch-bayerisches Pils schon deutlich heraus. Und der Hallertauer Edelhopfen? Tja, das ist so ein Begriff “Siegelhopfen” oder ähnliches. Im Grunde genommen sagt er nichts, aber auch gar nichts aus. Ich meine, es ist schon hopfig im Sinne von hopfig herb. Und das legt sich auch wieder bzw. man trinkt sich ein. Aber “aromatisch” ist für mich etwas anderes. Da ist es fast schon “rettend”, dass das Malz mit ein wenig Süße auftrumpfen darf. Wäre da hintenraus nicht besagte Bittere. Es ist, das darf man mit Fug und Recht sagen, ein typisches, deutsches Pilsner. Wer es mag, der mag auch das Hofmühl Privat Pils. Und wer nicht, der findet an so einem Bier alles, was an einem Pilsner sozusagen “schief läuft”.

Tja, diese “Lücke” wäre hiermit geschlossen.

 

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