Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Brauerei Schrüfer/Priesendorf: Vollbier (Nr. 1604)

Neulich hat ein Kommentar im Stern für Diskussionen in der Bierszene gesorgt. “Warum der Hipsterkult nervt – Die Hipster der Republik trinken kein Pils mehr, sondern Craft Beer. Muss das sein? Unser Autor findet: Wenn es für irgendetwas keine Alternative braucht, dann Bier!“, titelte das Magazin und zog sich prompt den Unmut der Craftbiergemeinde zu. Der Kerngedanke des Kommentars lautete: “Kein echter Biertrinker, den ich kenne, mag Craft Beer. Kein einziger! Weil es nicht schmeckt, vor allem nicht nach Bier. Craft Beer ist Bier für Menschen, die kein Bier mögen. Craft Beer schmeckt wie Bionade mit Schuss.

 Schrüfer 1

Das ist natürlich einerseits Quatsch. Gerade Industriepilsner schmecken immer weniger nach dem, was auf dem Etikett steht – nämlich nach Bier. Statt Aromahopfen wurde lange Zeit mehr und mehr auf wenige Bittersorten gesetzt. Um Kosten zu sparen, wurde die Stammwürze (und damit auch “der Körper”) reduziert. Kurz gesagt: Bier verlor über  Jahrzehnte hinweg an Biergeschmack … Dass da Craftbierbrauer jetzt mit verschwenderischem Hopfen- und Malzeinsatz dagegenhalten, tut auch den konventionellen Bieren gut. Man muss nicht immer Aromahopfen mit exotischen Fruchtprofilen verwenden, man kann auch mit “traditionellen Zutaten” wieder gutes Bier brauen.
Und da hat andererseits der Kommentar durchaus recht! “Warum also diese vermeintlich geschmacksintensivere, allzu kunstfertig gebraute Alternative? Angeblich wurde Craft Beer erfunden, weil ein paar amerikanische Studenten vor 30 Jahren Lust auf gutes Bier hatten. Warum haben sie sich nicht einfach eins bestellt?“, fragt sich Tim Sohr.

Schrüfer Priesendorf

Nun ist es durchaus so, dass wir hier in Deutschland (und vor allem in Franken) gesegnet, wenn nicht sogar verwöhnt sind, was gute traditionelle Biere angeht. Biere, die noch so gebraut werden wie vor Generationen. Die im Laufe der Zeit eben nicht “dünngespart” wurden. Biere, bei denen der Geschmack des Braumeisters noch entscheidet und nicht die Bilanz der Marketingabteilung. Oder noch schlimmer einer Unternehmensberatung! Biere wie das Vollbier der Brauerei Schrüfer aus Priesendorf. Hat man so ein helles, unfiltriertes und aromatisch-würziges Vollbier vor sich im Krug stehen, könnte man sich wirklich fragen, wozu man Pale Ales oder Witbiere braucht. An dem Bier passt alles: Es ist zwar durchaus eher mild, was die Bittere angeht, aber alles anderte als lasch. Von Hefe und Hopfen kommen schöne Fruchtaromen ins Bier, das Malz begleitet mit angenehmer Süße. Wie viele Biere in Franken ist auch das eher niedriger gespundet, trotzdem wirkt es mit seinen Zitronennoten und einer ganz minimalen Säure frisch. Das Schrüfer Vollbier mag nicht jedermanns Fall sein, aber es hat das, worum es geht: Es hat Charakter! Und das gilt leider auch hierzulande nicht mehr für alle Biere. Da liegt auch in Deutschland biertechnisch mittlerweile einiges im argen.

Ob man dem jetzt mit Litschi- oder Gletschereis-Hopfen beikommen will oder ob man sich wieder auf traditionelles Brauhandwerk mit charaktervollen Bieren besinnt, ist tatsächlich Geschmackssache. Aber in einem irrt Tim Sohr, wenn er schreibt “Wenn es auf dieser Welt noch irgendetwas gibt, zu dem es keine Alternative braucht, dann Bier.

Doch! Es braucht Alternativen zum Einheitspils! Es braucht wieder geschmackliche Vielfalt. Und dafür bedarf es Input und Inspirationen – auch aus dem Craftbier-Bereich. Denn so wie bisher kann es in Zeiten von Marktbereinigung und stetig sinkender Absatzzahlen nicht weitergehen. Darauf jetzt ein schönes, kühles und gutes Bier – egal ob modernes Craftbier oder traditionelles Vollbier!

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