Der Führer durch die fränkische Bierwelt

Braumanufaktur Weyermann®/Bamberg: Weyermann®’s Waldgeheimnis (Nr. 1260)

Wenn wir über Bamberg, Craftbier und Braumanufakturen sprechen, dann geht es nicht ohne ein Bier der Braumanufaktur Weyermann®. Das ist ja für mich durchaus sowas wie die ultimative Braumanufaktur, auch wenn es mittlerweile ein computergestütztes Sudwerk gibt. Und im Gegensatz zu so Manchem, was sich Brauwerkstatt, -manufaktur oder ähnlich nennt, ist die Braumanufaktur Weyermann® sowas wie ein “Think-Tank” in Sachen Bier in Deutschland. Ich denke mal abgesehen von einer Gose haben die Weyermänner nahezu alles gebraut, was man sich vorstellen kann. Und noch viel mehr.

Weyermann Waldgeheimnis 3

Das heutige Bier des Tages ist so ein Bier, das eher jenseits der Vorstellungskraft traditioneller Biertrinker liegt. Es geht um Weyermann®’s Waldgeheimnis!
Ein Freund von mir, ein wahrhaft traditioneller Biertrinker, würde angesichts eines solchen Biers mit Fichtennadelauszügen angewidert die Nase rümpfen und mir zurufen, ich möge mit dem “Rivella-Bier” wegbleiben. Andererseits würden meine “avantgarden” Bierfreunde jetzt die Ohren spitzen. Fichtennadeln? Aha! Interessant!

Weyermann Waldgeheimnis

Die echten Biernerds unter den Lesern werden jetzt natürlich einwenden, dass Weyermann®’s Waldgeheimnis nicht das erste “Waldbier” ist. Da gibt es Kiesbye’s Waldbier zum Beispiel. In Amberg hatten wir im Rahmen der Leading Beers Messe während der TV-Diskussion  über Sinn und Unsinn des Reinheitsgebots ebenfalls ein schottisches Ale, das statt mit Hopfen mit Tannenzapfen und ähnlichem aromatisiert wurde. Auch beim Braggot der Pax Bräu aus Oberelsbach (das mir leider auch noch fehlt) gibt Andreas Seufert junge Tannentriebe während des Brauvorgangs zu. Beim Waldtraum der Braumanufaktur Weyermann® kommen die Fichtenzweige/Nadeln beim Abläutern zum Bier. Die Idee kam dem Braumeister Dominik Maldoner bei einem Spaziergantg durch den Wald. Gebraut wurde es dann am 03. Juni 2013. Und kürzlich hatte ich den Bock mit satten 7,1 % vor mir stehen.

Weyermann Waldtraum 2

Quelle:https://www.facebook.com/pages/Weyermann-Braumanufaktur/219485984743037

Farblich ein rotblond-bernsteinfarbenes und gut trübes Bier. Sind ja auch 90 % Wiener Malz drin. Das Aroma ist leicht rauchig. Das ist den 5 % Weyermann® Buchenholz Gerstenrauchmalz geschuldet. Als “Rauchbier” würde ich es aber trotzdem nicht einsortieren. Denn geschmacklich kommt die Rauchnote nicht so deutlich heraus. Deutlicher kommt eine apfelfruchtig-würzige Note hervor. Dann wird’s wieder eher malzig, süßlich wie nach getrockneten Aprikosen. Riecht das nach jungen Fichtentrieben? Gute Frage. Während ich ja Tannenaromen (vom Weihnachtsbaum) und Kiefernaromen (vom Erkältungsbad) her gut einordnen könnte, tue ich mir bei Fichten schwerer. Auch beim Geschmack denkt man vielleicht nicht als erstes an Wald. neben der süßen Würze hat man auch hier Apfelaromen, fruchtige Karamellsüße, auch irgendwo leicht harzige Noten. Wobei auch da die Frage ist: Wie schmeckt Harz eigentlich? Je weiter man sich mit dem Waldgeheimnis beschäftigt, desto deutlicher werden erdige Noten hintenraus.

Weyermann Waldgeheimnis 4

So ein Bier bringt einen sensorisch schon an seine Grenzen. Nicht nur wegen der Fichtenaromatik, die man irgendwei einzuordnen versucht. Die paart sich nämlich auch noch mit Tettnanger-, Stella- und Hercules-Hopfen. Und das ergibt zusammen wahrscheinlich mit dem Malz diese durchaus kompexe “Lieblichkeit”. An Bittereinheiten bringt das Waldgeheimnis gerade mal 25 BE mit. Da könnte es vielleicht ein wenig mehr haben, um besagter Fruchtigkeit etwas mehr entgegenzusetzen. Andererseits hat man mit dem Walfgeheimnis ein cooles und durchaus leckeres “Dessertbier” vor sich stehen. Ob ich es zu Wild oder zum Schweinebraten empfehlen würde, weiß ich nicht. Beim Wild könnte das Waldgeheimnis der Braumanufaktur Weyermann® die Funktion der gekochten Birne mit Preiselbeeren erfüllen. Andererseits befürchte ich, dass die zu starken Aromen eines Wildgerichts die feine Aromatik des Waldgeheimnisses “überdecken” könnten. Wer es mal in die Hände bekommt, sollte es probieren. Weiter als mit den avantgarden Kreationen der Braumanufaktur Weyermann® kann man hierzulande kaum über den Tellerrand der deutschen Braukultur und des Reinheitsgebots schauen. Wer sich darauf einlässt, kann interessantes entdecken …

P.S.: Dass es sich bei diesem Bier natürlich nicht um ein Bier, sondern um ein alkoholhaltiges Malzgetränk handelt, versteht sich von selbst. Aber was ich von solchen Einteilungen halte, habe ich ja während des TV-Talks während der Leading Beers Messe deutlich gemacht. ;-)

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