Dass ich meine Brötchen – oder besser meine Bierchen – mit einem ehrbaren Beruf verdiene, hatte ich schon mal geschrieben. Man mag es fast nicht glauben, aber ich werde nicht fürs Biertesten bezahlt. Leider. In meinem „wirklichen Leben“ bin ich Dozent für die wunderbare deutsche Sprache. Und in diesem Job erlebt man so Einiges. Erklärt mal zum Beispiel das Wort „Ohrwurm“, also das Bild, wie sich so ein Lied durchs Ohr in die Hirnwindungen windet, einem Wurm gleich … Dabei ist der Ohrwurm, von Neurologen wissenschaftlich Involuntary musical imagery (ungewollt entstandene Musikbilder) genannt, je nach Lied alles andere als lustig. Ich zum Beispiel habe so einen Ohrwurm gerade. Bei mir läuft seit Tagen schon immer wieder Queens Seven Seas of Rhye ab.

Nun fragt man sich natürlich, wie so ein Ohrwurm entsteht. Woher kommt dieses fiese Würmchen, das sich da ins Ohr frisst und bleibt und bleibt und bleibt. Und ihr werdet es nicht glauben, es gibt für alles einen Experten. Das SZ-Magazin hatte sich 2012 mal intensiv mit den Ohrwürmern auseinandergesetzt und dazu den Musikmediziner Eckart Altenmüller interviewt. Der begründete die Entstehung eines Ohrwurms – in dem Fall wurde der das Interview führende Journalist vom Lied der Schlümpfe geplagt – so:
Sie Armer. Für so etwas genügen schon ganz nebensächliche Assoziationen. Es könnte zum Beispiel sein, das Sie etwas Schlumpfblaues gesehen haben. Oder dass in der Zeitung irgendwas über Oberhausen stand und Sie von da auf Schlumpfhausen gekommen sind.

RyePA2

 

Der Ohrwurm sagt also indirekt etwas darüber aus, wie das Hirn des Ohrwurmgeplagten so tickt. Bei mir ist das in dem Fall ganz einfach. Auf meiner Bier-Wunschliste steht nämlich ganz oben das Rye PA von der Braumanufaktur Weyermann®. „Rye“ heißt Roggen und hat zwar nichts mit dem Fantasieland „Rhye“ aus den Kindheitstagen Freddy Mercurys zu tun. Die Frage, ob es in „Rhye“ wogende Roggenfelder gegeben haben könnte, muss nach dem Tod des Queen-Sängers ungelöst bleiben. In meinem Kopf hat der gleiche Klang der Wörter aber ausgereicht. Ist schon witzig, wie unser Gehirn Sachen verbindet. Schön, dass ich das jetzt weiß, der Ohrwurm bleibt trotzdem. Also weiter recherchiert, denn irgendwie muss das Ding ja wieder loszuwerden sein. Freud sagte übrigens, der Ohrwurm stünde für einen unerfüllten Wunsch. Ich muss also nur ins neu eröffnete Besucherzentrum, mir im Fanshop ein Fläschchen holen, das Ganze öffnen, vielleicht mit Queen im Hintergrund degoutieren und dann müsste alles wieder gut sein.

Fan Shop

Konzentration auf etwas anderes (Farbe, Geruch und Geschmack) sollen ja genauso helfen, wie den Song einmal komplett zu hören (weil das Gehirn dann „gesättigt“ wäre) und zur Not höre ich mir noch mehr Queen gleich mit an (so als Gegenohrwürmer).

RyePA Weyermann®

Und weil wir gleichmal bei solchen Assoziationen sind – beim Geruch und Geschmack ist es nicht anders. Schließe ich zum Beispiel die Augen und schnuppere am RyePA, dann … dann hat man eine interessante Mischung aus Malz und Hopfen. Womit vergleiche ich das jetzt am ehesten? Vielleicht mit einem Mango-Relish auf dunklem, fränkischem Landbrot??? Vielleicht wäre das eine passende Assoziation – aber wie das wiederum zu den frühen Queen-Alben passt? Fragt mich nicht!

Weyermann RyePA

Der Roggenanteil gibt dem Bier eine interessante Tiefe. Immerhin 40 % Roggenmalz sind es, die dem Gerstenmalz im Rye PA Gesellschaft leisten. Und Malz scheint zur Genüge drin gewesen sein, denn das Rye PA kommt auf satte 7,0 % Alkohol! Nicht umsonst steht auf dem Etikett „Bockbier“.

Rye PA Weyermann®

Und ich finde, das mit dem Alkohol merkt man auch, wobei der Alkohol nicht unangenehm im Geschmack auffällt. In Sachen Geschmack hat man ein interessant roggenmalziges Bier, brotige Noten sind da deutlich vertreten. Dazu kommt auf der anderen Seite der fruchtige, ein wenig exotische Hopfen. Allerdings begleitet der den Malzkörper eher. Also keine reine Hopfenbombe, eher eine Hopfen- und Malz-Bombe. Und die fruchtigen Aromen des Hopfens vertragen sich recht gut mit dem erdigen Malz. Die Bitterwerte sind übrigens für ein IPA sehr verhalten – oder fallen bei all dem Malz, der Hefe, dem Alkohol und dem fruchtigen Aroma nur nicht so auf. Jedenfalls ist das Rye PA ein interessantes Bier, das schon irgendwie zu Queen passt: vielschichtig, schillernd (in „Wirklichkeit“ kommt das Rot heller und schöner heraus als auf den Bildern), überraschend und immer wieder zwischen avantgard und traditionell hin- und herschwingend. Vielleicht – auch wieder wie Queen – nicht jedermanns Sache, aber probieren sollte man es durchaus mal.

Weyermann® Shop 1

Den Ohrwurm bin ich übrigens wieder los. Hat super geklappt. Ich bin von der Arbeit bei der Weyermann® vorbeigefahren, habe mir ein RyePA geholt und schon auf dem Nachhauseweg hat sich ein anderer Ohrwurm langsam in mein Hirn gefressen, wieder von Queen. Vielleicht hätte ich nicht mit dem Rad fahren soll. Ich sag nur eins:

I want to ride my bicycle,
I want to rinde my bike!

Mal sehen, welches Bier jetzt dagegen hilft!